Abschied und Jubiläum

Jubiläum: 50. Ausgabe der Lila Blätter … und Abschied!

 1988 war es so weit: Das erste Frauenreferat in der EKD wurde in der Evangelischen Kirche von Westfalen gegründet. Und kurze Zeit später - im Dezember 1989 - erschien die erste Ausgabe der LILA BLÄTTER. Damals mit dem Untertitel „Rundbrief des Frauenreferats der EKvW“ mit vielen frauen- und kirchenpolitischen Themen und Informationen. 50. Ausgaben der Lila Blätter sind seitdem erschienen – ein Jubiläum, das zum Innehalten einlädt! Viele verschiedene Referentinnen aus dem landeskirchlichen Frauenreferat der EKvW und einige Ehrenamtliche haben seitdem in dem Redaktionsteam mitgearbeitet und ihre Ideen und Gedanken in das Magazin eingebracht. Die Schwerpunkte hatten ein breites Spektrum und wechselten zwischen feministisch-theologischen und gesellschaftspolitischen Themen, z. B.: „Zum Bilde Gottes geschaffen - Beiträge zur Gen- und Reproduktionstechnologie“, „Brustkrebs“, „Arbeitgeberin Kirche“ „Homosexualität“, „Umgang mit Trennung und Scheidung“ und „Familie leben“.

Zwei Mal gab es einen „Relaunch“- einen Veränderungsprozess – sowohl im Layout als auch im inhaltlichen Aufbau der Publikation. Das Jubiläum, also die 50. Ausgabe der Lila Blätter, gab nun erneut den Anlass innezuhalten und über den weiteren Fortbestand der Lila Blätter nachzudenken. Die sinkende Abonenntinnenzahl, eine steigende Arbeitsbelastung und der Wunsch nach aktuellerer Informationsweitergabe waren schließlich Punkte, die zu einer klaren Entscheidung führten: Die 50. Ausgabe der Lila Blätter wird die Letzte sein! “Wir werden uns auch weiterhin frauenpolitisch zu Wort zu melden!“, so Nicole Richter, Fachbereichsleiterin des FB 5 im Institut für Kirche und Gesellschaft. Das Frauenreferat der EKvW im Institut für Kirche und Gesellschaft wird zukünftig auf „Lila Links“ setzen und frauenpolitische Informationen in einem Newsletter bündeln und verbreiten. Der Newsletter kann kostenlos über die Webseite www.kircheundgesellschaft.de/frauenreferat bezogen werden. „Es geht also weiter - nur anders“, resümiert Nicole Richter, denn „die Themen, die in den Lila Blättern behandelt wurden sind und bleiben weiterhin aktuell“.

 Das derzeitige Redaktionsteam bestehend aus Anke Engelmann (Verwaltung), Sylvia Bachmann-Breves (Juristin), Diana Klöpper (Pfarrerin) und Nicole Richter (Journalistin) bedankt sich bei allen Frauen und Männern, die zum Gelingen der Lila Blätter beigetragen haben. „Wir danken den Grafikerinnen für ihre wunderbaren kreativen Ideen und deren Umsetzung, den Druckereien für die gute Zusammenarbeit, den Werbepartnern für die finanzielle Unterstützung und natürlich den Abonnentinnen, den interessierten Frauen und Männern, die die Lila Blätter gelesen, durchgestöbert oder verschenkt haben!“

Die letzte Ausgabe der Lila Blätter ist soeben unter dem Titel „Jubiläum und Abschied“ erschienen und kann im Frauenreferat unter

 Fon: 02304/755-234 oder

eMail: anke.engelmann(at)kircheundgesellschaft.de

bestellt werden. Darin u.a. ein Kommentar zur Ukraine Krise von Dr. Holger Gemba, Informationen zum alternativen Organspendeausweis der Evangelischen Frauen in Deutschland und Tipps und Termine aus den Kirchenkreisen.

Eine Anmeldung für den frauenpolitischen Newsletter ist ab sofort auf der Webseite unter www.kircheundgesellschaft.de/frauenreferat möglich.

 

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"Hello, Mrs. Perfect"

3. Westfälischer FrauenKirchenTag in Dortmund

Am 19. September 2015 ist es wieder soweit: Der dritte Westfälische FrauenKirchenTag findet von 9.30-17.00 Uhr im Reinoldinum in Dortmund statt! „Thematisch geht es um den weiblichen Anspruch perfekt zu sein“, so Anke Steger, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund. Gemeinsam mit der Konferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der Evangelischen Kirche von Westfalen, der Ev. Frauenhilfe und dem Amt für Mission, Ökumene und Weltverantwortung  der EKvW hat sie die Veranstaltung mit vorbereitet.

Zum Einstieg erwartet die Teilnehmerinnen eine Bibelarbeit mit der Theologin und Clownin Dr. Gisela Matthiae. Die Frage, wie Frauen mit dem oft unerreichbaren Anspruch auf Perfektion klug umgehen können, zieht sich durch den Tag. Am Nachmittag gibt es 11 thematisch passende Workshops, aus denen die Teilnehmerinnen auswählen können, z.B. Bibliodrama zum Thema Schönheit oder „Nein sagen!“ Grenzen setzen und trainieren, kunstvoll unperfekt Malen, entspannen oder Singen im Chor. Wer sich über Leben mit Behinderung, Beeinträchtigung oder Krankheit austauschen möchte, kann das ebenso tun, wie frauenfreundliches Selbstmanagement erlernen. „Das Angebot ist extra breit gefächert, so dass sowohl Frauen Ü30 etwas finden als auch Frauen über 60 Jahre“, erläutert Nicole Richter, Fachbereichsleiterin des Frauenreferates der EKvW, die Idee der generationsübergreifenden Veranstaltung. Ein Ziel des Tages ist es auch, Frauen verschiedenen Alters ungezwungen miteinander ins Gespräch zu bringen und von weiblichem Wissen gemeinsam zu profitieren, z.B. bei dem Podiumsgespräch über den Umgang mit der eigenen Mrs. Perfect. Der 3. Westfälische FrauenKirchenTag schließt mit einem liturgischen Abschluss um 17.00 Uhr. Kosten: 25,-€  inkl. Mittagssnack. Anmeldungen sind ab sofort möglich unter www.kircheundgesellschaft.de/frauenreferat. Oder per Flyer auf dem Postweg. Weitere Informationen sowie den Flyer erhalten Sie im Frauenreferat der EKvW unter 02304-755-230.

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Vielfalt leben und begleiten! Fachtag Gender

Die Evangelische Kirche von Westfalen hat sich auf den Weg
gemacht und ein Zeichen für Offenheit und gelebte Vielfalt gesetzt.
Dies zeigt der Beschluss der Landessynode vom November 2014.
Gleichgeschlechtliche Paare dürfen in einem öffentlichen Gottesdienst
gesegnet werden.
Wie schaffen wir eine offene, einladende Atmosphäre, in der sich
alle angenommen fühlen, z. B. in den Gemeinden, der Jugendarbeit,
den Kindergärten? Wie kann ein Leben in Vielfalt in der Gemeinde oder in der Jugendarbeit praktisch funktionieren?
Der Fachtag Gender bietet einen Raum für Informationen, Austausch
und Diskussion rund um die Facetten von Geschlechtergerechtigkeit.
Dabei gibt die FUMA Fachstelle Gender NRW Impulse zu den Themen „Gender und geschlechtliche Vielfalt“.
In Projekt-Stationen werden bewährte Methoden und neue Gender-Ideen für die Kinder-, Jugend- und Gemeindearbeit vorgestellt und ausprobiert.
Seien Sie herzlich willkommen zum Kennenlernen, Austauschen
und Kooperieren!

Renate Krull, die erste Gemeindepfarrerin der EKvW, ist verstorben

Renate Krull, erste gewählte Pfarrerin in der Evangelischen Kirche von Westfalen, ist am Samstag, 16. Mai 2015 im Alter von 89 Jahren in Dortmund gestorben.

Am Donnerstag haben mehr als hundert Menschen in einer sehr persönlichen Trauerfeier Abschied von Renate Krull genommen. In ihrer Ansprache über den Vers „… auf dass wir etwas seien zum Lobe seiner Herrlichkeit“ (Eph 1,12) formulierte Pfarrerin Birgit Fiedler, was für Renate Krull der Inhalt ihres Lebens war – Gott zu loben in der Zuwendung zu den Menschen.

Die Erinnerung an das Leben Renate Krulls erzählte der Trauergemeinde auch ein Stück westfälischer Kirchen- und Theologinnengeschichte sowie Geschichte der Dortmunder Martingemeinde.

