Equal Pay Day in Unna

Equal Pay Day - das ist der internationale Aktionstag für die Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen. In diesem Jahr fand der Equal Pay Day mit dem Schwerpunktthema "... und raus bist du? Minijobs und Teilzeit nach Erwerbspausen" am 21. März 2014 in Unna statt. Warum am 21. März? Er markiert den Tag, an dem Frauen genauso viel Geld verdient haben wie Männer bereits am 31. Dezember des Vorjahres. Das heißt: Frauen in Deutschland müssen im Schnitt 80 Tage länger arbeiten, um die bestehende Gehaltsdifferenz auszugleichen.

An deutlichen Worten ließ es NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider am Equal Pay Day nicht fehlen: "Dass Frauen für die gleiche Arbeit nach wie vor deutlich schlechter bezahlt werden als Männer ist ein gesellschaftliches Ärgernis und ein kultureller Skandal". Unmissverständlich forderte er, "diese Lohnlücke endlich zu schließen."

Ungerechtigkeit mit Langzeitfolgen

Tatsächlich verdienen laut jüngsten Statistiken Frauen in Deutschland 22 Prozent weniger als Männer, EU-weit sind es "nur" 16 Prozent. Gerade Alleinverdienenden droht durch diese unangemessene Bezahlung die Altersarmut, sagte der Minister und verwies damit zugleich auf die Langzeitfolgen: "Schon heute ergibt sich bei der Rente im Vergleich zu Männern eine Lücke von rund 60 Prozent."

Dass ungerechte Entlohnungsverhältnisse keineswegs nur für gering Qualifizierte gelten, zeigen aktuelle Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin. Demnach liegt der geschlechtsspezifische Verdienstunterschied auch Vollzeiterwerbstätiger in Führungspositionen und hochqualifizierten Tätigkeiten in der Privatwirtschaft bei fast einem Viertel.

Anlass genug für den Minister, die Ursachen des Missverhältnisses zu nennen - den hohen Anteil von Frauen an den Beschäftigungsformen Minijobs und Teilzeitarbeit zum Beispiel, die oft niedrigere Eingruppierung von Frauen oder Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie - und zugleich klar zu stellen, "dass wir Regelungen schaffen wollen, um etwa Frauen die Rückkehr von einer Teilzeit- in eine Vollzeitbeschäftigung zu erleichtern."

Breites Bündnis für mehr Gerechtigkeit

Landrat Michael Makiolla ergänzte die Ausführungen des Ministers mit detaillierten Angaben zur Lage im Kreis. Hier liegt das Erwerbseinkommen unter dem Durchschnitt des Bundes wie auch des Landes. "Davon sind Frauen besonders betroffen", stellte er fest, und lenkte den Blick vor allem auf die 24.800 Minijob-Beschäftigten in der Region, hauptsächlich Frauen, von denen knapp 4 000 Aufstockerinnen sind, die also öffentliche Transferleistungen des Jobcenters in Anspruch nehmen müssen, um über die Runden zu kommen. "Das müssen wir ändern", lautete sein Verdikt, das gewiss nicht als bloßes Lippenbekenntnis zu werten ist, wie das intensive Engagement der Kreisverwaltung bei der Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung beweist.

Von "kommunaler Verantwortung" sprachen Josefa Redzepi, die Gleichstellungsbeauftragte der Kreisstadt und Unnas Bürgermeister Werner Kolter, der präventive Maßnahmen zur Vermeidung geschlechtsspezifischer Lohnunterschiede einforderte und dabei das neue System beim Übergang von der Schule in den Beruf als beispielhaft nannte, insofern hier der Grundstein gelegt werden könne, die gegenwärtigen Präferenzen von Mädchen für oft geringer bezahlte Berufe wie Friseurin oder Verkäuferin zu modifizieren und durch eine Veränderung auch in den Köpfen der Eltern die Berufseinstiegschancen von Mädchen zu verbessern.

Qualifizierte Frauen

Trotz zahlreicher Präsenz von Fachleuten aus Politik und Verwaltung war der Equal Pay Day im Rathaus der Stadt Unna alles andere als eine geschlossene Expertenrunde. Vielmehr bot der von der Regionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet und den Gleichstellungsstellen des Kreises Unna sowie der Kreisstadt Unna als "Red Dinner" gestaltete Tag interessierten Frauen und Männer vielerlei Gelegenheit, sich über Vor- und Nachteile von Minijobs und Teilzeitarbeit zu informieren und "bei Brezeln und Getränken" mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft zu diskutieren.

