Mit dem Begriff "Grüne Gentechnik" wird die Anwendung gentechnischer Methoden und insbesondere die gentechnische Veränderung von Pflanzen und Tieren bezeichnet. Dies ist ein wenig irreführend, da mit "grün" meist besonders umweltfreundliche Produkte oder Methoden bezeichnet werden. Es wäre daher treffender, von "Agrogentechnik", also der Anwendung der Gentechnik in der Landwirtschaft zu sprechen.

Die gentechnische Veränderung von Pflanzen und Tieren stösst nach wie vor auf Kritik. Der Nutzen für die Landwirtschaft scheint die ökologischen und gesundheitlichen Risiken nicht aufzuwiegen. Eine Verringerung der Artenvielfalt wird ebenso befürchtet, wie ein starkes Ansteigen der Saatgutpreise und damit eine weitere Gefahr für die Sicherung der Welternährung.  

 

Gentechnik in der EU: Opt-Out tritt im April in Kraft

Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen, die in der EU zugelassen sind, kann in einzelnen Mitgliedsstaaten untersagt werden. Dies ermöglicht der sogenannte Opt-Out-Mechanismus, der im April 2015 in Kraft tritt.
Die entsprechende EU-Richtlinie muss im nationalen Recht umgesetzt werden. Wie dies geschehen soll, darüber herrscht in Deutschland Uneinigkeit.
Agrarminister Christian Schmidt (CSU) und viele Unionspolitiker befürworten eine Regelung auf Länderebene. SPD-Umweltministerin Hendricks befürwortet eine zentrale Entscheidung. „Wenn wir ein gesplittertes Anbauverbot haben, würden wir unglaublich viele Rechtsstreitigkeiten haben“, sagte sie im ZDF-Magazin WISO.
Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen sammelten über 320.000  Unterschriften von BürgerInnen, die ebenfalls ein einheitliches, deutschlandweites Gentechnik-Anbauverbot fordern. Die Unterschriften wurden dem Bundesumweltministerium überreicht.
In einem offenen Brief fordert die Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten in der EKD (AGU) zusammen mit zahlreichen weiteren Organisationen die Agrarminister der Bundesländer auf, sich für eine bundeseinheitliche Regelung des Gentechnikanbauverbots auszusprechen. mehr ...

Offener Brief an die Agrarministerkonferenz

Netzwerk gentechnikfreier Regionen in Europa wächst

Konferenz GMO-free Europe verabschiedet Berliner Erklärung

In Berlin trafen sich vom 6. bis 8. Mai 2015 400 Teilnehmende aus 60 Ländern zum 10jährigen Bestehen der Initiative gentechnikfreier Regionen in Europa. Für die kirch-lichen Umweltbeauftragten nahm Gudrun Kordecki vom IKG an der Konferenz teil. Die Konferenz „gentechnikfreies Europa“ bot in Workshops die Möglichkeit, sich über aktuelle Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Anbau gentechnisch veränderter Organismen (englisch GMO) zu informieren. Schwerpunkte waren dabei die neue EU-Gesetzgebung für Verbote von GMO in einzelnen Mitgliedsstaaten und neue Methoden zur Veränderung der Erbanlagen von Pflanzen, bei denen noch nicht geregelt ist, ob sie unter die Gentechnik-Gesetzgebung der EU fallen.
Besonders eindrucksvoll waren die Berichte aus afrikanischen Ländern. Die starke afrikanische Gruppe berichtete, wie in ihren Heimatländern Gentechnik als Mittel gegen den Hunger von Unternehmen, aber auch der Gates-Stiftung massiv in die Landwirtschaft gedrängt werden.
Die Konferenzteilnehmer zeigten sich besorgt, da in Nord- und Südamerika die negativen Folgen des Anbaus dieser Pflanzen inzwischen deutlich erkennbar sind.