Renate Krull begann 1950 ihr Theologiestudium und begab sich zu dieser Zeit als Frau noch in eine rechtlich sehr ungeklärte Situation.

Nach dem zweiten theologischen Examen im Jahr 1956 war ihr pastoraler Dienst eng mit der Stadt Dortmund verbunden. Hier war sie Lehrvikarin bei Gerda Keller und wurde nach dem zweiten theologischen Examen am 23. August 1959 in Asseln ordiniert.

Von 1960 bis 1961 und dann wieder ab 1964 übernahm sie den Vertretungsdienst in der Martingemeinde am westlichen Rand der Dortmunder Innenstadt.

Dort wurde sie am 21. Februar 1965 als erste Frau in der Evangelischen Kirche in Westfalen in eine der beiden Pfarrstellen der Gemeinde eingeführt.

Angesichts der rechtlichen Grundlage war ihre Wahl eine genehmigte Ausnahme. Denn mit der Einführung des sogenannten Pastorinnengesetzes von 1964 waren Theologinnen zwar in Pfarrstellen wählbar, allerdings nur in Gemeinden mit mindestens drei Pfarrstellen. So sollte sichergestellt werden, dass Gemeindeglieder, die den Dienst einer Frau ablehnten, einen Mann anfragen konnten. „Die Gemeindeglieder hatten in der Regel keine Probleme damit, sich von mir als Frau die Predigt anzuhören oder sich von mir trauen zu lassen“, erinnerte sich die Theologin im Rückblick auf ihre ersten Amtsjahre. „Da machte eher schon einmal ein Kollege eine entsprechende Bemerkung.“

Die Ausnahmeregelung für die Martingemeinde in Dortmund hat sich im westfälischen Sprachgebrauch als ‚Lex Krull’ etabliert.

Die volle rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt folgte erst zehn Jahr später – 1974. Die bis dahin noch geltenden Einschränkungen für Theologinnen, die Verpflichtung zur Ehelosigkeit und die drei Pfarrstellen Regel, entfielen.

Als Herzstück ihrer Arbeit hat Renate Krull den direkten Kontakt zu den Menschen empfunden.

Daneben engagierte sie sich in vielen Gremien und war unter anderem langjährige Kassenführerin im Westfälischen Theologinnen-Konvent. Dessen 80 jähriges Jubiliäum wurde im Februar 2014 im Rahmen des Westfälischen Theologinnen Tag in Dortmund gefeiert - Renate Krull war Ehrengast.

Als erste gewählte Frau im Pfarramt war Renate Krull eine der Pionierinnen auf dem Weg der Theologinnen ins Pfarramt.

Sie selbst hat im Rückblick auf ihren Weg ins Pfarramt formuliert: ‚Manchem mag mein Weg ins Pfarramt mühevoll erscheinen. Ich habe es niemals so empfunden. […] Das verdanke ich nicht zuletzt dem Dienst und der Bewährung der Theologinnen vor mir.“

Heute sind Frauen im Pfarrdienst Normalität. Das verdanken wir nicht zuletzt den Theologinnen, die diesen Weg zuerst gegangen sind – und mit ihnen auch Renate Krull.

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Deutscher Evangelischer Kirchentag

„Klug leben – klug werden – klug sterben?“
Die Rheinisch-Westfälisch-Lippische Bühne beim DEKT

 

27 Grad, Sonnenschein, 900 Menschen sitzen vor der Bühne auf dem Stuttgarter Karlsplatz und warten auf Dr. Daniele Garrone aus Rom, der die Bibelarbeit an diesem Morgen gestaltet. Die BBÖ Brass Band soll spielen und das Thema „Klug leben – im eigene Rhythmus“ steht auf dem Programm. Inga Schlüter aus Stuttgart wollte eigentlich nur kurz in die Stadt, doch das Thema „Klug leben“ hat sie überzeugt zu verweilen. „Eigentlich habe ich mit Kirche nichts am Hut, aber das Thema hört sich interessant an, sagt die fünfunddreißig Jährige. Stuttgart ist wie verwandelt, findet sie, überall singen Menschen, spielen Posaunenchöre, stehen Bühnen und gibt es Programm. So auch auf dem Karlsplatz, mit dem großen Reiterdenkmal in der Mitte und schattenspendenden Bäumen links und rechts. Das Café Amadeus entpuppt sich als taktisch guter Aussichtspunkt um das Programm auf der Bühne länger zu verfolgen. Erste Interviewgäste sind die Abenteurerin Janice Jakait und die Nonne Senora Christophora Janssen aus dem Kloster Hildegard von Bingen.

 

 

Auf die Frage, wie man klug im eigenen Rhythmus leben kann, finden sie ihre ganz eigenen Antworten. Janice Jakait hat in 90 Tagen 6500 km mit ihrer eigenen Muskelkraft rudernd zurückgelegt und den Atlantik in einem Boot überquert. Sie hatte 2011 das Gefühl, sich auf die Suche nach sich selbst zu begeben, was sie nach einer besonderen Phase der Vorbereitung auch tat. Ohne sich auf eine Pilgerreise begeben zu wollen, würde sie ihre Abenteuertour heute so betiteln. „Auf dem Meer, in der tosenden Stille habe ich gelernt, dass es nicht darauf ankommt, irgendwo zu sein oder irgendwo anzukommen – das Ziel ist, ganz im Jetzt, ganz im Augenblick zu sein, erzählt Janice Jakait im Interview. An Gott, glaube sie nicht, aber an die Kraft des Universums. Ganz anders dagegen Senora Christophora Janssen. Die Nonne lebt in einer Frauenkommunität nach den Regeln des Heiligen Benedikts und in der Tradition der Hildegard von Bingen. Für sie ist das Leben nach den Exerzitien ihre Form der Freiheit. Sie hat dieses Leben gewählt, um in ihrem Rhythmus leben zu können. Die Regeln dienen ihr dazu, den Wechsel von Leben, Arbeiten und Beten jeden Tag verfolgen zu können. Die spirituelle Lebensgemeinschaft der Frauen trägt sie dabei, fordert sie heraus und bestärkt sie in ihrem Handeln für die Nächsten. Sie ist Künstlerin und arbeitet mit Menschen, die in das Kloster kommen, weil sie ihren eigenen Rhythmus verloren haben. Sie entdecken ihn in der Kunst oft wieder-für Senora Christophora Janssen ein großes Geschenk. Doch wie kann man klug leben ohne aus der Gesellschaft auszusteigen?, wollen die ModeratorInnen Axel Neudorf, Pastor der  Jugendkirche Wuppertal und Nicole Richter vom Frauenreferat der Evangelischen Kirche von Westfalen wissen. Rüdiger Bechstein, Personalentwickler des Familienbetriebs Kärcher und Mitglied des DEKT-Präsidiums, ist der Meinung, dass dafür die Strukturen verändert werden müssen - vor allem im Arbeitsleben. Er strebt eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf an. Flexible Arbeitszeiten, ein kommunikatives und authentisches Betriebsklima, Personalplanung, die an die Bedürfnisse der Mitarbeitenden angepasst ist – das sind seine Erfolgsstrategien. Christina Brudereck, Theologin und Poetin aus Essen, unterbricht ihren Arbeitstag immer wieder mit kleinen Andachten, Momenten, die Raum geben für ihre Beziehung mit Gott. Klug leben, bedeute für beide aber auch in Verantwortung für Andere und der Umwelt zu leben. Fair-speisen, fair-fahren, fair-reisen – diese Aspekte des klugen Lebens traten am Donnerstagnachmittag in den Fokus –nach dem Mittagsgebet mit Vizepräses der EKvW Albert Henz. Die vegane Köchin, Zsuzsa, auch bekannt als Leckerschmecker Küchenfee, zauberte nicht-tierische, bio-, faire Probierhäppchen, die im Publikum verteilt, auf sehr gute Resonanz stießen. Das bunte, vielseitige und kurzweilige Programm wurde in Zusammenarbeit von drei Landeskirchen, nämlich Rheinland-Westfalen und Lippe, vorbereitet. Am Freitag stand das Thema „Klug werden“ unter dem Bildungsaspekt im Vordergrund. Am Samstag wurde auf der Bühne am Karlsplatz über Sterbebegleitung und Palliativmedizin diskutiert, u.a. mit dabei der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider. „Die gemeinsame Planung und Durchführung des Programms der Open-Air-Bühne war eine erfolgreiche Kooperation, die der Wiederholung bedarf!“, fanden die Beteiligten der Projektleitung. Sie schauen bereits hoffnungsvoll auf den nächsten Deutschen Evangelischen Kirchentag, der voraussichtlich vom 24. bis 28. Mai 2017 in Berlin und Wittenberg stattfinden wird.

