14.12.2011

Buß: Klimaschutz in quälendem Schneckentempo


BIELEFELD - Der westfälische Präses Alfred Buß hat sich enttäuscht über den Weltklimagipfel-Beschluss geäußert, nach dem erst 2020 eine verbindliche Klimaschutzstrategie für alle Staaten in Kraft treten soll. Der Kompromiss bedeute "Klimaschutz in quälendem Schneckentempo", sagte der oberste Repräsentant der viertgrößten Landeskirche am Montag in Bielefeld in einem epd-Gespräch. "Bis dahin wird viel Dreck in die Atmosphäre geblasen", befürchtet der 64-jährige Theologe. Der Kompromiss sei "ein enttäuschendes Ergebnis, aber besser als gar nichts".

Positiv bewertete Buß, dass das Kyoto-Protokoll immerhin verlängert wird. Zugleich bedauerte er, dass dabei die Hauptverursacher klimaschädlicher Emissionen wie die USA, Japan, Kanada, Russland, aber auch China, Brasilien, Indien und andere Schwellenländer nicht dabei seien. "85 Prozent des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes sind auch weiterhin nicht geregelt", kritisierte Buß.

Nach den Ergebnissen des Weltklimagipfels sieht Buß eine noch größere Verantwortung für Europa und Deutschland. "Wenn die hoch entwickelte Weltregion Europa in der Lage ist, das Dinosaurier-Zeitalter der fossilen Energie hinter sich zu lassen, dann ist das ein wichtiges Zeichen für den globalen Klimaschutz", erklärte er. Europa und besonders Deutschland könnten dabei global Vorreiter sein.

In Deutschland sind nach Auffassung von Buß mit dem beschlossenen Atom-Ausstieg die Weichen für mehr Klimaschutz gestellt: "Nun muss der Einstieg in eine klimaschonende Energieversorgung folgen." Auch Einsparung und effiziente Nutzung von Energie lassen sich nach seiner Überzeugung erheblich verbessern. "Hier ist eine Kultur des Umdenkens notwendig, die jeden Einzelnen betrifft", sagte der Theologe. Wer das Atomkraftwerk in seiner Nachbarschaft ablehne, könne nicht glaubwürdig gegen die Überlandleitung protestieren. Gefordert sei der Bürger auch, durch Energiesparen und umweltverträgliche Lebensweise einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Der Klimawandel ist nach Auffassung von Buß "ein von Menschen verursachter Angriff auf die Menschenwürde der Bewohner armer Länder". Deshalb sei es auch eine Sache der Kirche, ihre Stimme für Gerechtigkeit zu erheben. Die westfälische Kirche zeige mit mehreren Initiativen, "dass wir nicht nur reden und fordern, sondern auch handeln". Als Beispiele nannte Buß Projekte wie das Umweltmanagement "Grüner Hahn", "Zukunft einkaufen" oder die Jugend-Klimakampagne "powered by heaven". Ab nächstes Jahr will die viertgrößte Landeskirche mit einer eigenen Klimaschutzinitiative bis 2020 insgesamt 40 Prozent der klimaschädlichen Emissionen im Vergleich zu 1990 einsparen. (epd/Holger Spierig)