19.09.2015 Helfen wo es Not tut

Autorin 1: Immer öfter sind die Tore geschlossen. Immer öfter heißt es in der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Dortmund „Aufnahmestopp“. Und dann?

Unter den neuankommenden Flüchtlingen sind viele Kinder und Jugendliche. Sie kommen ohne Eltern oder Verwandte nach Deutschland. In der Hoffnung hier Sicherheit und eine neue Lebensperspektive zu finden. Kann man sie vor den Toren stehen lassen?

Für diese minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlinge sucht die Diakonie Dortmund Menschen, die ehrenamtlich eine Vormundschaft übernehmen. Karina Müller ist so eine Ehrenamtliche.

O-Ton 1: Ich habe seit ganz langer Zeit diese Betroffenheit, wenn ich im Fernsehen wieder sehe was passiert ist, wenn ein Flüchtlingsheim angezündet wurde und ich mochte mit dieser Betroffenheit da nicht mehr stehen. Ich mochte etwas tun und habe einen Rahmen gesucht, in dem ich mich engagieren kann.

Autorin 2: Deshalb hat sie sich bei der Diakonie Dortmund gemeldet und zusammen mit ihrer Partnerin die Vormundschaft für einen 16-jährigen Jungen aus Tadschikistan übernommen. 

O-Ton 2: Tadschikistan ist nicht das typische Flüchtlingsland, das heißt, wir werden kein Asyl für ihn bekommen. Wir haben jetzt einen Antrag auf Duldung gestellt. Er ist in einer Situation, in der die Familie bedroht wird und wo sein Leben so ernsthaft in Gefahr war, dass den Eltern klar war, sie müssen ihn außer Landes schaffen.

Autorin 3: Es sind so viele Gründe, warum die Menschen fliehen: Krieg, Menschenrechtsverletzungen, politische Unterdrückung, Missbrauch von Kindern als Soldaten, große Armut und Not. Dabei ist Flucht immer mit schmerzhaften Trennungen verbunden.

O-Ton 3: Ich glaube, wir vergessen das zu schnell, die verlassen auch ein Land, in dem sie zu Hause sind, die verlassen ihr komplettes Umfeld, die gehen das Risiko ein, unterwegs zu sterben, ihre Familie nie wieder zu sehen, ihre Freunde nie wieder zu sehen.

Autorin 4: Obwohl fast genauso viele Frauen und Männer aus ihrer Heimat fliehen, kommen nur wenige weibliche Flüchtlinge auch bei uns an. Vor allem Mädchen verschwinden auf der Flucht, berichtet Karina Müller aus dem Kontakt mit anderen Vormündern.

O-Ton 4: Die gehen unterwegs verloren. Die landen europaweit in irgendwelchen Bordellen. Das finde ich total furchtbar, was dort mit den Mädchen passiert und würde mir mehr Flüchtlingsarbeit mit Mädchen wünschen.

Autorin 5: Die, die es zu uns schaffen, kommen in ein fremdes Land mit einer anderen Sprache und einer anderen Kultur. Die meisten der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge leben dann in Jugendhilfeeinrichtungen. Sie brauchen einen Menschen, dem sie vertrauen können, der ihnen im Alltag hilft:

O-Ton 5: Es gibt Pflicht und Kür. Also Pflicht ist, ich schreibe einen Bericht fürs Gericht, wie sein Zustand ist, ich nehme an den Jugendhilfeplangesprächen teil und schaue, dass Entscheidungen getroffen werden, die wirklich zu seinem Besten sind… und es gibt eben die Kür, wenn die Chemie stimmt und die ist wirklich bei uns total klasse, dann gehen wir zusammen ins Kino, dann gehen wir ne Pizza essen, dann lernen wir deutsch zusammen und lauter solche Sachen.

 

Autorin 6: In der Bibel heißt es: „Deshalb nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat. Zur Ehre Gottes.“ Für mich ist so eine Vormundschaft für minderjährige Flüchtlinge gelebte Nächstenliebe. Da sein, wo man gebraucht wird. Helfen, wo es Not tut. Unaufgeregt, verlässlich und zutiefst menschlich.

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13.10.2014 Sexismus

Autorin 1: Wir sitzen beim Frühstück, ich schlage die Zeitung auf, eine Werbung fällt raus. Eine junge Frau mit breitem Mund und großen Brüsten grinst mich an. Oder genauer noch: Der breite Mund fällt mir erst auf den zweiten Blick auf – ins Auge springt vor allem dieses üppig präsentierte Dekoltée. Die Frau trägt eine schwarze Brille. Daneben der Satz: Jetzt zum Sehtest!