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Magazin der Vereinten Evangelischen Mission

Zwangsprostituierte, Haushaltshilfen, Kindersoldaten: Millionen Menschen sind Opfer von Menschenhandel. Die VEM hilft.Lesen Sie hier mehr zu diesem Thema in der aktuellen Ausgabe.

"Ich habe genug..."

Erstes Frauenmahl in Letmathe

„Es war das zweite Frauenmahl im Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn, aber das erste in Letmathe!“, freute sich Veranstalterin Pfarrerin Ruth Hansen, Frauenreferentin im Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn.

Sie hatte, zusammen mit einem breiten Frauen-Bündnis, das Frauenmahl am Freitag, 17.04.2015 organisiert. Superintendentin Martina Espelöer begrüßte die 130 Frauen in der festlich gestalteten Friedenskirche in Letmathe. Viele der Teilnehmerinnen hatten schon von der erfolgreichen Veranstaltungsform „Frauenmahl“ gehört oder gelesen und wollten nun die Gelegenheit nutzen, selbst einmal dabei zu sein. Das Thema des Frauenmahls lautete: „Ich habe genug…“. Vier Rednerinnen aus Politik, Gesellschaft, Kirche und Kunst waren eingeladen, die unterschiedlichen Facetten, die das Thema eröffnet, gedanklich zu entfalten. Erste Rednerin sollte die Autorin des Buches „Glasknochen sucht Therapiehund“, Marianne Metta, sein. Aufgrund einer Erkrankung konnte sie leider nicht persönlich anwesend sein, so dass ihre Rede verlesen und ein Foto von ihr eingeblendet wurde. Ihr Statement „Ich habe genug!“, im Sinne von „Mir reicht es!“, machte deutlich, dass Inklusion im Kopf beginnen muss. Marianne Metta, die aufgrund der Glasknochenkrankheit im Rollstuhl liegt, plädierte dafür, Stigmatisierungen, wie z. B. das Wort „Behinderung“ aufzugeben und stattdessen Inklusion für alle Menschen zu ermöglichen. Inklusion bedeute nicht nur Rollis und Rampen zu bauen, sondern den Abbau von Vorurteilen und Zuschreibungen im Kopf anzugehen – schon im Kindesalter.

Als zweite Rednerin war Dagmar Freitag eingeladen. Sie ist Politikerin und Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie sprach zu dem Aspekt „Habe ich genug Einfluss? Politik zwischen Macht und Ohnmacht“. Als Politikerin verfüge sie über die Macht des Wortes, mit dem sie versuche, andere von einer solidarischen Gesellschaft zu überzeugen. Manchmal gelinge ihr es Einfluss zu nehmen, manchmal seien die Widerstände zu groß und sie müsse politische Kompromisse schließen. Hin und wieder wünsche sie sich mehr Einfluss und Macht, wenn sie z. B. von den Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer höre oder von der unvorstellbaren Gewalt durch islamistische Terrorgruppen. Generell sei sie aber froh, dass das politische System in Deutschland die Macht verteilt und sich der Staat selbst kontrolliert. Denn zu einer einseitigen Machtausübung, wie es in der deutschen Vergangenheit schon einmal war, dürfe es nicht wieder kommen.

Angeregt durch die pointierten Reden, kamen die teilnehmenden Frauen miteinander ins Gespräch und diskutierten u.a. über eigene Erfahrungen mit Inklusion z. B. an Schulen und den Möglichkeiten des eigenen politischen Engagements. Musikalisch gerahmt wurde der Abend durch Querflöten- und Klaviermusik des Frauentrios „Schöne Töne“. Genug zu essen gab es auch. Ein mehrgängiges, vegetarisches Buffet, das durch das Hotel Nieder in Ostwig zubereitet wurde, eröffnete neue Geschmackserlebnisse, von denen frau nicht genug bekommen wollte. 35€ kostete eine Karte für das Frauenmahl, inklusive 4-Stunden Programm, Speisen und Getränke. „Wir wissen, das können sich nicht alle leisten.“, so Beate Jarzombek von der Beratungsstelle der Netzwerk Diakonie Mark Ruhr. Deshalb haben die Organisatorinnen in der Einladung zum Frauenmahl auf die Möglichkeit hingewiesen, eine Patinnenschaft zu übernehmen und so einer anderen Frau, eine Karte zu finanzieren. Zudem gab es ermäßigte Karten für Geringverdienerinnen. „Barrierefreiheit muss auf verschiedenen Ebenen stattfinden“, so Beate Jarzombek, „das fängt bei Vergünstigungen im Eintrittspreis an, geht aber weiter in der Verwendung leichter Sprache bis hin zu einer Atmosphäre des Willkommen- und Angenommenseins.“ Und genau das haben die Organisatorinnen sich zum Ziel gesetzt. So wurden die Reden der Tischrednerinnen im Vorfeld in leichte Sprache übersetzt und per Beamer projiziert. Ziel bei der Verwendung von leichter Sprache ist es, einfache Sätze zu bilden, die Aussage mit Bildern zu unterstreichen, Fremdwörter zu vermeiden und so eine größere Teilhabe von Menschen zu ermöglichen. Die Übersetzung wurde dann von Menschen mit Beeinträchtigungen geprüft und für gut befunden. So konnten u.a. auch die 15 Frauen aus dem Umfeld der Beratungsstelle der Netzwerk Diakonie den Inhalten der Reden barrierefrei folgen. „Wir haben bei der Vorbereitung des barrierefreien Frauenmahls nach neuen Wegen der gerechten Teilhabe gesucht, so dass am Ende alle genug haben“, so Christiane Dietz, Dekanatsreferentin für Jugend und Familie im Dekanat Märkisches Sauerland und eine der Moderatorinnen des Abends.

 

Die engagierteste Rednerin des Letmather Frauenmahls war die 78-jährige Sr. Lea Ackermann, Gründerin und Vorsitzende des Vereins SOLWODI- Solidarität mit Frauen in Not. Sie plädierte in einer flammenden Rede, geprägt von ihren bedrückenden Erfahrungen einer Keniareise, für die Abschaffung der Prostitution in Deutschland, die globalen Frauenhandel fördere und die Unterdrückung der Frau in der Gesellschaft weiterhin festige. Sie lud die Teilnehmerinnen ein, sich an einer Unterschriftenaktion zu beteiligen, der auch viele folgten. Einen clownesken Abschluss mit klugen Gedanken zum Thema „Ich habe genug…“ inszenierte Gisela Matthiae, Clownin und Theologin. In ihrer Rolle als Adele Seibold lehnte sie sich entschieden gegen das derzeitige gesellschaftliche Frauenbild, der immer fitten, sportlichen, fröhlichen Frau, die jede Herausforderung mit Leichtigkeit meistert und nie gut genug sein könne.

Mit einer Praline und dem Lied „Die Gedanken sind frei“ endete das anregende Frauenmahl. Superintendentin Martina Espelöer dankte der Gleichstellungsstelle der Stadt Iserlohn, der Beratungsstelle der Netzwerk Diakonie Mark Ruhr, dem Dekanat Jugend und Familie Märkisches Sauerland, dem Frauenreferat der EKvW, dem Frauenreferat und -ausschuss des KK Iserlohn und regte an, die gelungene Kooperation für die Planung eines weiteren Frauenmahls zu nutzen.

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Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der evangelischen Kirche in Deutschland

Einen Überblick über die Gleichstellung von Frauen und Männern in der evangelischen Kirche in Deutschland gibt der erste Atlas zur Gleichstellung, der Anfang März 2015 erschienen ist. Der Atlas wurde vom Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie in Kooperation mit der Konferenz der Frauenreferate und Gleichstellungsstellen in den Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) herausgegeben. Vorbild der Veröffentlichung ist der Gleichstellungsatlas des Bundes. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm würdigte die Möglichkeiten der vertieften Analyse, die der Atlas eröffnet. Überrascht habe ihn, wie vielfältig sich die Situation in den einzelnen Landeskirchen schon auf den ersten Blick darstelle. "Möge der Atlas vielfach genutzt werden, um dem Ziel einer gleichberechtigten Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche noch ein Stück näher zu kommen".

