Während das Klimakabinett tagt - Ein Zeichen setzen. Für Klimaschutz und eine menschenwürdige Zukunft. Überall in Deutschland!

Viele Christinnen und Christen werden sich beim globalen Aktionstag für den Klimaschutz am 20. September beteiligen "Mit großem Respekt sehen wir das Engagement der Jugendlichen und unterstützen ihre Anliegen. Der Protest von Fridays for Future, der generationenübergreifend immer größere Kreise zieht, ist ein ganz wichtiges Signal an Politik und Gesellschaft. Die bisherige Klima- und Energiepolitik ist alles andere als Zukunft sichernd. Noch besteht die Chance dies zu ändern. Doch die politischen Weichenstellungen müssen jetzt erfolgen!" so Institutsleiter Pfarrer Klaus Breyer, zu diesem Klima-Aktionstag.

Das Institut für Kirche und Gesellschaft engagiert sich seit Jahrzehnten bundes- und landespolitisch in der Energie- und Klimapolitik. Das Institut ist Gründungsmitglied der Klima Allianz Deutschland und des Klimadiskurs.NRW.

Das IKG berät Kirchenkreise, Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen in allen Fragen des Klima- und Umweltschutz. Es unterstützt die westfälische Kirche bei der Umsetzung der kirchlichen Klimaschutzstrategie.

Klimakabinett mutlos - Beschlüsse unzureichend

Ein Kommentar von Klaus Breyer, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft

Die gute Nachricht ist: Klimaschutz steht dank Fridays for Future und vieler anderer Organisationen, zu denen auch die Kirchen gehören, wieder dort, wo er hingehört, im Zentrum des politischen Interesses.

Die schlechte Nachricht ist: Das Klimakabinett hat am Freitag ein "Klimapaket" verabschiedet, mit dem die notwendige Treibhausgasreduktion bis zum Jahr 2030 nicht annähernd erreicht wird.

Dabei sollte es ein großer Schritt in eine klimagerechte Zukunft werden. Stattdessen sind es viele zum Teil sehr teure Trippelschritte, deren Wirksamkeit vielfach ungewiss ist. Es ist richtig, dass die anstehende gesellschaftliche Transformation im Zeichen des Klimaschutzes Gewinner und Verlierer kennen wird. Die sozialgerechte Gestaltung dieses Wandels ist von größter Bedeutung, um eine weitere Spaltung unserer Gesellschaft zu verhindern. Dennoch darf darüber nicht das Ziel einer ambitionierten Reduktion des Klimagases CO2, aus den Augen verloren werden - und auch nicht, dass der Klimawandel und seine Folgen schon heute vor allem Verlierer kennt.

Bereits 1992 hatten fast alle Staaten mit der UN-Klimarahmenkonvention völkerrechtlich verbindlich erklärt, den vom Menschen verursachten Eingriff in das Klimasystem zu stoppen. Zahllose Verhandlungen schlossen sich an. Interessengegensätze, politische Blockaden lähmten den Klimaschutz. Die Treibhausgasemissionen stiegen seitdem weltweit stark an. Auch Deutschland wird 2020 seine Klimaschutzziele krachend verfehlen. Viel Zeit wurde vertan. Ein sanfter Reduktionskurs, wie er vielleicht noch vor 20 Jahren möglich war, ist heute zu wenig, um die Klimakrise abzuwenden. Beides ist nun notwendig: Die ambitionierte Absenkung der Treibhausgasemissionen, das heißt ein konsequenter Kurswechsel hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft in nur wenigen Jahrzehnten und die sozialgerechte Gestaltung dieses Wandels.