Das Gespräch mit Arbeitsminister Guntram Schneider suchten und fanden zum Beispiel drei berufstätige Frauen, allesamt Alleinerziehende. Christina etwa - "Nachnamen spielen keine Rolle, denn heute sprechen wir nicht nur für uns persönlich, sondern stellvertretend für eine Vielzahl von Frauen in NRW mit ganz ähnlichen Problemen" - ist gelernte Fleischereifachverkäuferin und arbeitet in Teilzeit. Sie kritisierte vor allem "die völlig unzureichenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Johanna, medizinische Fachangestellte, und Miriam, Kauffrau im Einzelhandel, haben zurzeit lediglich einen Minijob, wünschen sich möglichst rasch eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, "um unsere und die Existenz unserer Kinder eigenständig zu sichern."

Trotz guter Berufsabschlüsse, trotz Motivation und trotz aller Bemühungen ist ihnen nach der Babypause der Übergang in einen sozialversicherungspflichtigen Job noch nicht gelungen. Sie vermuten, dass Arbeitgeber Alleinerziehenden skeptisch gegenüber stehen, "weil sie vielleicht fürchten, eine alleinerziehende Mutter könne dem Betrieb fern bleiben, wenn an einem Tag mal die Kinderbetreuung nicht gewährleistet ist."

Intensive Unterstützung

Ihren Unmut über die Hindernisse, die ihnen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nach der Erziehungspause bei der Rückkehr ins Erwerbsarbeitsleben in den Weg legen, konnte Minister Guntram Schneider sofort nachvollziehen. Er lobte in diesem Kontext "das hilfreiche Angebot" des Jobcenters Unna für alleinerziehende Mütter, das auch die drei genannten Frauen in Anspruch nehmen.

So hat das Jobcenter für diese Personengruppe spezielle Fachvermittlungsstellen gegründet. "Hier", erläuterte Fachvermittlerin Farina Pick von der Geschäftsstelle Bergkamen, "ist der Betreuungsschlüssel geringer, so dass mehr Informations- und Beratungszeit für die einzelne Kundin zur Verfügung steht. Zugleich bündeln sich hier die Erfahrungen und Kompetenzen in dem Handlungsfeld, in dem wir als Schnittstelle zu weiteren unterstützenden Einrichtungen wie etwa dem Jugendamt oder Betreuungseinrichtungen, aber auch zu Arbeitgebern fungieren. Sein Pendant findet die spezielle Fachvermittlungsstelle auch im Arbeitgeberservice des Jobcenters Unna, wo Sebastian Kadlec für das Thema "Alleinerziehende" zuständig ist.

In immer neuen, wechselnden Gesprächskonstellationen nahm der Minister am Equal Pay Day in Unna die ganz unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen der Frauen zur Kenntnis, diskutierte mit ihnen über die geschlechtsspezifische Lohnungleichheit, über das deutlich niedrigere Gehalt in frauentypischen Berufen, über die relativ wenigen Frauen in Führungspositionen oder über Probleme von Frauen, die ihre Erwerbstätigkeit für die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen unterbrechen müssen. Zugleich informierte über die Rechte im Minijob oder erläuterte den Sinn der Landesinitiative "Faire Arbeit - Fairer Wettbewerb", die ja gerade das Ziel hat, prekäre Beschäftigung auch und vor allem von Frauen zu verhindern.

Verfassungsauftrag realisieren

Kompetente Unterstützung fand er dabei in Christel Humme. Die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und heutige Botschafterin der Landesinitiative hielt die Überwindung der Rollenverteilung - "der Mann ist der Ernährer, die Frau die Zuverdienerin" - für den "Schlüssel zum Abbau der Lohnungleichheit". Sie forderte gesetzliche Regelungen, "wie sie von uns etwa mit dem Entgeltgleichheitsgesetz auf den Weg gebracht worden sind". Gleichzeitig erinnerte sie daran, dass die Forderung nach gleichem Lohn schon 100 Jahre alt ist: "Jetzt müssen wir uns für Transparenz bei den Lohnstrukturen in Betrieben und öffentlichen Verwaltung einsetzen und Verfahren entwickeln, die helfen, die Ungleichheit zu beseitigen - notfalls kombiniert mit Sanktionen!"