1989 hatte die EKD-Synode in Bad Krozingen beschlossen, die ausgewogene Repräsentanz von Männern und Frauen in kirchlichen Gremien anzustreben. Die Synode des Bundes der evangelischen Kirchen in der DDR fasste ein Jahr später in Leipzig ähnliche Beschlüsse. Aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums dieser Beschlüsse stellte Simone Mantei vom Studienzentrum für Genderfragen die Ergebnisse des Gleichstellungsatlasses im November bei der EKD-Synode in Dresden vor. Die Zielvorgabe von 1989 haben aktuell sowohl die Synode der <acronym>EKD</acronym> mit einem Frauenanteil von 46 Prozent als auch der Rat der <acronym>EKD</acronym> mit einem Frauenanteil von 47 Prozent fast erreicht. Im Vergleich lag der Frauenanteil im Bundestag im vergangenen Jahr bei 36,5 Prozent, in der Bundesregierung bei 40 Prozent.

Neben den Daten zu der Verteilung der Leitungsämter wurden auch Zahlen zum kirchlichen Leben erhoben. <acronym>EKD</acronym>-weit liegt der Anteil der Männer, die sich ehrenamtlich engagieren, bei 31 Prozent. Auch der Anteil der Frauen im Pfarramt wurde untersucht. Die Präses der EKD-Synode Irmgard Schwaetzer zeigte sich vom Ergebnis überrascht: "Gefühlt hatten wir den Eindruck, dass inzwischen mehr Pfarrerinnen als Pfarrer in der evangelischen Kirche Dienst tun. Realität ist, dass unter den Ordinierten 33 Prozent Frauen sind – immerhin." Bemerkenswert sei auch mit nur 20 Prozent die geringe Repräsentanz von Frauen auf der Mittleren Leitungsebene. Mit der Suche nach den Ursachen soll sich laut Beschluss der Synode eine Folgestudie des Studienzentrums befassen. Sie wird die Anforderungsprofile für kirchliche Leitungspositionen auf mittlerer Ebene untersuchen. Studienleiterin Simone Mantei kündigte an, dass diese Studie voraussichtlich 2016 erscheinen wird.

Weiter enthält der Atlas auch Informationen über die konkrete Verteilung von Männern und Frauen bei den Beschäftigten in Kirche und Diakonie und zum kirchlichen Leben. "Wir sind gespannt, was die Auswertung der Daten in den Landeskirchen ergibt", sagte Oberkirchenrätin Kristin Bergmann, die in der <acronym>EKD</acronym> für Gleichstellungsfragen zuständig ist. "Der Atlas stellt die Datengrundlage zur Verfügung. Wie die Daten allerdings zu interpretieren sind und welche kirchenpolitischen Schlüsse daraus zu ziehen sind, muss jetzt in den entsprechenden Gremien vor Ort diskutiert werden". Die Gleichstellungsbeauftragten der Landeskirchen, die den Atlas zusammen mit dem Studienzentrum herausgeben, werden diesen Prozess in den Landeskirchen begleiten und unterstützen, so Bergmann.

 

Der Atlas zur Gleichstellung kann für 3,50€ (zzgl. Versand) bestellt werden.
Anke Engelmann 02304/755230
anke.engelmann@kircheundgesellschaft.de

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Ein Erfolg: Erstes Frauenmahl in Sendenhorst

Mahl, Musik und weibliche Zukunftsbilder
Am Vorabend des Internationalen Frauentages, am Samstag, 7. März 2015, hatten sich 140 Frauen in der Aula der Realschule St. Martin in Sendenhorst versammelt. Die Freude der Frauen war schon am Eingang zu spüren,
denn sie gehörten zu den Glücklichen, die eine Karte für das erste Frauenmahl in Sendenhorst ergattert hatten.
140 Karten hatten die Organisatorinnen Ute Böning, Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Sendenhorst und Martina Bäcker, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Sendenhorst, verkauft. „Die Karten waren
im Nu vergriffen!“, freute sich Pfarrerin Ute Böning. Vielleicht lag es an dem breiten Frauenbündnis, dass die besondere Veranstaltung geplant hatte: Zu den Kooperationspartnerinnen gehörte neben der Stadt Sendenhorst
und der Evangelischen Kirchengemeinde auch die Evangelische Frauenhilfe, der Katholische Frauenbund Deutschland und der Landfrauenverband. Oder das Thema traf genau den Nerv der Zeit?! „Wie wollen wir leben? – Bilder von unserer Zukunft“- zu diesem visionären Thema hatten fünf prominente Rednerinnen aus Kirche, Politik und Gesellschaft zugesagt und ihre Tischrede vorbereitet.

Es begann Svenja Schulze, Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Sie vertrat u.a. die These: „Die Zukunft in Wissenschaft und Forschung muss weiblicher werden!“. Sie zeigte mit Hilfe von Zahlen auf, dass der Frauenanteil zwar bei den Bachelorabsolventinnen noch gute 55% beträgt, aber der Anteil von Frauen an der Universität z.B. bei Professuren und Rektorenstellen mit ca. 20% immer noch sehr gering ist. Ihr Ziel ist es, mehr Frauen für technische Fächer zu gewinnen und sie mit Hilfe der Quotenregelung der Hochschulen in NRW zu fördern sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.
„Wir brauchen qualifizierte Frauen! Sowohl aus Akademikerfamilien als auch ohne studierte Eltern.“, so ihr Statement.
Als zweite Rednerin trat Dr. Barbara Rüschoff-Thale, Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, ans Rednerinnenpult. Sie verdeutlichte den Zuhörerinnen überzeugend die Bedeutung von Kultur für die eigene Identität. Kultur solle für die Menschen sein, sie sei ein Mittel gegen Ausgrenzung und müsse selbstverständlich in unserem Alltag dazugehören.   90 Millionen Euro umfasse der Kulturetat des Landschaftsverbandes
Westfalen-Lippe. Das seien aber nur 3% des Gesamtetats, der 3 Milliarden Euro umfasse. In einer Welt der Zukunft solle Kultur selbstverständlich sein und Menschen über kulturelle Grenzen hinweg verbinden, so ihr Fazit.
Als dritte Rednerin beim Sendenhorster Frauenmahl war die Unternehmerin Magdalena Münstermann eingeladen.
Bekannt geworden war sie am 2. Dezember 2013 als Bundespräsident Joachim Gauck ihr die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreichte und sie u.a. für ihr ehrenamtliches
Engagement im Telgter Modell ausgezeichnete. Das Telgter Modell steht für eine aktive Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft vor Ort. Magdalena Münstermann plädierte in ihrer Zukunftsrede für einen „Haltungswechsel“
in Unternehmen. Eine offene, ehrliche Kommunikation, flexible Arbeitszeiten, die auf die individuellen Lebenssituationen der Mitarbeitenden angepasst sind, Gesundheitsmanagement sowie gute Betreuungsangebote würden Zutrauen, Vertrauen und hohe Motivation unter den Mitarbeitenden schaffen, so ihre These. DieWirtschaft müsse den Mensch in den Mittelpunkt stellen und sich an seine Bedürfnisse und Lebenskontexte anpassen, nicht umgekehrt. Denn: Prävention sei immer besser als Nachsorge! Die applaudierenden Frauen
stimmten ihr zu und diskutierten angeregt über die vielfältigen Ideen der Rednerinnen. Umrahmt wurden die Reden, die Gespräche und das Essen von den Musikerinnen des Duos Larissas Neufeld. Als vierte Rednerin plädierte
Superintendentin Meike Friedrich, Evangelischer Kirchenkreis Münster, für ein zukünftiges Leben in mehr gemeinsamer Achtung für sich, die Nächsten und für Gott. Das impliziere z.B. ein reflektiertes Konsumverhalten zum Wohle aller, das auf faire, ökologische und regionale Produkte setze, anstatt auf Billig-Angebote. Weniger Egoismus, stattdessen mehr Barmherzigkeit, Empathie und einen würdevolleren Umgang mit Mensch, Tier und der Schöpfung Gottes, so lautete ihr Votum.
Sr. Klarissa Watermann, Dominikanerin OP von Bethanien begrüßte die Frauen nach dem Dessert mit den Worten:
„Liebe Mit-mir-Frauen!“ und fragte sich humorvoll, ob trotz des köstlichen Essens, die Teilnehmerinnen noch zuhören könnten. Ihre Befürchtung war unberechtigt. Die Teilnehmerinnen lauschten gebannt, als sie für einen neues Wirtschaftsmodell warb. Einer Oxfamstudie zufolge besitzt im Jahr 2016 1% der Weltbevölkerung mehr als der Rest der Welt. In ihrem Bild der Zukunft regiert ein anderer Wachstumsbegriff. Dieser ließe sich daran messen, ob das Geld den Armen zu Gute käme. „Wir sind gewachsen, wenn die Armut abnimmt“, so ihre
These.
„Reich beschenkt mit interessanten Gedanken für den Geist und gutem, regionalem Essen für den Leib, fahre ich jetzt erfüllt nach Hause“, resümierte eine der vielen begeisterten Teilnehmerinnen den Abend für sich. Informationen
zu weiteren Frauenmahlen in Westfalen erhalten Sie im Landeskirchlichen Frauenreferat der Evangelischen
Kirche von Westfalen bei Nicole Richter unter www.kircheundgesellschaft.de/frauenreferat . Unter
www.frauenmahl.de. werden in Kürze auch die fünf Tischreden zum download bereitstehen.
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Pinke Mädchen - weise Greisin