Die Bundesregierung wirkt angesichts dieser Herausforderung mutlos und scheut trotz hohem Handlungsdruck den CO2 Ausstoß wirkungsvoll zu regulieren. Allein "Fördern" und nicht auch "Fordern" ist zu wenig. So ist der niedrige CO2-Preispfad nicht geeignet, eine Lenkungswirkung zu entfalten. Die Bahn und die Elektromobilität sollen gefördert werden, gleichzeitig werden weiterhin übermäßig große Finanzmittel im Straßenbau gebunden. Die beherzt anzugehende Mobilitätswende wurde verschoben. Das Kohleausstiegsgesetz liegt immer noch auf Eis. Der Ausbau der Windenergie wurde sogar erschwert.

Diese Liste ließe sich fortführen. Dennoch enthält das Klimapaket einen Hoffnungsschimmer. Der grundlegende Einstieg in die CO2-Bepreisung wurde geschafft. Dieses Instrument ist - richtig eingesetzt - eine wichtige Stellschraube für den Klimaschutz in Deutschland. Das Klimapaket sieht zudem vor, konkrete Ziele für alle Sektoren festzulegen. Für deren Erreichen sind die Fachministerien verantwortlich. Außerdem soll ein unabhängiges Monitoring die Wirksamkeit der Klimapolitik bewerten, für die Öffentlichkeit transparent machen und bei Zielverfehlung ein schnelles Nachsteuern ermöglichen.

Instrumente für eine ambitionierte Klimapolitik sind somit vorhanden. Doch fehlt der politische Mut, sie wirkungsvoll einzusetzen. Es bleibt somit weiter die Aufgabe der Zivilgesellschaft, gegen diese Mutlosigkeit zu protestieren und konsequentes Handeln einzufordern. Der globale Klimastreiktag war dafür ein überwältigendes Zeichen. Ohne ambitionierten Klimaschutz, ohne den jetzt einzuleitenden Wandel gibt es keine Generationengerechtigkeit und eine menschenwürdige Zukunft. Wirkungsvoller Klimaschutz ist im engeren Sinne Daseinsvorsorge und muss daher vorrangiges Ziel jeder Regierung sein. Hier muss die Bundesregierung jetzt dringend nacharbeiten.

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Churches4Future bei der Klima-Demo

Gut 300 Christen und Christinnen versammelten sich vor der Reinoldikirche, um sich mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel vor der Kirche auf die Klima-Demo einzustimmen und vorzubereiten. Präses Kurschus rief zu einem engagierten Handeln für die Schöpfung auch in der Kirche auf, denn sich um die Bewahrung der Schöpfung zu kümmern, ist zentraler Auftrag für alle Christen und Christinnen." "Wie kann man Christ oder Christin sein, ohne sich dafür einzusetzen, dass auch die nachfolgende Generation noch ein gutes Leben hat", stellt sie fest.Unter Glockengeläut zog die Gruppe dann zur zentralen Demonstration auf den Friedensplatz und bekannten Farbe unter dem Bannern "Churches 4 Future" und "Christians for Future".Später beteiligten sie sich an der Menschenkette der rund 12000 Demonstranten rund um den Wall.

Die Ergebnisse des "Klimakabinetts" sind für Volker Rotthauwe, Umweltpfarrer der EKvW, allerdings trotz der bundesweit größten Massenmobilisierung für einen engagierten und ambitionierten Umwelt- und Klimaschutz enttäuschend. Insbesondere die Bepreisung des CO2-Ausstosses mit 10 € Einstiegspreis für eine Tonne Emission ist deutlich zu gering, um zeitnah und deutlich Wirkung zu entfalten. Darin stimmen fast alle Klimaforscher und alle Umweltorganisationen überein.Der Protest wird weiterhin dringend nötig sein. Wir werden als Kirche weiterhin Teil dieser Protestbewegung sein. So wie in vielen Kirchenkreisen und Gemeinden in der EKvW auf Empfehlung der Präses an diesem Freitag die Glocken um kurz vor 12 geläutet haben, um sich mit einer Schöpfungsandacht auf die lokalen Demonstrationen vorzubereiten.

Jetzt ein Zeichen für den Klimaschutz setzen!