Komisch, sagt meine Tochter. Wieso Sehtest? Den Busen sieht man doch auch ohne Brille! Genau, denke ich und versuche mich über diesen Sexismus in der Werbung nicht aufzuregen. Ich muss schließlich ins Büro. Auf meinem Weg dahin wandert mein Blick zu drei Plakatwänden. Drei Frauenpos in knappen Bikinihöschen mit Sand überzogen. Ja, sexy. Aber kann es wahr sein, dass ich an jeder Ecke mit sexistischer Werbung konfrontiert werde? Nichts gegen schöne Bilder, aber ich haben keine Lust mehr auf diese: Sie präsentieren Frauen als dümmlich, nackt und willig. Und ich werde sicher auch nicht meine nächste Reise auf der Webseite buchen, die die Marketingstrategie „Sex sells“ unterstützt.

14.10.2014 Hospiz

Autorin 1: Meine Jogging-Strecke ist idyllisch. Sie führt über Felder und Wiesen. Und jedesmal freue ich mich, wenn ich oben auf dem Berg angekommen bin und den alten Förderturm der Zeche Zollern sehe. Dann weiß ich: Ich habe es fast geschafft!

Vom Berg aus sehe ich auch das lange, flache Haus mit den vielen Fenstern. Ich weiß aus der Zeitung: Das ist ein Hospiz. Also ein Haus, in dem
Menschen wohnen, die bald sterben müssen. Wenn das Wetter schön ist, sitzen einige in Decken gehüllt auf den kleinen Terrassen vor ihren Zimmern und genießen die Sonnenstrahlen.

Wie wohl die Stimmung in so einem Hospiz ist, wollte ich wissen. Und ich habe nachgefragt bei Anja Kämper, der Pflege- und Hospizleiterin.

O-Ton 1: LS 50078 18:40 „So ganz prägnant waren für mich die ersten Tage als die Ehrenamtlichen schon hier waren und immer hier nur geflüstert haben. Da habe ich sie gefragt: Warum flüstern sie alle? Und die haben alle gesagt: Ja, die liegen doch alle im Sterben, wo ich dann aber gesagt habe, die leben noch, die leben jetzt und ich finde, Humor gehört dazu und ich finde das ist ganz ganz wichtig das erleichtert die Menschen, wenn sie herzlich lachen können, und das tun wir hier ganz oft mit den Leuten, das tut ihnen wirklich gut.

15.10.2014 Landfrauen

Autorin 1: Heute ist der 15. Oktober. Welt-Landfrauentag. Klingt kurios, habe ich beim ersten Mal gedacht, Welt-Landfrauentag, ob man so was braucht..?

Ja, braucht man, weiß ich inzwischen. 80 Prozent der weltweiten Nahrungsmittelproduktion liegen in der Hand von Frauen. Von Landfrauen. Sie sichern die Versorgung ihrer Familien. Und ihnen kommt weltweit eine wachsende Bedeutung beim Schutz der Umwelt zu. Auch hier bei uns in Deutschland haben Landfrauen diese Bedeutung. Ute Kerlen zum Beispiel, 66 Jahre alt. Sie ist Haus- und Landwirtschafterin und hat viele Jahre lang einen Hof in der Nähe von Minden gemanaged. Ich habe sie gefragt: Was ist das, eine Landfrau?

O-Ton 1: LS 50081 Eine Landfrau ist eine Frau, die auf dem Land lebt, die sich auch mit dem, wo sie wohnt, wo sie lebt identifiziert, das sind Frauen, die in einem Verband zusammengefügt werden, eben dem LandFrauenverband.

Autorin 2: Und den gibt es schon seit 1948. Der Deutsche LandFrauenverband ist bundesweit der größte Verband für Frauen, die auf dem Land leben. 500.000 Frauen sind darin organisiert, längst nicht mehr nur Bäuerinnen. Ziel war und ist es, Frauen zu auszubilden. Für die Land- und Hauswirtschaft. Aber auch zum Beispiel für Projekte in Schulen.

02.04.2015 Gründonnerstag

Autorin 1: Heute ist Gründonnerstag.

O-Ton 1: Mit Gründonnerstag verbinde ich gar nichts. Wann soll das sein?

Autorin 2: Na eben heute.

O-Ton 2: Gründonnerstag ist doch der Tag vor Karfreitag. Da gab es früher bei uns zuHause immer etwas Grünes zu essen, irgendein grünes Gemüse.