4. Dortmunder Frauenmahl

Das der Altar in der St. Petri Kirche Dortmund auch ein Altar der Frauengeschichte ist, wurde den Teilnehmerinnen des 4. Dortmunder Frauenmahls am Freitag, den 20.02.2015 klar. In der ersten Tischrede von Pfarrerin Barbara von Bremen erklärte die Theologin die in dem Altar besondere, bildlich dargestellte Ahninnenfolge Jesu. Drei Frauen treten darin besonders in Erscheinung: die Heilige Emerentia, der Urgroßmutter Jesu; Anna, der Großmutter Jesu und Maria, Jesus Mutter. Fast 500 Jahre ist der Altar alt und er zeigt in verschiedenen Bildern die Geburtsgeschichten der biblischen Vorfahrinnen. Ungewöhnlich und doch sehr passend für die Arbeit an der Stadtkirche St. Petri, denn die Pfarrerinnen setzen schon seit Jahren einen Schwerpunkt in der feministischen Theologie. 140 Frauen waren an dem Freitagabend zu dem 4. Dortmunder Frauenmahl zusammengekommen. Neben einem türkisch-vegetarischem Buffet, das von einer muslimischen Dortmunder Frauengruppe gekocht wurde, hörten die Teilnehmerinnen Tischreden zum Thema „Pinke Mädchen – weise Greisin“ über gesellschaftliche Frauenbilder im Laufe des Lebens.

„Seit 2011 finden Frauenmahle in der ganzen Bundesrepublik statt!“, erklärte Nicole Richter, vom Frauen-referat der Evangelischen Kirche von Westfalen, die Entstehungsgeschichte des besonderen Veranstaltungsformates. Sie erinnern an die Tischreden von Martin Luther, der die Tradition des gemeinsamen Essens und des Gedankenaustauschs anregte. „Bei Frauenmahlen kommen aber ausschließlich Frauen zu Wort und auch der weibliche Austausch steht bei diesem Event im Mittelpunkt“ so Brigitte Wolfs, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Dortmund und Kooperationspartnerin bei den Frauenmahlen der Evangelischen Kirche. Vier Rednerinnen waren eingeladen unter ihnen u.a. Kerstin Schachtsiek, Diakonin und Referentin für Mädchen- und Genderarbeit der Fachstelle FUMA Gender NRW. „Pink ist mehr als eine Farbe!“, betonte sie in ihrer Rede. Sie kritisierte die Pinkifizierung von Mädchenspielzeug durch die Industrie, die extra für die junge weibliche Zielgruppe pink gestaltete Produkte auf den Markt bringe und damit auch einengende Bilder von Weiblichkeit vermittele. Sie erinnerte aber auch daran, dass die Farbe Pink noch eine sehr junge Farbe sei, die erst in den 80-er Jahren entstand und z.B. von jungen Punkfrauen durchaus positiv und kraftvoll besetzt sei.
Die Wuppertaler Sozialökonomin Dr. Martina Mronga beschäftigt sich wissenschaftlich mit Frauenrollenbildern im Management. In ihrer Rede nahm sie Bezug auf die berühmte Elisabeth von Tudor, auch bekannter als Elisabeth I., die als Frau eine Nation mit ihrer Rede überzeugte. Dr. Mronga coacht Frauen in Führungspositionen und gibt ihnen wertvolle Tipps zum Selbstmarketing.
Als letzte Rednerin des Dortmunder Frauenmahls zeigte Dr. Gisela Notz besondere Frauenbilder im Alter auf. „Alte Frauen wollen mehr als nur auf die Enkel aufpassen!“, lautete ihr Statement. So berichtete sie z.B. von Frauen, die 2014 eine Freizeitstätte in Berlin besetzten und sich für den Erhalt der Einrichtung politisch einsetzten. Sie zeigte Frauen im Alter, die selbstbewusst und sehr politisch engagiert aus der Rolle fallen und machte den Teilnehmerinnen Mut auch im Rentenalter politisch aktiv zu bleiben oder noch zu werden. Musikalisch umrahmt wurden die Frauenmahl-Reden von der Klangkünstlerin Susanne Strobel, die mit exotischen Percussion-Instrumenten die Vielfalt der Bilder klangvoll umsetzte. Es gibt eine Vielzahl von Bildern in unserer Gesellschaft, an denen sich Mädchen und Frauen orientieren können. Die Kunst ist es jedoch, das eigene Bild zu entdecken und zu leben, so könnte die Botschaft des 4. Dortmunder Frauenmahls zusammengefasst werden. Wer über die Thesen und Impulse der Rednerinnen noch weiter diskutieren wollte, konnte das bei der weiterführenden Tagung am Samstag im Mütterzentrum Dortmund e.V. tun. Die Rednerinnen kamen dort mit den teilnehmenden Frauen noch einmal intensiver ins Gespräch.
Vorbereitet wurden das Frauenmahl und die Tagung von einem breiten Frauenbündnis der Evangelischen Kirche von Westfalen, bestehend aus der Ev. Frauenhilfe, dem Amt für Mission Ökumene und Weltverantwortung, der Ev. Akademie Villigst, dem Frauenreferat der EKvW und der Stadtkiche St. Petri Dortmund sowie der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Dortmund. Weitere Informationen über das bundesweite Projekt „Frauenmahl“ finden Sie unter www.frauenmahl.de oder www.kircheundgesellschaft.de/frauenreferat. Dort können Sie auch die Beiträge der vier Rednerinnen nachlesen. Die nächsten Frauenmahle in Westfalen finden am 07.03.2015 in Sendenhorst im Kirchenkreis Hamm (bereits ausverkauft) und am 17.04.2015 in Letmathe im Kirchenkreis Iserlohn statt

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Internationaler Frauentag

Interreligiöse Feier zum Internationalen Frauentag 2015
Sonntag, 8. März 2015 | 11.30 Uhr | St. Petri-Kirche, Westenhellweg, Dortmund
ISIS, Pegida, Charlie Hebdo... damit sind Ereignisse verbunden, die uns in
letzter Zeit stark aufgewühlt haben. Verzweiflung und Ohnmacht lösen sie
in uns aus und stellen uns gesellschaftlich vor neue Herausforderungen.
Daher wollen wir anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März 15
als Frauen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zusammenkommen, um
ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Spaltung zu setzen. Unser Motto lautet:
„Je suis gemEinsam!“ Bei unserer Begegnung wollen wir beten, singen,
essen, trinken und feiern.
Dazu laden muslimische und christliche Frauen herzlich ein.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Ein Zeichen setzen gegen Gewalt - die Selfie-Aktion
„Gewalt gegen Frauen verletzt uns alle!"

Am 25. November ist der Tag gegen Gewalt gegen Frauen. Das Frauenreferat der Evangelischen Kirche von Westfalen beteiligt sich an der Aktion „Gewalt gegen Frauen verletzt uns alle!" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und ruft dazu auf, sich an der Selfie-Aktion gegen Gewalt zu mitzumachen:
So geht‘s:
• Laden Sie dafür eines der Logoschilder herunter.
• Drucken Sie das Logoschild aus und schreiben Sie Ihre persönliche Botschaft darauf, z.B. „Jede 3. Frau ist von Gewalt betroffen." oder „Setz ein Zeichen gegen Gewalt - teile diese Nummer."
• Fotografieren Sie sich mit dem Logoschild des Hilfetelefons in der Hand.
• Posten Sie anschließend Ihr Selfie über alle geeigneten Kanäle Ihres sozialen Netzwerks, beispielsweise bei facebook oder twitter. 
• Rufen Sie Ihre FreundInnen und Follower dazu auf, die Aktion ebenfalls zu unterstützen, damit die Nummer und die Internetadresse des Hilfetelefons möglichst häufig geteilt und verbreitet werden.
• Wenn Sie keine sozialen Netzwerke nutzen, können Sie Ihr Selfie auch direkt per E-Mail senden an: unterstuetzung(at)hilfetelefon.de.
• Alle eingesendeten Selfies sowie „Posts", die den Hashtag #hilfetelefon tragen, werden auf der Aktions webseite http://www.aktion.hilfetelefon.de/gesammelt veröffentlicht.