Aufruf an die Gemeinden und Kirchenkreise zum 20. September 2019
Dr. h. c. Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen

Fürbitten aus Anlass des Klima-Aktionstages

(c)prayer of intercession_pixabay

Herr, unser Gott, Du füllst alle Welt mit Wunder und Segen und dein Atem weht in jedem Geschöpf.

Zart und machtvoll hast du die Erde bereitet. Voll Schönheit ist unsere Erde – und voll Schrecken zugleich: so verletzlich und sterbenskrank.

Staunend und dankbar, beschämt und voll Sorge kommen wir vor Dich und bitten: Hilf uns das Wunder des Lebens sehen, lieben und schützen.

Mach uns aufmerksam, wo unsere Mitmenschen in Not sind, wo Tiere leiden und Pflanzen zerstört werden, wo Arten auf immer aus dem Leben schwinden. Mach uns empfindsam und weise für alles, was lebt.

Wir danken dir für alle, die uns wachrütteln aus unserer Trägheit, die uns aufstören in unserer Bequemlichkeit, die uns nachdenklich machen und ermutigen.

Für die jungen Menschen, die für ihre und unser aller Zukunft demonstrieren und für deine Schöpfung auf die Straße gehen, für Forscherinnen und Wissenschaftler, für Ingenieure und Managerinnen, für Medienleute und Politiker – und heute besonders für die Veranstaltungen des Klimaaktionstages am kommenden Freitag, für die Beratungen des Klimakabinetts in Berlin – und für einen jeden und eine jede von uns bitten wir:

Wende dich zu uns, Gott, damit wir umkehren können, damit wir nicht verzweifeln, an dem was drohen mag, damit wir schützen, was uns anvertraut ist, und damit wir tun, was jetzt zu tun ist.

Voll Sorge, bitten wir Dich, dankbar und voll Vertrauen: ‚Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu‘.

Amen


Treuer Gott
, Vater und Mutter des Lebens, du liebst und ernährst alle Geschöpfe, Sehr gut hast du sie geschaffen, den Menschen, jede und jeden, zu deinem Bild, und uns berufen, das Leben zu pflegen und zu bewahren.

Doch wir verwüsten den Garten, den du angelegt hast, wir vergreifen uns an deinen Bäumen und werden nicht klug.

Wir plündern, was du uns anvertraust, wir verdrängen und zerstören, was du ins Leben riefst und vor dir leben soll. Wir vergiften, was uns und aller Welt, Atem und Leben gibt.

Wir bitten Dich: Vergib uns, Gott, unsere Ignoranz und Selbstsucht, unsere Gier und alle faulen Ausreden und zeige uns, was es heißt, als dein Geschöpf zu leben. Versorgt und geliebt, begrenzt und begabt.

Wir rufen zu Dir: Kyrie eleison.


Herr Jesus Christus, du lehrst uns die Schönheit der Erde zu sehen und die Güte des Himmels, du zeigst uns die Lilien des Feldes, den Baum, der im Senfkorn aufwächst, und das Brot, das für alle reicht; du weinst und leidest in allen, deren Leben bedroht ist, du hältst stand, wo Schuld und Zerstörung alle Macht an sich reißen und du stehst auf, aus Ohnmacht, Verzweiflung und Tod.

Wir bitten Dich: Nimm uns mit in deine Lebendigkeit. Verändere uns, Gott, dass wir teilen, glauben und hoffen lernen – für uns und für alle Geschöpfe. Mach uns Lust auf deine Gerechtigkeit.

Wir rufen zu Dir: Kyrie eleison

Heiliger Geist, du wehst und atmest in allen Geschöpfen, du weckst Lust, Widerstand und Protest, Phantasie, Weisheit und Güte, die sich nicht abfinden, mit dem, wie es ist, und du verbindest Menschen zur einer Gemeinschaft der Liebe, der Hoffnung und des Vertrauens.

