Familienleben und Partnerschaft unter erschwerten Bedingungen

"Wir haben einmal richtig Ärger bekommen, als unser Sohn, ein Kleinkind, unter den Tisch zu seinem Vater gekrabbelt ist. Wir wurden rausgeworfen und mein Sohn wurde dann noch durchsucht", so eine Frau, deren Mann in Deutschland inhaftiert ist.
Die Fachtagung des IKG am 9. September in Haus Villigst - mit über 100 Teilnehmern - machte deutlich, unter welchem Druck Inhaftierte und Ihre Angehörigen und Freunde leben. Fachleute aus Justiz, Politik, Kirche und vor allen Dingen betroffene Menschen kamen an diesem Tag in Villigst ins Gespräch. Das kurze Zitat zeigt nur einen kleinen Ausschnitt der Alltagssituationen von Kindern und anderen Familienmitgliedern. Wut, Trauer, Angst und Scham sind Begleiterscheinungen, die verarbeitet werden müssen. Die Eheseminare, die das IKG seit nahezu 40 Jahren anbieten haben zum Ziel das Selbsthilfepotential der Paare und Familien zu stärken. Die Erzählungen der Betroffenen zeigen, dass die Seminare wertvoll und hilfreich sind: "Das Eheseminar hat uns wieder zu Partnern gemacht." "Wir haben neuen Respekt vor einander gelernt." Ich sehe mich heute kritischer, als ich es bisher je in meinem Leben getan habe." ... Und viele Aussagen mehr.

Die zentrale Frage für Veränderungen dieser unterschiedlichen Lebenssituationen und Erfahrungen ist: Welche Anforderungen sind für einen familiengerechten Strafvollzug notwendig? Viele unterschiedliche Antworten und Wünsche wurden geäußert. Von ganz alttäglichen Dingen wie Senkung von Telefongebühren, häufigere Möglichkeiten zu telefonieren (der Postweg dauert zu lange) war auch der Wunsch zu hören, dass es Institutionen wie die Eheseminare viel häufiger geben muss und damit verbunden die Frage nach mehr Finanzmitteln.

Detailliert nachzulesen ist alles in den bereitgestellten Vorträgen von:
Melanie Mohme, Diakonie für Bielefeld gGmbH
Wilfried Mainzer, Ministeraldirigent und Leiter der Abt. Justizvollzug im Justizministerium des Landes NRW
Dr. Klaus Roggenthin, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffälligenhilfe e.V.


Ehe-, Partnerschafts- und Familienseminare

Das Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen bietet seit 1974 in jedem Jahr inhaftierten Männer und Frauen fünf Ehe-, Partnerschafts- und Familienseminare an.

Die Seminare dauern zwischen 5 und 11 Tagen und finden an Orten außerhalb des Strafvollzugs in Bildungsstätten und Tagungshäusern statt. Das Ziel der Seminare ist, das Selbsthilfepotential der Paare und Familien zu stärken. Im klar strukturierten Tagesablauf werden die Themen der Paare innerhalb wechselnder Klein- und Großgruppen aufgenommen und bearbeitet. Dies geschieht mit Methoden aus der Paarberatung, themenzentrierten Interaktion, Gruppendynamik etc.

Die Seminarbegleitung geschieht durch Teams, die sich gleichermaßen aus Frauen und Männern, aus Beratung, Seelsorge und Vollzug zusammensetzen.

Die Seminare bieten den Paaren und Familien die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum das eigene und das gemeinsame Leben in den Blick zu bekommen, an der Beziehung zu arbeiten und Perspektiven zu entwickeln.

Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre "Der Liebe zuliebe ..." (Download unter "Publikationen")

 

 

GANG - Wege aus der Gewalt

"Der Gewalt den Rücken kehren"

Seminare mit Gewalttätern

Gewalt macht Angst und Gewalttätigkeit zerstört. In allen ihren Formen schädigt sie sowohl den einzelnen Menschen an Leib und Seele, als auch die Gemeinschaft. Gewalt und Gewalttätigkeit gehören zu einem Kreislauf von Angst, Macht und Ohnmacht. Unser Ziel ist es, diesen Kreislauf zu unterbrechen.

GANG steht als Kurzform für das Projekt "Gewaltig - Aber Nicht Gewalttätig", das seit Januar 2002 regelmäßig mit Männern durchgeführt wird, die mit Gewaltdelikten straffällig geworden sind.

Mit GANG wollen das "Institut für Kirche und Gesellschaft" der Evangelischen Kirche von Westfalen und der "Evangelische Gemeindedienst - Innere Mission Bielefeld e.V." in Kooperation mit Haus Nordpark sowie den sozialen Diensten der Justiz einen aktiven Beitrag zur Überwindung von Gewalt leisten.
Die Evangelische Kirche nimmt mit diesem Angebot für straffällig gewordene Menschen ihre Anwaltsfunktion für Gruppen, die am Rande der Gesellschaft stehen, wahr.

Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre "GANG - Wege aus der Gewalt" (Download unter "Publikationen")

 

Kontakt

Jürgen Haas
02304/755 375
Email schreiben

Bärbel Walzinski
Sekretariat
02304/755 376
Email schreiben

Downloads

Fachtag vom 09.09.2013
Familienleben und Partnerschaft unter erschwerten Bedingungen - Anforderungen an einen familiengerechten Strafvollzug

Vorträge:
Melanie Mohme, Diakonie für Bielefeld gGmbH

Wilfried Mainzer, Ministeraldirigent und Leiter der Abt. Justizvollzug im Justizministerium des Landes NRW

Dr. Klaus Roggenthin, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffälligenhilfe e.V.

Publikationen

Ein Wegweiser
DER LIEBE ZULIEBE ...
Ehe-, Partnerschafts- und Familienseminare für Inhaftierte, ihre Frauen, Männer, Partner, Partnerinnen und Kinder

GANG -
Wege aus der Gewalt
Ein Angebot für männliche Straftäter mit Gewalterfahrung

Pressetexte

Interviews mit Jürgen Haas

Es geht auch anders ... Projekt gegen Gewalt
UNSERE KIRCHE, 14.07.2013

Ein Vater-Kind-Wochenende für Strafgefangene im Sauerland
WAZ-online, 25.09.2012