„Mythos Feminisierung" - Tagung thematisert die Geschlechtergerechtigkeit in einer Kirche mit Zukunft

"Die evangelische Kirche wird zunehmend von Frauen dominiert" - dieses Gerücht eilt seit einiger Zeit durch die Lande und gibt Anlass zu manchen besorgten Zwischenrufen. Auf einer Tagung mehrerer landeskirchlicher Einrichtungen aus Westfalen und dem Rheinland wurde der „Mythos Feminisierung“ auf den Boden der Tatsachen geführt. Die Teilnehmerinnen waren sich einig: Es ist noch ein weiter Weg zu einer Kirche, in der Gerechtigkeit für beide Geschlechter herrscht. 

Lediglich ca. 30% der Pfarrstellen sind bundesweit von Frauen besetzt, ein großer Teil von ihnen arbeitet in Teilzeit. In der Ev.Kirche von Westfalen sind 6 von 18 Kirchenleitungsmitgliedern Frauen, in der Landessynode sieht das Verhältnis nur wenig besser aus. Lediglich in den Presbyterien hat der Frauenanteil inzwischen einen Anteil von 45 % erreicht. Die Rede von der Feminisierung der Kirche erweist sich auf diesem Hintergrund tatsächlich als ein Mythos. Richtig ist allein, dass die Zahl der Pfarrerinnen und Frauen in Leitungsämtern in der Ev. Kirche langsam wächst, während Frauen an der Basis mit 70% seit Jahren die Mehrheit darstellen. "Frauen in der Kirche sind nicht das Problem, sondern Teil der Lösung" deklarierte von daher Prof. Dr. Brigitte Dorst aus Münster. Der theologische Vizepräsident der EkvW, Albert Henz, unterstrich dieses: Frauen seien ein Segen für die Kirche, zumal ihre Benotungen und Qualifikationen sogar oft die der Männer übersteigen. Landessozialpfarrerin Heike Hilgendiek verwies auf Untersuchungen, die daraufg hindeuten, dass sich die Leitungskultur positiv verändert, wenn der Frauenanteil steigt. Ein Anteil von mindestens 30 % Frauen in Leitungsgremien sei unbedingt notwendig, damit es spürbare Veränderungen in einer Organisation gibt. Irene Diller, Referentin im Frauenreferat der Ev.Kirche im Rheinland, beklagte zusammen mit vielen anderen, die "anhaltende Verhaltensstarre" in Bezug auf die Sprache in Gottesdienst und Liturgie. "Obwohl wir präzise Beschlüsse haben, dass die Sprache im Gottesdienst niemand ausgrenzen darf, hat sich hier zu wenig verändert. Ich halte z.B. die einseitige Fixierung auf die Gottesnamen "Vater" und "Herr" für eine Verletzung des Bildergebotes". Dieser Befund wird von einer Organisationsanalyse einer externen Agentur bestätigt: Geschlechtergerechtigkeit sei in der Sprache und den Gesetzen der Ev. Kirche von Westfalen hervorragend umgesetzt. Sie würde aber in der alltäglichen Praxis noch zu wenig Raum greifen. Dass es immer noch vieler Anstrengungen bedarf, um die Kirche geschlechtergerecht zu gestalten - darüber waren sich alle einig. Dieses kann nicht nur durch Beschlüsse von oben nach unten erreicht werden, erklärte Vizepräsident Henz. "Unsere evangelische Kirche funktioniert innovativ dann, wenn überzeugte Kräfte sich zusammentun und viele - auch die Leitungsgremien - mitreißen."  Die Tagung wurde vorbereitet von dem Institut für Kirche und Gesellschaft, dem Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung, dem Ev. Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe e.V., dem Frauenreferat in der ev. Kirche im Rheinland und Westfalen, der Frauenhilfe und dem Amt für Mission, Ökumene und Weltverantwortung vorbereitet. Die in einer Schlussrunde von den TeilnehmerInnen gesammelten Veränderungsbedarfe und Vorschläge, sowie die Vorträge der Tagung sind einzusehen unter "Zum Weiterdenken" in der linken Spalte. In Fortführung der Tagung fand in Dortmund das erste Frauenmahl auf dem Gebiet der westfälischen Landeskirche statt. 140 Frauen speisten in der Petrikirche und hörten 6 Tischreden ganz unterschiedlicher Frauen zu dem Thema: Frauen und Macht.
Antje Rösener

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