Dass Handlungsbedarf besteht, stand auch für Minister Guntram Schneider außer Zweifel: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt, heißt es im Grundgesetz. Doch die bestehenden Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen zeigen, dass wir von der Realisierung dieses Verfassungsauftrags auch heute noch weit entfernt sind. Das wollen wir ändern!"

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Frauen in Führung“ - in Kirche und Gesellschaft!

„Frauen in Führung“ ist 2014 ein großes Thema in der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW). Nicht ohne Grund, denn vor 40 Jahren hat die Synode der EKVW die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt beschlossen und damit den Weg für Frauen in alle kirchliche Leitungsämter geebnet. „Seitdem hat sich einiges getan“, so Nicole Richter vom Frauenreferat im Institut für Kirche und Gesellschaft. „Sieben der 28 Kirchenkreise haben eine Superintendentin. Die Kirchenleitung ist paritätisch besetzt. Und an der Spitze der Landeskirche steht erstmalig eine Frau.“ Die gerechte Teilhabe von Männern und Frauen im Pfarramt ist zahlenmäßig gestiegen. Der Weg zu einer wirklichen Gleichberechtigung – auch in anderen Berufsgruppen – sei aber noch ausbaufähig. Es dürfe nicht zu einem Nachteil werden, dass Frauen häufiger als Männer ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen oder Teilzeit arbeiten, um Zeit für Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen zu haben. Frauen seien oft in weniger gut bezahlten Berufen beschäftigt und ihre Karriere ende in Positionen mit geringerem Gehalt und geringen Renten. „Um Frauen in Führung in Kirche und Gesellschaft zu fördern, bedarf es guter Konzepte.“, stellt Angelika Weigt-Blätgen, leitende Pfarrerin der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. fest. „Denn es geht nicht allein um prozentuale Anteile.“ Eine Frauenquote in allen gesellschaftlichen Bereichen, also auch in der Kirche, hält sie für einen Weg. „Instrumentarien zur Durchsetzung der Frauenquote in Satzungen, Geschäftsordnungen oder Nominierungsausschüssen sind zu schaffen“, fordert sie. Einen wichtigen Schritt zu dem Ziel „mehr Frauen in Führung“ sehen beide auch in dem Beschluss der Landessynode 2013: Eine Projektgruppe wird sich in Kürze mit der Frage nach familienfreundlichen Arbeitsbedingungen beschäftigen.

WTT - Theologin Sein im 21. Jahrhundert in der EKvW

Theologinnen in der EKvW haben in den letzten 80 Jahren viel bewegt! 1934 gründete sich der Theologinnenkonvent in Westfalen. Vierzig Jahre später – 1974 – beschloss die Synode der EKvW die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt. Damit war das Ziel erreicht, für das sich die Theologinnen in Westfalen im Konvent engagiert hatten. Für den Konvent als Interessenvertretung der Theologinnen ging es von nun an um die konkrete Umsetzung der rechtlichen Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt. Die Gestaltung des Amtes und des Berufsbildes als Pfarrerin waren ab jetzt die vorrangigen Themen. Sowie die Frage nach notwendigen strukturellen Veränderungen innerhalb des Pfarrberufes zur Herstellung der Geschlechter-gerechtigkeit zwischen Pfarrerinnen und Pfarrern. 2014 findet der WTT zum 25. Mal statt. Den Flyer mit dem detaillierten Programm finden Sie hier.

Frauen in Führung!

1974 – 2014: 40 Jahre rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt in der EKvW.
Frauenordination ist das ‚Ja!’ der Evangelischen Kirche zu Frauen in Führungspositionen.

Am 18.10.1974 hat die Synode der EKvW die vollkommene rechtliche Gleichstellung von Pfarrerinnen und Pfarrern beschlossen. Damit war in der EKvW auch für Frauen der Weg in die Gemeindeleitung und andere kirchliche Leitungsämter geöffnet. Mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Kultur soll im Jahr 2014 das Thema ‚Frauen in Führung’ aus kirchlicher und gesellschaftlicher Sicht diskutiert und bearbeitet werden. Frauenordination ist ein sowohl ein kirchliches wie auch ein politisches Thema. Es ist eng verknüpft mit Fragen nach dem gesellschaftlichen und kirchlichen Rollenbild der Frau und Fragen der gesamtgesellschaftlichen und kirchlichen Gleichstellung von Frauen und Männern.

