18.11.2011

Die Energiewende gestalten


Die Energiewende gestalten
Präses Buß unterstreicht gesellschaftliche Verantwortung der Kirchen

WESTFALEN/BIELEFELD. Das Abschalten der Atomanlagen in Deutschland ist noch keine Energiewende. Das hat Präses Alfred Buß am Montag (14.11.) vor der Synode der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) betont. In seinem Bericht zum Auftakt der Tagung des „Kirchenparlaments“ wies der leitende Theologe auf die gesellschaftliche Verantwortung hin, die Energiewende zu gestalten.
Der Umstieg auf erneuerbare Energieträger werde Widerstände hervorrufen, wenn Speicherseen, Überlandleitungen u.a. gebaut werden, aber auch ein Endlager für den Atommüll gefunden werden muss. Die EKvW werde die Entwicklung einer sicheren und sozialverträglichen Klimaschutzstrategie intensiv begleiten.

Klimafreundliche Synode
Die Westfälische Landessynode selbst tagt in diesem Jahr erstmals klimafreundlich. Das bedeutet: In den Bereichen Heizung und Strom, An- und Abreise, Verpflegung und Papier verfolgt sie systematisch das Ziel, möglichst wenig klimaschädliches Kohlendioxid zu verursachen. Ausgangspunkt ist dabei die Energiebilanz der Synode 2010, die insgesamt für einen CO2-Ausstoß von etwa 31 Tonnen sorgte. Das soll ab jetzt deutlich reduziert werden. Weil jedoch auch bei aktivem Klimaschutz immer noch eine unvermeidliche Restmenge bleibt, wird es einen Ausgleich über die Klima-Kollekte geben. Das ist ein kirchlicher Fonds, der CO2-Emissionen durch Klimaschutzprojekte kirchlicher Organisationen in Entwicklungsländern und in Osteuropa ausgleicht.

CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent reduzieren
In ihrem eigenen Bereich hat sich die Landeskirche zum Ziel gesetzt, den klimaschädlichen die CO2-Ausstoß bis 2020 auf der Basis von 1990 um 40 Prozent reduzieren. Um dies zu erreichen, wird derzeit eine landeskirchliche Klimaschutzstrategie EKvW 2020 erarbeitet. Diese Strategie umfasst viele Bereiche des kirchlichen Handelns und Wirtschaftens – Gebäude, Mobilität, Beschaffung und Flächen. Ein Zwischenbericht wird der Synode vorliegen, bis Januar 2012 ist mit dem endgültigen Ergebnis zu rechnen.

Grüner Hahn
Die Landeskirche gehört verschiedenen Bündnissen und Netzwerken an, zum Beispiel der Klima-Allianz als Gründungsmitglied. Mit dem Umweltmanagement „Grüner Hahn“ lassen sich in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen bis zu 30 Prozent Energie und Wasser einsparen und entsprechend weniger Abfall erzeugen, und zwar dauerhaft – mit kostenneutralen oder geringfügigen Investitionen. Der „Grüne Hahn“ schont also nicht nur die Umwelt, sondern schafft auch neue Spielräume in finanziell angespannten Zeiten. Bis jetzt haben sich in NRW rund hundert Gemeinden und Einrichtungen dem „Grünen Hahn“ angeschlossen.

Zukunft einkaufen
Mit der bundesweiten Kampagne „Zukunft einkaufen“, die von der westfälischen Landeskirche angestoßen wurde, wollen die großen Kirchen in Deutschland ihr Einkaufsverhalten noch stärker an Umweltschutz und fairem Handel orientieren und damit auch jeden Einzelnen zu verantwortungsbewusstem Einkauf motivieren. Es geht darum, die Marktmacht von Kirche und Diakonie gezielt für nachhaltige, ökologisch verträgliche und fair gehandelte Produkte zu nutzen. Allein die Küchen in Tagungsstätten, Heimen und Krankenhäusern der evangelischen Kirchen haben ein jährliches Einkaufsvolumen von fast einer halben Milliarde Euro. Das Projekt „Zukunft einkaufen“ wurde maßgeblich vom Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen entwickelt und vorangetrieben. Rund 100 Gemeinden und Einrichtungen beteiligen sich daran bereits als Pioniere und beschaffen gezielt fair gehandelte und ökologisch produzierte Waren und Dienstleistungen.