05.03.2012

Dr. Heinrich Vokkert ist tot


Dr. Heinrich Vokkert (†). Foto: EKvW

Am 01.03.2012 ist plötzlich unser früherer Kollege und EKD-Umweltbeauftragter Heinrich Vokkert gestorben. Wir trauern um Heinrich Vokkert, dem Wegbereiter der westfälischen Umweltarbeit, ein Mensch, der uns inspirierte und begeisterte.


Dr. Heinrich Vokkert, der erste Umweltbeauftragte der Evangelischen Kirche von Westfalen ist tot. Er starb am 1. März in Gronau im Alter von 78 Jahren.

1986 - im Jahr der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl - war Heinrich Vokkert maßgeblich an der Formulierung der Hauptvorlage der Landessynode, “Verantwortung für Gottes Schöpfung angesichts von Umweltzerstörung, Arbeitslosigkeit, Hunger in der 3. Welt und Rüstungseskalation“ beteiligt. Ganz wesentlich trug dieses Grundsatzpapier dazu bei, die "Naturvergessenheit“ im gesellschaftspolitischen und im institutionellen Handeln unserer Kirche zu überwinden.

Die Bewahrung der Schöpfung wurde "zu einem unaufgebbaren Thema der Kirche in all ihren Handlungsfeldern, "wie es in Beschlussfassung der Synode hieß. Mit großer Energie und theologischer Tiefe hat Heinrich Vokkert dafür gesorgt, dass dieser Anspruch eingelöst wurde. Als Leiter des wenig später eingerichteten Umweltreferats der EKvW griff Vokkert besonders die Themen auf, die zwar dran waren, die aber oft keine große gesellschaftliche Lobby hatten. So machte er die Unterstützung von Altlastenbetroffenen zur kirchlichen Sache. Die existenzielle Not und zum Teil ausweglose Rechtslage der Betroffen wurde dadurch einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Nach zähen politischen und juristischen Auseinandersetzungen konnten Lösungen gefunden werden. Weit vor der großen Klimadebatte stieß Vokkert zusammen mit den Umweltbeauftragten im Ruhrgebiet die Debatte um den ökologischen Strukturwandel im Ruhrgebiet an. Die im kirchlichen Auftrag verfasste Studie des Wuppertal-Instituts “Von der Kohle zur Sonne“ skizzierte den Übergang von einer fossilen zu einer energiesparenden und regenerativen Wirtschaftsstruktur. Sie löste heftigste Diskussionen aus. Auch als EKD-Umweltbeauftragter setzte sich Heinrich Vokkert sehr früh für eine klare kirchliche Positionierung im Klima- und Ressourcenschutz ein. Das landeskirchliche Umweltreferat engagierte sich unter Vokkerts Leitung gegen den Neubau von Müllverbrennungsanlagen und gegen die Freisetzung von Gentechnik. Auch die Unterstützung von zivilgesellschaftlichem Engagement z. B. in Lokalen Agenda Prozessen wurde zu seinem großen Anliegen. Mit Heinrich Vokkert bekamen die Presbyterien eine “ökologische Tagesordnung“ und damit einen frühen Vorläufer des “Grünen Hahn“.

In großer Verbundenheit mit der trauernden Familie müssen wir Abschied nehmen von dem Wegbereiter der Umweltarbeit in der Evangelischen Kirche von Westfalen. Wir verlieren ein Vorbild, das uns theologisch inspiriert, für den Umweltschutz in unserer Kirche begeistert und die Arbeit des Umweltreferats maßgeblich geprägt hat.

Im Namen aller Mitarbeitenden des Instituts für Kirche und Gesellschaft der EKvW.

Klaus Breyer
Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft
Umweltbeauftragter der EKvW

http://www.evangelisch-in-westfalen.de/presse/ansicht/artikel/pionier-der-kirchlichen-umweltarbeit.html