Vom 12.-14. Juni 2014 lädt die EKvW zu einer zentralen Tagung zu diesen Themen ein. Vorträge, Podiumsdiskussionen und Workshops nehmen das Thema ‚Frauen in Führung’ in den Blick. Darüber hinaus ist Raum und Zeit zum Feiern des Jubiläums.

In Westfalen finden verschiedene Veranstaltungen zu dem Thema statt.
Eine Übersicht finden Sie hier!

Neue Ausgabe der LILA BLÄTTER

"Liebe – Von Herz und Schmerz"
Zweimal im Jahr veröffentlicht das Frauenreferat der Evangelischen Kirche von Westfalen das Magazin die „Lila Blätter“. Und das bereits seit 1989! Die aktuelle November- Ausgabe befasst sich mit dem Schwerpunktthema „Liebe- Von Herz und Schmerz“.
Dr. Renate Wind erinnert darin an die bekannte Befreiungstheologin Dorothee Sölle, deren Todestag sich 2013 zum 10. Mal jährt. „Lieben heißt, sein Gesicht nicht zu verstecken!“, sagte Dorothee Sölle einmal und meinte damit, dass lieben auch bedeutet, radikal zu sein.
Dass zur Liebe auch die Fähigkeit gehört sich selbst zu lieben, beschreibt Lucie Veith, Vorsitzende des Vereins für sexuelle Menschen e.V., in ihrem Artikel sehr eindrücklich. „Selbstliebe ? Ist lernbar!“, meint sie, auch wenn es ihr zunächst schwerfiel sich in ihrer Besonderheit der Intersexualität anzunehmen.
Prof. Dr. Hantel-Quittmann, Professor für Familienpsychologie an der Hochschule Hamburg, nimmt in seinem Beitrag die dunkle Seite der Liebe in den Blick. Er geht der Frage nach, wie es dazu kommt, dass in den wichtigsten Liebesbeziehungen des Menschen – zwischen Partnern, Eltern und Kindern - Gewalt entstehen kann.
„Gott nahe zu sein ist mein Glück“, so lautet die Losung für das kommende Jahr 2014. Diana Klöpper, Pfarrerin im Frauenreferat der Evangelischen Kirche von Westfalen, beschreibt in der Rubrik „Stärkung“, wie sie die Nähe Gottes in ihrem Leben spürt.
Darüber hinaus informieren die Lila Blätter u.a. über interessante frauenpolitische und feministisch-theologische Veranstaltungen in den westfälischen Kirchenkreisen und kommentieren die Flüchtlingspolitik in Europa.

Die LILA BLÄTTER können für 9€ im Jahr (inklusive Versand) abonniert oder einzeln für 4,50€ (zzgl. Versand) bestellt werden unter 02304-755-230. Ein Probeartikel der aktuellen Ausgabe kann hier heruntergeladen werden.

Where´s the best place to be a woman?

Leider rangiert Deutschland bei der neusten BBC Studie zum Thema eher auf den untersten Plätzen.

Lesen Sie selbst!

Gemeinsame Stellungnahme

Artikel aus der UK Nr. 33

Von Nicole Richter

"Es war keine leichte Geburt", darüber waren sich die Frauen und Männer nach der hitzigen Debatte um den Stellenwert von Ehe und Familie einig. Anlässlich des Stellungnahmeprozesses zur Hauptvorlage "Familien heute" hatten sich der landeskirchliche Frauenausschuss und der Landesvorstand der Männerarbeit unter Beteiligung der beiden Fachbereiche des Instituts für Kirche und Gesellschaft erstmalig zu einer gemeinsamen Sitzung getroffen. Aber am Ende konnte die einberufene Arbeitsgruppe doch einen Erfolg präsentieren: eine gemeinsame Stellungnahme des Landesvorstandes der Männerarbeit und des landeskirchlichen Frauenausschusses der EKvW zur Hauptvorlage "Familien heute".