Berichte aus Südamerika wiesen auf die massiven Gesundheitsfolgen durch das großflächige Versprühen von Herbiziden mit Hilfe von Flugzeugen hin. Im Fokus steht hier der Wirkstoff Glyphosat, der kürzlich von der Weltgesundheitsorganisation WHO als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft wurde. Die zuständige deutsche Behörde, die auch für die Zulassung des Wirkstoffs in Europa federführend ist, will hieraus bisher keine Konsequenzen ziehen. Anders dagegen die REWE Group. In einer Pressemeldung kündigte sie an, dass in ihren Toom-Baumärkten ab Herbst 2015 keine Herbizide mehr angeboten werden, die Glyphosat enthalten. Die Klima-schutzagentur der EKvW weist in einem Informationsflyer auf die Gefahren von Glyphosat hin und bietet Alternativen für die Unkrautbekämpfung an: Arbeitshilfe Pflanzenschutz - "Unkraut auf Wegen zu kirchlichen Gebäuden" http://www.klimaschutz-ekvw.de/downloads/

Parallel fand eine Konferenz von „Donau Soja“ statt. Es handelt sich um den Zu-sammenschluss europäischer Unternehmen der Donau-Anrainerstaaten, die eine starke europäische Sojaindustrie aufbauen wollen. Ziel ist es, eine nachhaltige und damit gentechnikfreie Eiweißstrategie für Europa zu entwickeln und Futtermittel in Europa anzubauen. http://www.donausoja.org/en-en

Zum Abschluss der Konferenz GMO-Free Europe haben die 64 Regierungen im Europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen, Unternehmen der Sojabranche und Nichtregierungsorganisationen eine gemeinsame „Berliner Erklärung“ vorgestellt. Sie fordern unter anderem einheitliche Anbauverbote für gentechnisch veränderte Pflanzen, eine europäische Futtermittelstrategie und ein Festhalten an EU-Umweltstandards in den Verhandlungen über TTIP.

Der Parlamentarische Staatssekretär des NRW-Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums und derzeitige Präsident des Europäischen Netzwerks gentechnikfreier Regionen, Horst Becker, wies in seiner Rede darauf hin, dass NRW die „Berliner Erklärung“ ausdrücklich unterstützt: „NRW sagt NEIN zum Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. Wir müssen jetzt und für die Zukunft handeln! Die Menschen in Europa wollen keine Gentechnik – weder auf den Feldern, noch auf ihrem Teller. Für dieses Recht kämpfen wir gemeinsam“.

Die Berliner Erklärung im Wortlaut

Die Synode der EKvW hat sich bereits 1999 für ein Verbot von GMO auf kirchlichen Pachtflächen ausgesprochen. Im Jahr 2000 wurde das Verbot im Musterpachtvertrag der EKvW verankert. Fast alle evangelischen Landeskirchen haben sich inzwischen kritisch zum Anbau von GMO auf kirchlichen Pachtflächen ausgesprochen. Die ent-sprechenden kirchenleitenden Beschlüsse und eine Grafik finden sich unter
www.kircheundgesellschaft.de (kirchenleitende Beschlüsse)
www.kircheundgesellschaft.de (Grafik)

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7. Konferenz der gentechnikfreien Regionen

Kampagne zu Kirchenland war dabei

Bei der Konferenz trafen sich Akteure und Interessierte zum Erfahrungsaustausch über den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen und zur Diskussion mit VertreterInnen der EU-Kommission und des Europaparlaments. Eric Poudelet, hochrangiger Vertreter der EU-Kommission, musste sich viel Kritik anhören: Die Kommission ignoriere nicht nur die Probleme mit GVO, sondern auch den Willen der Menschen in Europa, die keine GVO in ihren Lebensmitteln wollen.

In dem Workshop „Patents on life – update and next steps“ stellte Gudrun Kordecki die EKD-Studie „Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist“ vor. In einer Abendrunde würdigte Benny Härlin, einer der Organisatoren der Konferenz, die Kampagne „Keine Gentechnik auf Kirchenland“. Kirche sei einer der großen Landbesitzer in Deutschland, daher sei diese Kampagne für die gentechnikfreien Regionen eine wichtige Unterstützung.

Die Konferenz vom 4. – 5.9.2012 in Brüssel wurde von ca. 160 Teilnehmenden aus 28 Nationen besucht, aus europäischen Staaten und aus China, Japan, USA, Argentinien und Indien.

Die Vorträge der Veranstaltung ( auf englisch) wurden auf der Homepage der Konferenz eingestellt.

Link zur EKD-Studie "Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist"

Keine Gentechnik auf Kirchenland

Die westfälische Landeskirche setzt sich seit Jahren mit den Chancen und Risiken der Grünen Gentechnik auseinander. In einer Stellungnahme zu der Stärke-Kartoffel "Amflora", die das IKG gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten in der EKD (AGU) 2010 herausgab, wird deutlich, dass es herkömmlich gezüchtete Kartoffeln mit ähnlichen Eigenschaften gibt. Die mit der Gentechnik verbundenen Risiken müssen daher nicht in Kauf genommen werden.