O-Ton 3: Ich glaube an Gründonnerstag erinnert man sich an das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert hat, oder?

Autorin 3: Fast! An Gründonnerstag geht es weniger um die Farbe Grün. Eher um das alte Wort „greinen“. Und das meint „weinen, betrauern“. Heute Abend wird in vielen Gemeinden quasi „geweint“ im Gottesdienst. Weil man sich daran erinnert, dass Jesus am Tag vor seinem Tod mit seinen Jüngern zusammen gekommen ist und mit ihnen gegessen hat. In der biblischen Geschichte wird erzählt: „In der Nacht vor seinem Tod, als er kommen sah, was geschehen würde, saß er mit den anderen zusammen am Tisch. Er nahm das Brot, dankte, brach es, gab es weiter und sprach: Nehmt und esst, dies ist das Brot des Lebens. Solches tut zu meinem Gedächtnis.“ Jesus wusste, er würde bald sterben. Und er hat offenbar ziemlich gelassen reagiert. So verstehe ich jedenfalls das, was dann erzählt wird: Er hat seinen Jüngerinnen und Jüngern die Füße gewaschen. Das zeigt: Ich bin wie ihr. Ich bin mit euch verbunden. Ich werde immer für euch da sein.

Seither denken Menschen an diese Geschichte und feiern eben heute Gründonnerstag.

Genügend Gründe zum Greinen, also zum Weinen gäbe es ja. Zum Beispiel  über die alltägliche Gewalt an Mädchen und Frauen, über den Terror und immer neue Kriege, über die Foltermethoden – ja sogar Kreuzigungen – von denen wir in den Nachrichten hören. Das alles ist grausam und erinnert mich an die Dunkelheit der Karwoche.

17.09.2015 Wie schön du bist

Musik 1: Der Applaus ist längst vorbei und dein Herz schwer wie Blei.
Jeder redet auf dich ein, trotzdem bist du so allein.
Und du siehst so traurig aus. Komm in mein' Arm, lass es raus. Glaub mir ich war wo du bist und weiß was es mit dir macht.

Autorin 1: Sarah Connor ist ein Showstar in vielen Farben. Eine Frau, die ihren Sexappeal inszeniert und damit genauso ankommt wie mit ihrer Stimme. Mit ihrem Lied „Let’s Get Back to Bed – Boy!“, feierte sie 2001 ihren Durchbruch im Musikbusiness. „From Zero to Hero“ verkaufte sich über sieben Millionen Mal. Damit gehört Sarah Connor zu den erfolgreichsten deutschen Sängerinnen der letzten Jahre. 

04.04.2015 Klug leben

Manchmal gibt es Begegnungen, die sich zu einem besonderen Erlebnis entwickeln. Mir ging es letztens so. Ich plane gerade das Programm für eine Open-Air Bühne beim Deutschen Evangelischen Kirchentag, der im Juni in Stuttgart stattfindet. Das Thema heißt „Klug leben“. Und weil „klug leben“ auch bedeutet, sich bewusst zu ernähren, habe ich im Internet nach einer veganen Köchin gesucht. Und ich habe sie gefunden und getroffen: Die Leckerschmecker-Küchenfee.