„Wir begrüßen die Verwendung des „funktionalen Familienbegriffs“ in der Hauptvorlage, so Dr. Helmut Eiteneyer, Vorsitzender der Männerarbeit der EKvW, „weil er von einem ethischen Kern her die Vielfalt der Formen gegenwärtig gelebter Familie in den Blick nimmt.“ Elke Markmann, Vorsitzende des landeskirchlichen Frauenausschusses ergänzte: „Wir wollen Familie nicht patriarchal oder matriarchal denken, sondern als einen partnerschaftlichen Verbund, der durch Respekt und Liebe und Verlässlichkeit zusammengehalten wird.“ Fürsorge, Initiative bei notwendigen Klärungen, Sorge um Stabilität und Verbindlichkeit sehen sie als eine gemeinsame Aufgabe von Frauen und Männern und auch von heranwachsenden Kindern. Allerdings würde der funktionale Familienbegriff in der Hauptvorlage nicht konsequent durchgehalten. So seien verschiedene Formen wie „Regenbogenfamilien“ zwar benannt, aber in den aufgeführten Beispielen würden sie nicht weiter vorkommen und blieben somit doch eine Sonderform, heißt es in der Stellungnahme. Als Herausforderung nehmen der Landesvorstand der Männerarbeit wie auch der landeskirchliche Frauenausschuss wahr, dass die Ausweitung des Familienbegriffs in der Diskussion als Abwertung traditioneller Familienformen, insbesondere der Ehe, verstanden werden kann. Ziel sollte es jedoch sein, im Blick auf die Würdigung und Unterstützung von Familien einen Gegensatz von traditionellen und besonderen Formen zu überwinden. „Unser Glaube stellt uns vor die Herausforderung, uns immer wieder darüber zu verständigen, wie Familie heute gelingen kann“, so Dieter Rothardt, Landesmännerpfarrer der EKvW. Der Erfahrungsreichtum der biblischen Überlieferung und die kritische Reflexion des christlichen Glaubenslebens liefern dazu Anregungen und Bausteine, die ein weites Bild von Familie aufzeigen. Deshalb müsste in Zukunft auch theologisch an der Definition von Familie weitergearbeitet werden, so eine gemeinsame Forderung. Den in der Hauptvorlage befürworteten offenen Umgang mit Homosexualität innerhalb der Evangelischen Kirche von Westfalen sehen Frauenausschuss und Landesvorstand Männerarbeit positiv. Die Offenheit für unterschiedliche Lebensformen sollte zukünftig auch dadurch zum Ausdruck kommen, dass theologisch die Segenshandlung für alle Paare neu diskutiert wird. „Vielfalt anzuerkennen bedeutet hierbei nicht, der Beliebigkeit Raum zu geben“, so Diana Klöpper, Pfarrerin im landeskirchlichen Frauenreferat. Im Mittelpunkt des Verständnisses von Familie steht weiterhin die Übernahme von Verantwortung, allerdings jenseits von festgeschriebenen Lebens- und Liebesmodellen, so der Wortlaut der Stellungnahme. Es sei Zeit für die Überarbeitung und Erweiterung der Trau- und Segensagende, so dass ein Segensritual für alle Familienformen in öffentlichen Räumen möglich wird. Im Hinblick auf das gesellschaftliche Rollenverhalten von Männern und Frauen erkennen Frauenreferat wie auch der Fachbereich „Männer, Familie, Ehrenamt“ eine Engführung, die sich an alten Klischees orientiert. Sie setzen sich für die Stärkung vielfältiger Rollenbilder ein, in dem sie bewusst Angebote und Räume schaffen, in denen neue Formen gelebt werden können. Die Veränderungen von Frauen- und Männerrollen haben in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass das Familienleben immer wieder neu abgestimmt und organisiert werden muss. Das Management familiärer und beruflicher Erfordernisse verstehen beide Fachbereiche des Instituts für Kirche und Gesellschaft nicht als Privatsache. Es bedarf aus ihrer Sicht der konsequenten Entwicklung familienfreundlicher Strukturen, neuer Arbeitszeitmodelle, gezielter Kinderbetreuungsangebote für Berufstätige und Ehrenamtliche, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen – auch in der Kirche. Die gemeinsame Stellungnahme finden Sie in Gänze hier.

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Closing the Gender Gap: Act now!

Frauen in Deutschland verdienen weniger als Männer. Das belegen auch aktuelle Studien der OECD und des Weltwirtschaftsforums. Rangierte Deutschland in 2006 weltweit noch auf dem 5. Platz, muss man nach dem neuesten Bericht des Weltwirtschaftsforums weiter unten suchen: Deutschland befindet sich auf dem 13. Platz, noch hinter den Phillipinen und Nicaragua. Die Gründe für die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern sind vielschichtig. Schon der Slogan der OECD Studie macht deutlich, dass sich hier schleunigst etwas ändern muss: Act now! - Jetzt handeln!
Weitere Infos zum Thema finden Sie unter Download.