09.09.2020

Brand im Flüchtlingslager in Moria


(c)anjokan_AdobeStock_Lesbos

Die Beauftragten für Flucht, Migration und Integration der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Lippischen Landeskirche nehmen Stellung zum Brand am 8. September im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos.

"Mit großer Sorge um die betroffenen Schutzsuchenden nehmen wir die Nachricht vom Brand im Lager Moria auf Lesbos auf.
Dieses Ereignis ist der traurige Höhepunkt einer jahrelangen inakzeptablen, menschenrechtswidrigen Unterbringungspraxis von Geflüchteten in Griechenland mit Zustimmung der Europäischen Union. In Verbindung mit der beginnenden Corona-Infektionswelle in Moria werden Menschen, die sich in den Schutzraum der EU begeben haben, in verantwortungsloser Weise schutzlos gelassen.
Allein zum Zweck der Abschreckung weiterer Flüchtlinge hat man Menschen, die vor Verfolgung, Krieg und Not geflohen sind, über Jahre bewusst ins Elend gezwungen. Diese verabscheuungswürdige Praxis muss sofort ein Ende haben!

Wir verlangen sofortige Klarstellung über das weitere Schicksal der ehemals in Moria festgehaltenen Menschen:
Wie werden sie nun untergebracht?
Wie ist ihr gesundheitlicher Zustand?
Wie wird verhindert, dass sich noch mehr Geflüchtete mit dem Corona-Virus infizieren?

Wir fordern die Bundesregierung auf, nun unverzüglich zu handeln und eine sofortige Umverteilung aller in diesem Lager festgehaltenen Geflüchteten in Europa in die Wege zu leiten. Das ursprünglich vorgesehene Kontingent für Deutschland ist dabei zu vervielfachen.

Wenn Europa jetzt seiner Verantwortung nicht endlich gerecht wird, ist seine Glaubwürdigkeit beim Eintreten für Menschenrechte und humanitäre Werte endgültig zerstört."

Pfarrer Helge Hohmann, Evangelische Kirche von Westfalen
Pfarrer Dieter Bökemeier, Lippische Landeskirche