24.03.2014

Bei der Energiewende geht es nicht nur um den Strompreis


NRW-Umweltminister Johannes Remmel. Foto: Steffen Höft

Der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel hat kritisiert, dass die Energiewende oft nur als Strompreis-Debatte behandelt wird. Auf einer Tagung der Evangelischen Kirche von Westfalen sagte Remmel am Samstag (22.3.) in Schwerte, das würde die wirklichen Interessen und Konflikte verschleiern. Notwendig sei es vielmehr, über die Geschäftsmodelle der großen Energieversorger zu sprechen: "Sie sind nicht zukunftsfähig."

Nach Überzeugung des NRW-Ministers für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz steht ein kompletter Systemwechsel bevor: "Die jahrtausendealte Tradition, ums Feuer herumzutanzen, geht ihrem Ende entgegen. Erneuerbare Energien sind die Währung der Zukunft. Aber das alte System kämpft ums Überleben."

NRW zeigt, dass es geht
Nordrhein-Westfalen als Energieland Nummer eins sei auf gutem Weg, bis 2030 den Ausstoß von Treibhausgasen um die Hälfte zu senken und den Verbrauch von Ressourcen um ein Viertel. "Damit werden wir zwar das Weltklima nicht ändern, aber zeigen, dass es geht und dass mit der Ökologie ökonomische Chancen verbunden sind."
Der "Zukunftsimperialismus", das Zerstören der Lebensgrundlagen künftiger Generationen, müsse ein Ende haben. Der Einsatz für ein nachhaltige Politik, die diesem Ziel dient, sei allerdings "keine Frieden- und Freude-Veranstaltung": Interessenskonflikte müssten klar benannt und notfalls auch im Streit ausgetragen werden.

Christliches Weltbild setzt wichtige Impulse
Die christliche Überzeugung von der Welt als Schöpfung Gottes, die es zu bewahren gilt, bezeichnete der Minister als eine "Tradition, die Kraft entfaltet und Impulse in der Nachhaltigkeitsdebatte gibt".
Horst-Werner Maier-Hunke von der Landesvereinigung der Unternehmensverbände NRW sprach sich für eine Balance zwischen Ökonomie, Sozialem und Ökologie aus. "Nicht alle Unternehmer sind auf dem Trip, dass wir uns ändern müssen." Deshalb plädierte er dafür, die Geschwindigkeit der Energiewende zu verlangsamen. Sie sei sonst eine Gefahr für Arbeitsplätze.

Chancen durch erneuerbare Energien
Auch der Gewerkschaftsmann Andreas Meyer-Lauber sorgt sich um Arbeitsplätze, allerdings sieht er viele Chancen gerade in NRW im Bereich der erneuerbaren Energien. Hier sieht er die Europäische Union in der Pflicht. "Wenn der Ausbau der regenerativen Energie nicht mehr europäische Politik ist, bedeutet das einen Sieg der Atomlobby", so der Vorsitzende des DGB-Bezirks Nordrhein-Westfalen.
Für Josef Tumbrinck, nordrhein-westfälischer Vorsitzender des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), geht es nicht um eine "Deindustrialisierung" des Bundeslandes, sondern um eine nachhaltige Wirtschaft. Voraussetzung für den Wandel sei eine klare Definition der Ziele: "Wenn man sich darauf verständigt hat, können alle gesellschaftlichen Gruppen an einem Strang ziehen."
Mit dieser zentralen Veranstaltung in Haus Villigst setzte die westfälische Landeskirche unter dem Motto "Streitbar. Reformation und Politik" einen Schwerpunkt im Jahr der Politik 2014. Die Tagung, an der auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft teilnahm, beschäftigte sich mit nachhaltiger Entwicklung in NRW und dem Beitrag der Kirchen.
(PM der Pressestelle der EKvW)