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

Egg freezing - erst Karriere, dann Kind

In den alten Bundesländern ist laut statistischem Bundesamt jede dritte Akademikerin ab 45 Jahren kinderlos. „Social egg freezing“, das Einfrieren von Eizellen in möglichst jungen Jahren, soll es Frauen ermöglichen, nach der so genannten „rush hour of life“ noch schwanger zu werden. – Von Diana Klöpper

Jetzt oder lieber später?

Die Firmen Facebook und Apple machen gerade Schlagzeilen, weil sie ihren Mitarbeiterinnen angeboten haben, die Kosten für das „egg freezing“ zu übernehmen. Fairerweise muss man dazu sagen, dass es sich hierbei nicht um das einzige Angebot an Familien durch die beiden Unternehmen handelt.

Ist „egg freezing“ eine familienfreundliche Maßnahme? Ich finde nicht!

„Social egg freezing“ passt in den Trend, dass sich der Mensch den Bedingungen der Arbeitswelt anpassen muss und nicht die Arbeitswelt den Bedürfnissen der Menschen.

Die Hauptvorlage ‚Familien heute’ der Evangelischen Kirche von Westfalen beschreibt diesen Trend in ihrem ersten Teil.
Von denen, die erwerbstätig sind, wird ein hohes Maß an Flexibilität erwartet. Jetzt auch maximale Flexibilität wenn es darum geht, wann Frauen Mütter werden?

Nicht nur ein Frauenproblem

Anstatt Frauen nahezulegen, erstmal Karriere zu machen und dann Kinder zu kriegen, wünsche ich mir, dass Frauen und auch Männer ermutigt werden, Karriere und Kinder zu verbinden. Das gelingt aber nur, wenn diese Frage nicht allein als Frauenproblem oder individuelles Problem einer Familie gesehen wird, sondern als gesellschaftliche Herausforderung.

Eltern brauchen die Sicherheit, dass das Leben mit Kindern für sie nicht in unkalkulierbare wirtschaftliche Risiken führt.
Kinder bedeuten auch bei uns immer noch ein Armutsrisiko. Wenn ein Elternteil – aus welchen Gründen auch immer – alleinerziehend wird, ist es mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf schnell vorbei.

Auf den Satz ‚Ich bin schwanger’ dürfen Vorgesetzte nicht mit Entsetzen reagieren.

Vor allem wünsche ich mir aber eine Veränderung in unserem gesellschaftlichen Familienbewusstsein: Auf den Satz ‚Ich bin schwanger’ dürfen Vorgesetzte nicht mit Entsetzen reagieren. Sie sollten sich freuen können, weil sie in ihrer Personalplanung längst bedacht haben, wie es in einem solchen Fall weitergeht. Genau das gleiche muss passieren, wenn ein Vater ankündigt, Elternzeit nehmen zu wollen.

Arbeitgeber_innen und Arbeitnehmer_innen sollten gemeinsam kreativ werden und Modelle entwickeln, die es Müttern ermöglichen Karriere zu machen.
Vor allem sollte Mehrarbeit nicht mehr die Grundvoraussetzung dafür sein, auf der Karriereleiter nach oben zu kommen.
Auf Spiegel Online ist von den ‚Höchstleisterinnen’ die Rede, die zwölf Stunden am Tag arbeiten. Keine Zeit für Dates – kein Partner – kein potentieller Kindsvater. Erwerbstätige Mütter und Väter arbeiten meist auch mindestens 12 Stunden am Tag – einen großen Teil davon allerdings unbezahlt…

Instrument der Familienplanung?

Bleibt die Frage, ob Frauen das Recht haben sollten frei zu entscheiden, wann sie schwanger werden wollen und ob dieser Zeitpunkt gegebenenfalls durch das Einfrieren von Eizellen künstlich nach hinten im Leben verschoben werden darf.

Ich finde, das kann keine Lösung sein.
Das Einfrieren von Eizellen kann in medizinisch begründeten Einzelfällen für Frauen mit Kinderwunsch eine geeignete Maßnahme sein. Es taugt aber nicht als selbstverständliches technisches Instrument der Familienplanung.

Leben ist nicht bis ins Letzte planbar. Methoden wie „egg freezing“ gaukeln uns das nur vor.

Elternwerden, Mutterwerden bedeutet eine totale Veränderung im Leben und die Entscheidung für ein Leben mit Kindern birgt immer Risiken in sich. Leben ist nicht bis ins Letzte planbar. Methoden wie „egg freezing“ gaukeln uns das nur vor.

Passt es gerade?!

Wir können uns als Gesellschaft dafür entscheiden, dass es kein wirtschaftliches Risiko mehr bedeutet, Kinder zu haben.
Ich wünsche mir, dass Frauen – gerade die Frauen zwischen 25 und 40 – nicht länger darüber nachdenken müssen, ob es denn jetzt wohl gerade beruflich passt, schwanger zu werden.
Es ist unsere Pflicht als Gesellschaft, Frauen Erwerbstätigkeit und Familie zu ermöglichen. Damit die Botschaft, dass eine Mitarbeiterin schwanger ist oder ein Mitarbeiter Elternzeit nehmen muss, mit einem strahlenden „Wie schön!“ beantwortet wird.

 

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25. Villigster Frauen- und Mädchentreff

„Unglaublich wundervoll!“ Es ist die besondere Atmosphäre, die Christa Gloger am Villigster Mädchen und Frauentreffen begeistert. Sie ist zum ersten Mal dabei. Mit ihren stolzen 79 Jahren ist sie die älteste Teilnehmerin beim 25. Villigster Mädchen und Frauentreffen, das am 15.-16.11.2014 in Haus Villigst, Schwerte stattfand. Gemeinsam mit einer Gruppe von Mädchen und Frauen ist sie aus Sendenhorst angereist. Die Tatsache, dass Frauen aller Altersgruppen ein Wochenende lang gemeinsam verbringen, hat sie überzeugt. „Total cool“, findet es auch Lilith Keßner aus Hamm. Sie ist 13 Jahre alt und die jüngste Teilnehmerin. „Das Haus ist so toll und die Workshops! Aber das Beste ist, einmal etwas ohne Männer zu machen!“, sagt Lilith und grinst.

Ihre Mutter hat ihr das Wochenende zum Geburtstag geschenkt – als „Mutter-Tochter-Event“. In diesem Jahr feierte das Treffen das 25. Jubiläum und 124 Teilnehmerinnen folgten der Einladung. Nach einer dynamischen „Come together“- Einheit verteilten sich die Teilnehmerinnen in 7 Workshops. Dort nähten sie bunte Loopschals, häkelten trendige Mützen, entspannten bei Qi Gong oder improvisierten Theaterszenen. Einige setzten sich auch mit ihrer Persönlichkeit intensiv auseinander und besuchten einen Coachingworkshop. Ein Highlight war diesmal der Auto-Werkstatt-Kurs mit Anne Braun, einer gelernten Autotechnikmeisterin aus Schwerte. Sie zeigte den Teilnehmerinnen u.a. wie Öl geprüft, Lampen ersetzt und Reifen gewechselt werden. Abends erwartete die Mädchen und Frauen ein feierlicher Galaabend mit Tanz, frauenpolitischem Quiz, Präsentation der Workshopergebnisse und einem Rückblick auf die Entstehung des Villigster Mädchen- und Frauentreffens. Initiiert wurde es in den 80-iger Jahren von Mitarbeiterinnen des Amtes für Jugendarbeit in der EKvW. „Den Gründerinnen ging es damals vor allem darum, Räume für Mädchen- und Frauen zu schaffen.“, beschreibt Meike Zeipelt, Referentin für Mädchenpolitik im Amt für Jugendarbeit, die Entwicklung. Die Referentinnen für Mädchenarbeit hätten die Erfahrung gemacht, dass in den Offenen Treffs der Gemeinden, Mädchen oft keinen Platz hatten. „Es gab viele Jungen, die sich ihren Raum nahmen, aber wenige Mädchen, die sich in den Einrichtungen wohlfühlten.“, so Meike Zeipelt. Das Mädchen- und Frauentreffen sollte also ein Ort sein, an dem Mädchen und Frauen mit ihren Themen, Fragen, Anliegen einen Platz haben. Das ist auch heute noch der Anspruch. „Wir sehen das Treffen als eine einmalige Gelegenheit, um mit Frauen und Mädchen über das Leben, Gott und Feminismus nachzudenken. Und das in einem Rahmen der Spaß macht, Lebendigkeit ausstrahlt und Lebensfreude versprüht.“, so Nicole Richter, Fachbereichsleiterin im Frauenreferat der EKvW. Seit vier Jahren veranstalten das Amt für Jugendarbeit und das Frauenreferat im Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW das Treffen gemeinsam. Erstmalig kooperierte auch die Stadt Schwerte. Birgit Wippermann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Schwerte, sieht in der neuen Kooperation eine bereichernde Vernetzung, die es auszubauen gilt. Am Sonntag stand der Austausch zwischen „Jung und alt“ auf dem Programm. Die Teilnehmerinnen diskutierten u.a. über die Erfolge der verschiedenen Frauenbewegungen und tauschten sich über aktuelle Formen des frauenpolitischen Protests aus. „Seid wach! Denn ihr kennt weder Tag noch Stunde!“, so lautete der Appell an die eigene Achtsamkeit in dem abschließenden Gottesdienst, der viele Frauen sehr bewegte. Mit dem Lied „Sister carry on!“ endete das lebendige Treffen, das 2016 wieder stattfinden wird.