Die EKvW verbietet den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen auf ihrem Pachtland. Damit war sie eine der ersten Landeskirchen, die sich dezidiert zu dieser Frage geäußert hat. Inzwischen haben sich fast alle Landeskirchen in der EKD kritisch positioniert.
Eine grafische Darstellung der Haltung der Landeskirchen sowie Zusammenstellung der landeskirchlichen Beschlüsse kann herunter geladen werden.

Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft

Die Landessynode der EKvW bekräftigte 2005 ihre ablehnende Haltung zur Grünen Gentechnik. Kernaussagen des Synodenbeschlusses waren:

  • Für eine nachhaltige und sozialverträgliche Landbewirtschaftung ist die grüne Gentechnik nicht notwendig.
  • Der Einsatz der grünen Gentechnik erfordert eine klare Regelung der Koexistenzfrage.
  • Pflanzen, bei denen aufgrund ihres Auskreuzungsverhaltens eine Koexistenz nicht möglich ist, dürfen nicht in den Anbau gelangen.
  • Eine strenge Regelung der Haftungsfrage ist unabdingbar. An dem Konzept einer verursacherbasierten Haftung ist festzuhalten.
  • Gentechnikfreies Saatgut darf keine Verunreinigungen durch gentechnisch verändertes Saatgut enthalten. Der Grenzwert für Verunreinigungen ist an der Nachweisgrenze zu orientieren.
  • Verbraucherinnen und Verbraucher haben das Recht zu wissen, was sie essen. Deswegen müssen auch tierische Produkte (Fleisch, Milch, Käse, Eier) zukünftig gekennzeichnet werden.

 

 

Wer braucht die Grüne Gentechnik?

Die Sicherung der Welternährung ist eine der wichtigsten Herausforderungen für die Menschheit. Wie groß der Anteil der Grünen gentechnik an der Lösung dieses Problems sein kann, ist jedoch umstritten.

Diese Dokumentation einer Tagung im Jahr 2005 greift die kontrovers geführte Debatte auf und stellt das Problem der regulierung der Gentechnik-Nutzung im globalen Maßstab in den Mittelpunkt. Die Beiträge von Fachleuten - unter ihnen Teilnehmer aus sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern - fragen nach der Bedeutung der Gentechnik für die Welternährung.

Der Tagungsband kann für 14,80 Euro bestellt werden bei

k.simon(at)kircheundgesellschaft.de

Einverständnis mit der Schöpfung

Ein Beitrag zur ethischen Urteilsbildung im Blick auf die Gentechnik

Eine vom Rat der EKD berufene interdisziplinäre Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit ethischen Fragen der Anwendung der Gentechnik und legte 1991 eine Studie vor. 1997 wurde die Studie um einen Anhang erweitert, der sich insbesondere mit Fragen der Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel, der Biopatentierung und Fragen von Biosafety beschäftigte.
Diese Studie stellt eine grundlegende Arbeitshilfe zur ethischen Urteilsbildung zu Fragen der Gentechnik in der Evangelischen Kirche dar.

 

Kontakt

Downloads

Arbeitshilfe Grüne Gentechnik

Gentechnisch veränderte Pflanzen. Eine Betrachtung aus kirchlicher Sicht. Diese Arbeitshilfe des IKG ist im August 2011 zusammen gestellt worden und ist in der Reihe "akzente" als Heft 19 erschienen.

Die Arbeitshilfe kann hier heruntergeladen werden (150 kb).

Gentechnik-Beschlüsse in der EKD

Eine Übersicht über die Beschlusslage in Bezug auf den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen auf kircheneigenem Pachtland in der EKD kann herunter geladen werden.
Stand: 30.07.2012

Zitate aus kirchenleitenden Beschlüssen

grafische Darstellung der Beschlusslage

Verzicht auf Amflora

Stellungnahme des IKG und der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten in der EKD (AGU) 2010
Akzente Nr. 18, 480 KB

Ungelöste Fragen

Ökumenisches Positionspapier der kirchlichen Umweltbeauftragten und der kirchlichen Landbeauftragten von 2003 zu Fragen der Gentechnik in Landwirtschaft und Ernährung
Ungelöste Fragen

English Version
Unsolved Questions

Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft

Synodenbeschluss und Argumentationshilfe der EKvW (2005)
Flyer Akzente 12, 85 KB