Wir bitten: Bewege uns, dass wir aufstehen, wo Deine Welt und deine Geschöpfe in Gefahr sind, dass wir umdenken und umkehren, wo unser Leben und Handeln, unser Denken und Wirtschaften neu werden müssen: verantwortlich, gerecht und nachhaltig.

Für die Klimademonstrationen und die Klimabeschlüsse in der kommenden Woche und für alle, die an ihnen mitwirken, bitten wir um Besonnenheit und Ungeduld, um aufrichtigen Streit und gemeinsame Verantwortung, um Einsicht und neuen Mut, jetzt das Notwendige zu tun.

Zeige uns, wo es jetzt auf uns ankommt, auf unsere Reden und Beten, auf unser Lassen und Tun.

Wir rufen zu Dir: Kyrie eleison

Zwei weitere Gebete

(c)pixel2013_pixabay


Was zu tun ist

Eine Arche bauen,
nein, viele Archen,
gegen die Flut des Unrechts
an den Geschöpfen der Erde.
Die Theologie so lange kämmen, bis sie klar sagt,
dass GOTT, heute, den blauen Planeten, und alles,
was den Atem der Schöpfung atmet,
vor der vernichtenden Vergeudung der Menschen retten will,
und wir uns dringend stark machen sollen, Glaubens-stark,
für dieses zarte Juwel, für die schutzlose Heimat
der Menschen, Tiere, Pflanzen und Elemente
mit leidenschaftlichem Beten und Tun des Gerechten.
Bärbel Wartenberg-Potter


Liebender Gott,

du bist im Weltall wie im kleinsten deiner Geschöpfe gegenwärtig;
du umgibst mit deiner Zuneigung alles, was existiert.
Schöpfer Gott, mach uns fähig, dich in der Schönheit des Universums zu sehen,
wo alles von dir spricht.
Schöpfer Gott, wir möchten dich loben und dir danken, schenk uns die Gnade, 
uns mit allem, was ist, verbunden zu fühlen.
Liebender Gott, wir vertrauen dir alle jungen Menschen an, 
die sich in brennender Ungeduld für den Schutz unseres Planeten einsetzen.
Guter Gott, stärke ihren Mut, ihre Leidenschaft und ihre Hoffnung.
Du, Gott aller Geschöpfe dieser Erde, lass uns als Kirche 
und als Christinnen und Christen nicht müde werden, sichtbar und deutlich
für die Bewahrung deiner guten Schöpfung einzutreten.
Taize, Volker Rotthauwe

Weitere Aktionen und Erklärungen

  • Dortmund: Evangelischer Kirchenkreis unterstützt die Klimademo am 20.09.2019. Es gibt eine Andacht um 11.30 Uhr vor der Reinoldikirche vor der Kundgebung um 12 Uhr auf dem Friedensplatz.  
  • Die Gemeinden werden gebeten die Klimademo im Gottesdienst abzukündigen, die Glocken am 20. September um 11.45 Uhr läuten zu lassen und zu einer kurzen Andacht einzuladen
  • Es finden örtliche oder regionale Demonstrationen statt. Termine und Orte gibt es unter: www.fridaysforfuture.de
  • Die Erklärung von Churches for Future: kirchen-fuer-klimagerechtigkeit.de
  • Link zur Bewegung christians4future
  • Das Logo von Churches for Future steht zur freien Verfügung.
  • Idee: Thematische Reihe zur Bewahrung der Schöpfung in den Gemeinden
  • Ein Informations- und Handlungsportal zum Erhalt der Biologischen Vielfalt in 
    NRW und weltweit unter: www.kirche-natur.nrw.de
  • Ein schönes Motivationsvideo findet sich hier: www.youtube.com
  • Predigtanregungen zur Nachhaltigkeit


Das und weitere Projekte zum Klimaschutz auf der Seite des IKG unter dem Thema Nachhaltige Entwicklung.