11.07.2014 Wir brauchen Reformatorinnen!

Ein Spätsommertag im Jahr 1523. Argula von Grumbach kocht. Vor Wut. Entschlossen greift die 31-Jährige zu Papier und Feder. Ein Protestbrief. Empfänger: Die gelehrten Männer der Universität zu Ingolstadt. Als Mutter von vier Kindern und Ehefrau eines einflussreichen Mannes im Herzogtum Bayern, weiß Argula von Grumbach sehr genau, was sie tut. Sie ist adelig, sie ist gebildet und sie ist die erste Frau, die mit eben diesem Brief öffentlich für die Reformation eintritt. Sie fordert die Freilassung eines jungen Mannes, der für seine reformatorischen Ideen an der Universität Ingolstadt geworben hat und daraufhin in ein Kloster verbannt worden ist. Ihr Brief endet mit den berühmten Worten: „Ich habe euch kein Frauengeschwätz geschrieben, sondern das Wort Gottes als ein Glied der christlichen Kirche.“ Mit diesem Brief sollte Argula von Grumbach als Reformatorin in die Geschichte eingehen, denn schon das Lesen der Schriften Luthers war damals streng verboten. Und für eine Frau schickte sich das Lesen von theologischen Schriften und eigenständiges Nachdenken darüber schon gar nicht. Ihr Selbstbewusstsein war überdurchschnittlich für eine Frau ihrer Zeit. Sie schöpfte es aus ihrem biblischen Wissen. Schon als 10-jähriges Mädchen besaß Argula von Grumbach eine deutsche Ausgabe der Bibel. Ein Geschenk des Vaters. Martin Luthers Aufruf zum „Priestertum aller Gläubigen“ war für sie die entscheidende Ermutigung für ihr eigenes theologisches Denken. Für ist stand bald fest: Sowohl Männer als auch Frauen sind dazu berufen, öffentlich ihren Glauben zu bekennen und davon zu erzählen. Ganz im Sinne Jesu, der besonders häufig mit Frauen diskutierte. Es kommt damals nie zu einem Treffen zwischen Argula von Grumbach und den Universitätsgelehrten. Es gibt auch keine Antwort auf ihren Brief. Aber ihre theologischen Schriften werden schon bald gedruckt und verbreitet. Und sie gewinnen das Interesse der Öffentlichkeit wie sonst nur die Martin Luthers. Das Jahr 1523 ist ihr Jahr. Danach aber meldet sie sich nie wieder zu Wort. Zurück bleibt nur die Erinnerung an eine Frau, wie sie ganz allein vor einer Ansammlung männlicher Gelehrter steht, mit der Bibel in der Hand. In der Evangelischen Kirche von Westfalen feiern wir in diesem Jahr das 40-jährige Jubiläum der rechtlichen Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt. Das heißt, seit gut 40 Jahren dürfen Pfarrerinnen in Westfalen eine Gemeinde alleine leiten. Das ist noch nicht sehr lange, und es ist noch immer etwas Besonderes: Die große Mehrheit der Kirchen verweigert bis heute Frauen die Ordination. In der großen Mehrheit der Kirchen dürfen nach wie vor nur Männer auf die Kanzel. Deshalb sind auch heute noch Frauen wie Argula von Grumbach so wichtig. Wir brauchen Reformatorinnen, auch noch im 21 Jahrhundert. Wir brauchen eine Maria Jepsen, eine Margot Käßmann, eine Ellen Ueberschär. Und wir brauchen all die Frauen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen und im Verborgenen ihre Arbeit tun. Denn sie erinnern uns an die biblische Zusage, dass wir alle gleich sind in Christus. In Galater 3 heißt es: „Denn alle, die ihr in den Messias hineingetauft seid, habt den Messias angezogen wie ein Kleid. Da ist nicht jüdisch noch griechisch, da ist nicht versklavt noch frei, da ist nicht männlich und weiblich: denn alle seid ihr einzig-einig im Messias Jesus.“ Und für all das, was an Veränderungen in der Kirche und der Gesellschaft noch aussteht, hat Argula von Grumbach ein Rezept der Hoffnung: Sie sagt: Selbst wenn ich sterbe, so werden doch viele hundert Frauen nach mir kommen, die noch klüger, belesener und geschickter sind als ich.

Resurrection-Auferstehung

Radioandacht vom 11.07.2014 zu Anastacias Song "Stupid Little things"

Musik 1: Stuck on the wrong side of heaven, But I did it to myself I did it to myself, Traded in my forever, But I did it to myself I did it to myself

Autorin 1: In ihrem neuen Song „Stupid little things“ besingt Anastacia die kleinen, banalen Dinge, die sie täglich davon abhalten, dass zu tun, was sie eigentlich will. Was kann das sein? Vielleicht eine versäumte Entschuldigung oder ein Wort, das man lieber nicht ausgesprochen hätte? Eine verpatzte Begegnung, ein nicht gebetetes Gebet? Sie hat es sich selbst zuzuschreiben, singt sie. Und es ist an ihr, ihren Blick auf das Leben zu verändern, so ihre Erkenntnis. Sie hat beschlossen, ihr Herz neu zusammenzusetzen.

Musik 2: And I put my heart back together Yeah I put my heart back together

Autorin 2: Vor ein paar Wochen hat die 45-jährige ihr neues Album „Resurrection“ veröffentlicht, das bedeutet „Wiederauferstehung“. Wenn man ihre Lebensgeschichte anschaut, passt der Titel „Wiederauferstehung“ perfekt. Denn neben millionenfach verkaufte Tonträgern, ausverkauften Konzerthallen, vielen Musikpreisen aus verschiedenen Ländern, ist da auch die andere Seite im Leben der berühmten Sängerin. 2013 erkrankte sie zum zweiten Mal an Brustkrebs, zehn Jahre nach ihrem ersten Kampf gegen den Krebs. Jetzt ist sie wieder da, auferstanden, verändert, hat neue Energie für die Musik, das Dichten und Singen.