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Gottesdienstmaterial zum 14. Sonntag nach Trinitatis (21.09.2014) und darüber hinaus



Gottesdienstmaterial zum 14. Sonntag nach Trinitatis, dem Sonntag der gerechten Gemeinschaft von Frauen und Männern

Texte, Beiträge und Materialien für Gottesdienste und Andachten.

Herausgegeben von Christina Ossenberg-Gentemann und Ute Hedrich

 

 

 

Frauen in Führung!

  • Michael Westerhoff

1974 – 2014: 40 Jahre rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt in der EKvW. Frauenordination ist das ‚Ja!’ der Evangelischen Kirche zu Frauen in Führungspositionen.
Am 18.10.1974 hat die Synode der EKvW die vollkommene rechtliche Gleichstellung von Pfarrerinnen und Pfarrern beschlossen. Damit war in der EKvW auch für Frauen der Weg in die Gemeindeleitung und andere kirchliche Leitungsämter geöffnet. Mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Kultur soll im Jahr 2014 das Thema ‚Frauen in Führung’ aus kirchlicher und gesellschaftlicher Sicht diskutiert und bearbeitet werden. Frauenordination ist ein sowohl ein kirchliches wie auch ein politisches Thema. Es ist eng verknüpft mit Fragen nach dem gesellschaftlichen und kirchlichen Rollenbild der Frau und Fragen der gesamtgesellschaftlichen und kirchlichen Gleichstellung von Frauen und Männern.
Vom 12.-13. Juni 2014 lädt die EKvW zu einer zentralen Tagung zu diesen Themen ein. Vorträge, Podiumsdiskussionen und Workshops nehmen das Thema, 'Frauen in Führung’ in den Blick. Darüber hinaus ist Raum und Zeit zum Feiern des Jubiläums.
In Westfalen finden verschiedene Veranstaltungen zu dem Thema statt.
Eine Übersicht finden Sie hier!

Radiobeitrag WDR 5
"Seit 40 Jahren haben Pfarrerinnen gleiche Rechte: Frauen in Führung"
von Katrin Berger

Ungerechtigkeit mit Langzeitfolgen

Tatsächlich verdienen laut jüngsten Statistiken Frauen in Deutschland 22 Prozent weniger als Männer, EU-weit sind es "nur" 16 Prozent. Gerade Alleinverdienenden droht durch diese unangemessene Bezahlung die Altersarmut, sagte der Minister und verwies damit zugleich auf die Langzeitfolgen: "Schon heute ergibt sich bei der Rente im Vergleich zu Männern eine Lücke von rund 60 Prozent."

Dass ungerechte Entlohnungsverhältnisse keineswegs nur für gering Qualifizierte gelten, zeigen aktuelle Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin. Demnach liegt der geschlechtsspezifische Verdienstunterschied auch Vollzeiterwerbstätiger in Führungspositionen und hochqualifizierten Tätigkeiten in der Privatwirtschaft bei fast einem Viertel.

Anlass genug für den Minister, die Ursachen des Missverhältnisses zu nennen - den hohen Anteil von Frauen an den Beschäftigungsformen Minijobs und Teilzeitarbeit zum Beispiel, die oft niedrigere Eingruppierung von Frauen oder Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie - und zugleich klar zu stellen, "dass wir Regelungen schaffen wollen, um etwa Frauen die Rückkehr von einer Teilzeit- in eine Vollzeitbeschäftigung zu erleichtern."

Breites Bündnis für mehr Gerechtigkeit

Landrat Michael Makiolla ergänzte die Ausführungen des Ministers mit detaillierten Angaben zur Lage im Kreis. Hier liegt das Erwerbseinkommen unter dem Durchschnitt des Bundes wie auch des Landes. "Davon sind Frauen besonders betroffen", stellte er fest, und lenkte den Blick vor allem auf die 24.800 Minijob-Beschäftigten in der Region, hauptsächlich Frauen, von denen knapp 4 000 Aufstockerinnen sind, die also öffentliche Transferleistungen des Jobcenters in Anspruch nehmen müssen, um über die Runden zu kommen. "Das müssen wir ändern", lautete sein Verdikt, das gewiss nicht als bloßes Lippenbekenntnis zu werten ist, wie das intensive Engagement der Kreisverwaltung bei der Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung beweist.

Von "kommunaler Verantwortung" sprachen Josefa Redzepi, die Gleichstellungsbeauftragte der Kreisstadt und Unnas Bürgermeister Werner Kolter, der präventive Maßnahmen zur Vermeidung geschlechtsspezifischer Lohnunterschiede einforderte und dabei das neue System beim Übergang von der Schule in den Beruf als beispielhaft nannte, insofern hier der Grundstein gelegt werden könne, die gegenwärtigen Präferenzen von Mädchen für oft geringer bezahlte Berufe wie Friseurin oder Verkäuferin zu modifizieren und durch eine Veränderung auch in den Köpfen der Eltern die Berufseinstiegschancen von Mädchen zu verbessern.

Qualifizierte Frauen

Trotz zahlreicher Präsenz von Fachleuten aus Politik und Verwaltung war der Equal Pay Day im Rathaus der Stadt Unna alles andere als eine geschlossene Expertenrunde. Vielmehr bot der von der Regionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet und den Gleichstellungsstellen des Kreises Unna sowie der Kreisstadt Unna als "Red Dinner" gestaltete Tag interessierten Frauen und Männer vielerlei Gelegenheit, sich über Vor- und Nachteile von Minijobs und Teilzeitarbeit zu informieren und "bei Brezeln und Getränken" mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft zu diskutieren.

Das Gespräch mit Arbeitsminister Guntram Schneider suchten und fanden zum Beispiel drei berufstätige Frauen, allesamt Alleinerziehende. Christina etwa - "Nachnamen spielen keine Rolle, denn heute sprechen wir nicht nur für uns persönlich, sondern stellvertretend für eine Vielzahl von Frauen in NRW mit ganz ähnlichen Problemen" - ist gelernte Fleischereifachverkäuferin und arbeitet in Teilzeit. Sie kritisierte vor allem "die völlig unzureichenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Johanna, medizinische Fachangestellte, und Miriam, Kauffrau im Einzelhandel, haben zurzeit lediglich einen Minijob, wünschen sich möglichst rasch eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, "um unsere und die Existenz unserer Kinder eigenständig zu sichern."

Trotz guter Berufsabschlüsse, trotz Motivation und trotz aller Bemühungen ist ihnen nach der Babypause der Übergang in einen sozialversicherungspflichtigen Job noch nicht gelungen. Sie vermuten, dass Arbeitgeber Alleinerziehenden skeptisch gegenüber stehen, "weil sie vielleicht fürchten, eine alleinerziehende Mutter könne dem Betrieb fern bleiben, wenn an einem Tag mal die Kinderbetreuung nicht gewährleistet ist."

Intensive Unterstützung

Ihren Unmut über die Hindernisse, die ihnen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nach der Erziehungspause bei der Rückkehr ins Erwerbsarbeitsleben in den Weg legen, konnte Minister Guntram Schneider sofort nachvollziehen. Er lobte in diesem Kontext "das hilfreiche Angebot" des Jobcenters Unna für alleinerziehende Mütter, das auch die drei genannten Frauen in Anspruch nehmen.

