Deutscher Evangelischer Kirchentag

„Klug leben – klug werden – klug sterben?“
Die Rheinisch-Westfälisch-Lippische Bühne beim DEKT

 

27 Grad, Sonnenschein, 900 Menschen sitzen vor der Bühne auf dem Stuttgarter Karlsplatz und warten auf Dr. Daniele Garrone aus Rom, der die Bibelarbeit an diesem Morgen gestaltet. Die BBÖ Brass Band soll spielen und das Thema „Klug leben – im eigene Rhythmus“ steht auf dem Programm. Inga Schlüter aus Stuttgart wollte eigentlich nur kurz in die Stadt, doch das Thema „Klug leben“ hat sie überzeugt zu verweilen. „Eigentlich habe ich mit Kirche nichts am Hut, aber das Thema hört sich interessant an, sagt die fünfunddreißig Jährige. Stuttgart ist wie verwandelt, findet sie, überall singen Menschen, spielen Posaunenchöre, stehen Bühnen und gibt es Programm. So auch auf dem Karlsplatz, mit dem großen Reiterdenkmal in der Mitte und schattenspendenden Bäumen links und rechts. Das Café Amadeus entpuppt sich als taktisch guter Aussichtspunkt um das Programm auf der Bühne länger zu verfolgen. Erste Interviewgäste sind die Abenteurerin Janice Jakait und die Nonne Senora Christophora Janssen aus dem Kloster Hildegard von Bingen.

 

 

Auf die Frage, wie man klug im eigenen Rhythmus leben kann, finden sie ihre ganz eigenen Antworten. Janice Jakait hat in 90 Tagen 6500 km mit ihrer eigenen Muskelkraft rudernd zurückgelegt und den Atlantik in einem Boot überquert. Sie hatte 2011 das Gefühl, sich auf die Suche nach sich selbst zu begeben, was sie nach einer besonderen Phase der Vorbereitung auch tat. Ohne sich auf eine Pilgerreise begeben zu wollen, würde sie ihre Abenteuertour heute so betiteln. „Auf dem Meer, in der tosenden Stille habe ich gelernt, dass es nicht darauf ankommt, irgendwo zu sein oder irgendwo anzukommen – das Ziel ist, ganz im Jetzt, ganz im Augenblick zu sein, erzählt Janice Jakait im Interview. An Gott, glaube sie nicht, aber an die Kraft des Universums. Ganz anders dagegen Senora Christophora Janssen. Die Nonne lebt in einer Frauenkommunität nach den Regeln des Heiligen Benedikts und in der Tradition der Hildegard von Bingen. Für sie ist das Leben nach den Exerzitien ihre Form der Freiheit. Sie hat dieses Leben gewählt, um in ihrem Rhythmus leben zu können. Die Regeln dienen ihr dazu, den Wechsel von Leben, Arbeiten und Beten jeden Tag verfolgen zu können. Die spirituelle Lebensgemeinschaft der Frauen trägt sie dabei, fordert sie heraus und bestärkt sie in ihrem Handeln für die Nächsten. Sie ist Künstlerin und arbeitet mit Menschen, die in das Kloster kommen, weil sie ihren eigenen Rhythmus verloren haben. Sie entdecken ihn in der Kunst oft wieder-für Senora Christophora Janssen ein großes Geschenk. Doch wie kann man klug leben ohne aus der Gesellschaft auszusteigen?, wollen die ModeratorInnen Axel Neudorf, Pastor der  Jugendkirche Wuppertal und Nicole Richter vom Frauenreferat der Evangelischen Kirche von Westfalen wissen. Rüdiger Bechstein, Personalentwickler des Familienbetriebs Kärcher und Mitglied des DEKT-Präsidiums, ist der Meinung, dass dafür die Strukturen verändert werden müssen - vor allem im Arbeitsleben. Er strebt eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf an. Flexible Arbeitszeiten, ein kommunikatives und authentisches Betriebsklima, Personalplanung, die an die Bedürfnisse der Mitarbeitenden angepasst ist – das sind seine Erfolgsstrategien. Christina Brudereck, Theologin und Poetin aus Essen, unterbricht ihren Arbeitstag immer wieder mit kleinen Andachten, Momenten, die Raum geben für ihre Beziehung mit Gott. Klug leben, bedeute für beide aber auch in Verantwortung für Andere und der Umwelt zu leben. Fair-speisen, fair-fahren, fair-reisen – diese Aspekte des klugen Lebens traten am Donnerstagnachmittag in den Fokus –nach dem Mittagsgebet mit Vizepräses der EKvW Albert Henz. Die vegane Köchin, Zsuzsa, auch bekannt als Leckerschmecker Küchenfee, zauberte nicht-tierische, bio-, faire Probierhäppchen, die im Publikum verteilt, auf sehr gute Resonanz stießen. Das bunte, vielseitige und kurzweilige Programm wurde in Zusammenarbeit von drei Landeskirchen, nämlich Rheinland-Westfalen und Lippe, vorbereitet. Am Freitag stand das Thema „Klug werden“ unter dem Bildungsaspekt im Vordergrund. Am Samstag wurde auf der Bühne am Karlsplatz über Sterbebegleitung und Palliativmedizin diskutiert, u.a. mit dabei der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider. „Die gemeinsame Planung und Durchführung des Programms der Open-Air-Bühne war eine erfolgreiche Kooperation, die der Wiederholung bedarf!“, fanden die Beteiligten der Projektleitung. Sie schauen bereits hoffnungsvoll auf den nächsten Deutschen Evangelischen Kirchentag, der voraussichtlich vom 24. bis 28. Mai 2017 in Berlin und Wittenberg stattfinden wird.

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Impressionen vom Kirchentag

Nicole Richter war beim diesjährigen Kirchentag vor Ort und auch mit eigenem Programm vertreten. An dieser Stelle teilen wir einige ihrer Impressionen eines grandiosen Kirchentags.

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