Musik 3: Now I know what love is worth in a broken world But I can't get past the hurt 'Til I give up on these stupid little things I'm so hung up on these stupid little things That keep me from you

Autorin 3: Immer wieder, sind es die blöden, kleinen Dingen, die sie von ihrem Herzen und vielleicht auch von Gott trennen. Aber das Wichtige ist, auf die Liebe zu schauen und sich zu trauen, sie zu leben. Gut zu sich zu sein, musste sie erst lernen, sagte sie in einem Interview. Anastacias Lebensgeschichte ist eine Auferstehungsgeschichte mitten im Leben. Anastacia ist eine Frau, die sich ihrer eigenen Endlichkeit bewusst geworden ist. Sie sagt trotz allem „Ja“ sagt zum Leben und steckt ihre ganze Energie in ihre Talente.

Musik 4: Now I know what love is worth in a broken world But I can't get past the hurt 'Til I give up on these stupid little things I'm so hung up on these stupid little things That keep me from you Hey, hey

Autorin 4: Mit ihren kraftvollen Beats steht sie auf für das Leben. Damit erinnert sie mich an einen Psalm, in dem es heißt: Lehre uns bedenken, das wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Klug zu werden könnte bedeuten, Gott in allem zu erkennen, auch in den Schattenseiten, das Leben achtsam und bewusst zu leben und endlich aufzuhören die blöden, kleinen Dinge in den Mittelpunkt zu stellen.

Musik 5: 2:58 That keep me from you That keep me from you That keep me from you That keep me from you 'Til I give up on these stupid little things I'm so hung up on these stupid little things That keep me from you

Nadeshda - Hoffnung

Autorin1: Nadeshda heißt Hoffnung. Nadeshda – so heißt auch die Evangelische Beratungsstelle für Opfer von Menschenhandel. Corinna Dammeyer arbeitet dort als Diakonin. Die Frauen, die zu ihr nach Herford kommen, brauchen vor allem eins: Neue Hoffnung!

O-Ton 1 Wir hatten z.B. eine junge Bulgarin, die sich von ihrem Mann getrennt hatte und die über Facebook einen anderen Bulgaren kennen gelernt hat, der lebt hier in Deutschland, ist hier verheiratet, der ihr aber gesagt hat, ich trenne mich von meiner Frau ich hole dich nach Deutschland und dann werden wir hier zusammen leben.

Autorin 2: Er hat ihr das Blaue vom Himmel versprochen, und sie hat ihm vertraut. Denn sie war selbst gerade in einer Situation, in der sich für sie alles ändern sollte.

O- Ton 2 : Er hat ihr Geschenke gemacht, das Ticket bezahlt und als er sie hier hin geholt hat, hat er sie im Grunde genommen sofort am ersten Abend vergewaltigt und am zweiten Abend ins Bordell gebracht. Sie ist schwer traumatisiert, wegen der Vergewaltigung und natürlich auch wegen der Enttäuschung, weil sie wirklich mit dieser Reise ganz viel Hoffnung verbunden hat, die alle enttäuscht worden sind.

18.09.2015 Be calm and be a princess

Freitag. Meine Familie und ich überlegen, wie wir den freien Nachmittag verbringen wollen. Mein Mann schlägt vor, nach einem neuen Sofa zu gucken. Er ist hochmotiviert und schafft es, meine Tochter und mich zu überzeugen. Kurze Zeit später stehen wir in einem Möbelhaus - mit vielen anderen Suchenden. Als wir die Rolltreppe hochfahren, drängt sich das Angebot eines pink, zartrosé, fliederfarbenen Kinderzimmers in den Blick... „Ah, das ist sicher für Jungen!“, sag ich zwinkernd zu meiner Tochter. Sie schmunzelt, denn sie kennt meine Einstellung zu geschlechtsspezifischer Werbung. Dann fragt sie, was auf dem Plakat über dem pinken Schreibtisch steht. Eine Botschaft – offenbar für alle Mädchen – noch einmal pink auf weiß: “BE CALM AND BE A PRINCESS!“ Also: „Bleib ruhig und sei eine Prinzessin!“ „Komm Mama“, sagt meine Tochter und zieht mich weiter. Ich fotografiere die klischeebeladene Komposition und frage mich: Was macht das mit Mädchen, die diese Ansage über ihrem Schreibtisch hängen haben? Und warum hängt da nicht das Alphabet oder eine Weltkarte?