So hat das Jobcenter für diese Personengruppe spezielle Fachvermittlungsstellen gegründet. "Hier", erläuterte Fachvermittlerin Farina Pick von der Geschäftsstelle Bergkamen, "ist der Betreuungsschlüssel geringer, so dass mehr Informations- und Beratungszeit für die einzelne Kundin zur Verfügung steht. Zugleich bündeln sich hier die Erfahrungen und Kompetenzen in dem Handlungsfeld, in dem wir als Schnittstelle zu weiteren unterstützenden Einrichtungen wie etwa dem Jugendamt oder Betreuungseinrichtungen, aber auch zu Arbeitgebern fungieren. Sein Pendant findet die spezielle Fachvermittlungsstelle auch im Arbeitgeberservice des Jobcenters Unna, wo Sebastian Kadlec für das Thema "Alleinerziehende" zuständig ist.

In immer neuen, wechselnden Gesprächskonstellationen nahm der Minister am Equal Pay Day in Unna die ganz unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen der Frauen zur Kenntnis, diskutierte mit ihnen über die geschlechtsspezifische Lohnungleichheit, über das deutlich niedrigere Gehalt in frauentypischen Berufen, über die relativ wenigen Frauen in Führungspositionen oder über Probleme von Frauen, die ihre Erwerbstätigkeit für die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen unterbrechen müssen. Zugleich informierte über die Rechte im Minijob oder erläuterte den Sinn der Landesinitiative "Faire Arbeit - Fairer Wettbewerb", die ja gerade das Ziel hat, prekäre Beschäftigung auch und vor allem von Frauen zu verhindern.

Verfassungsauftrag realisieren

Kompetente Unterstützung fand er dabei in Christel Humme. Die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und heutige Botschafterin der Landesinitiative hielt die Überwindung der Rollenverteilung - "der Mann ist der Ernährer, die Frau die Zuverdienerin" - für den "Schlüssel zum Abbau der Lohnungleichheit". Sie forderte gesetzliche Regelungen, "wie sie von uns etwa mit dem Entgeltgleichheitsgesetz auf den Weg gebracht worden sind". Gleichzeitig erinnerte sie daran, dass die Forderung nach gleichem Lohn schon 100 Jahre alt ist: "Jetzt müssen wir uns für Transparenz bei den Lohnstrukturen in Betrieben und öffentlichen Verwaltung einsetzen und Verfahren entwickeln, die helfen, die Ungleichheit zu beseitigen - notfalls kombiniert mit Sanktionen!"

Dass Handlungsbedarf besteht, stand auch für Minister Guntram Schneider außer Zweifel: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt, heißt es im Grundgesetz. Doch die bestehenden Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen zeigen, dass wir von der Realisierung dieses Verfassungsauftrags auch heute noch weit entfernt sind. Das wollen wir ändern!"

Mehr Text ...

Where´s the best place to be a woman?

Leider rangiert Deutschland bei der neusten BBC Studie zum Thema eher auf den untersten Plätzen.

Lesen Sie selbst!

Gemeinsame Stellungnahme

Artikel aus der UK Nr. 33

Von Nicole Richter

"Es war keine leichte Geburt", darüber waren sich die Frauen und Männer nach der hitzigen Debatte um den Stellenwert von Ehe und Familie einig. Anlässlich des Stellungnahmeprozesses zur Hauptvorlage "Familien heute" hatten sich der landeskirchliche Frauenausschuss und der Landesvorstand der Männerarbeit unter Beteiligung der beiden Fachbereiche des Instituts für Kirche und Gesellschaft erstmalig zu einer gemeinsamen Sitzung getroffen. Aber am Ende konnte die einberufene Arbeitsgruppe doch einen Erfolg präsentieren: eine gemeinsame Stellungnahme des Landesvorstandes der Männerarbeit und des landeskirchlichen Frauenausschusses der EKvW zur Hauptvorlage "Familien heute".

„Wir begrüßen die Verwendung des „funktionalen Familienbegriffs“ in der Hauptvorlage, so Dr. Helmut Eiteneyer, Vorsitzender der Männerarbeit der EKvW, „weil er von einem ethischen Kern her die Vielfalt der Formen gegenwärtig gelebter Familie in den Blick nimmt.“ Elke Markmann, Vorsitzende des landeskirchlichen Frauenausschusses ergänzte: „Wir wollen Familie nicht patriarchal oder matriarchal denken, sondern als einen partnerschaftlichen Verbund, der durch Respekt und Liebe und Verlässlichkeit zusammengehalten wird.“ Fürsorge, Initiative bei notwendigen Klärungen, Sorge um Stabilität und Verbindlichkeit sehen sie als eine gemeinsame Aufgabe von Frauen und Männern und auch von heranwachsenden Kindern. Allerdings würde der funktionale Familienbegriff in der Hauptvorlage nicht konsequent durchgehalten. So seien verschiedene Formen wie „Regenbogenfamilien“ zwar benannt, aber in den aufgeführten Beispielen würden sie nicht weiter vorkommen und blieben somit doch eine Sonderform, heißt es in der Stellungnahme. Als Herausforderung nehmen der Landesvorstand der Männerarbeit wie auch der landeskirchliche Frauenausschuss wahr, dass die Ausweitung des Familienbegriffs in der Diskussion als Abwertung traditioneller Familienformen, insbesondere der Ehe, verstanden werden kann. Ziel sollte es jedoch sein, im Blick auf die Würdigung und Unterstützung von Familien einen Gegensatz von traditionellen und besonderen Formen zu überwinden. „Unser Glaube stellt uns vor die Herausforderung, uns immer wieder darüber zu verständigen, wie Familie heute gelingen kann“, so Dieter Rothardt, Landesmännerpfarrer der EKvW. Der Erfahrungsreichtum der biblischen Überlieferung und die kritische Reflexion des christlichen Glaubenslebens liefern dazu Anregungen und Bausteine, die ein weites Bild von Familie aufzeigen. Deshalb müsste in Zukunft auch theologisch an der Definition von Familie weitergearbeitet werden, so eine gemeinsame Forderung. Den in der Hauptvorlage befürworteten offenen Umgang mit Homosexualität innerhalb der Evangelischen Kirche von Westfalen sehen Frauenausschuss und Landesvorstand Männerarbeit positiv. Die Offenheit für unterschiedliche Lebensformen sollte zukünftig auch dadurch zum Ausdruck kommen, dass theologisch die Segenshandlung für alle Paare neu diskutiert wird. „Vielfalt anzuerkennen bedeutet hierbei nicht, der Beliebigkeit Raum zu geben“, so Diana Klöpper, Pfarrerin im landeskirchlichen Frauenreferat. Im Mittelpunkt des Verständnisses von Familie steht weiterhin die Übernahme von Verantwortung, allerdings jenseits von festgeschriebenen Lebens- und Liebesmodellen, so der Wortlaut der Stellungnahme. Es sei Zeit für die Überarbeitung und Erweiterung der Trau- und Segensagende, so dass ein Segensritual für alle Familienformen in öffentlichen Räumen möglich wird. Im Hinblick auf das gesellschaftliche Rollenverhalten von Männern und Frauen erkennen Frauenreferat wie auch der Fachbereich „Männer, Familie, Ehrenamt“ eine Engführung, die sich an alten Klischees orientiert. Sie setzen sich für die Stärkung vielfältiger Rollenbilder ein, in dem sie bewusst Angebote und Räume schaffen, in denen neue Formen gelebt werden können. Die Veränderungen von Frauen- und Männerrollen haben in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass das Familienleben immer wieder neu abgestimmt und organisiert werden muss. Das Management familiärer und beruflicher Erfordernisse verstehen beide Fachbereiche des Instituts für Kirche und Gesellschaft nicht als Privatsache. Es bedarf aus ihrer Sicht der konsequenten Entwicklung familienfreundlicher Strukturen, neuer Arbeitszeitmodelle, gezielter Kinderbetreuungsangebote für Berufstätige und Ehrenamtliche, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen – auch in der Kirche. Die gemeinsame Stellungnahme finden Sie in Gänze hier.

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Closing the Gender Gap: Act now!

Frauen in Deutschland verdienen weniger als Männer. Das belegen auch aktuelle Studien der OECD und des Weltwirtschaftsforums. Rangierte Deutschland in 2006 weltweit noch auf dem 5. Platz, muss man nach dem neuesten Bericht des Weltwirtschaftsforums weiter unten suchen: Deutschland befindet sich auf dem 13. Platz, noch hinter den Phillipinen und Nicaragua. Die Gründe für die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern sind vielschichtig. Schon der Slogan der OECD Studie macht deutlich, dass sich hier schleunigst etwas ändern muss: Act now! - Jetzt handeln!
Weitere Infos zum Thema finden Sie unter Download.

Kontakt

Nicole Richter
Fachbereichsleiterin
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Anke Engelmann
Sekretariat
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Film: 25.Villigster Mädchen- und Frauentreffen