03.03.2017

Die holunderrote Spur


Er legt eine holunderrote Spur in die moderne Kunstgeschichte. Bereits in den 1980er Jahren hat der 1939 geborene Gunther Keusen begonnen, mit pflanzlichen Mitteln wie dem Sambucus nigra - dem Holunder - und seinen Extrakten zu malen. Jetzt sind in der Zeit vom 10. März bis 15. Mai 2017 über 20 dieser Werke von ihm in Haus Villigst zu sehen. Zur öffentlichen Ausstellungseröffnung am 10. März um 19 Uhr sind alle Interessierten herzlich eingeladen.
Zu Haus Villigst hat Gunther Keusen eine ganz besondere Beziehung. Sein Vater Hellmut Keusen war Begründer und Leiter des Studienwerks in Villigst, und so hat Sohn Gunther als Kind selbst im Haus gelebt. Bei der Besichtigung des Ausstellungsortes wurden jetzt bei ihm viele spannende Kindheitserinnerungen wach.
Der Maler, Grafiker und Fotograf lebt und arbeitet in Köln und im Burgund. Seine Arbeiten sind in zahlreichen öffentlichen Sammlungen im In- und Ausland zu finden. Die Blüten und Beeren des Holunders, die den violetten Farbstoff liefern, erntet Keusen auf ausgedehnten Wanderungen. Er presst die Beeren und kocht den Holunder aus. Mit verschiedensten Rezepturen und mehrfach wiederholten Kochprozessen entlockt er dem Holunder ein breites Farbspektrum. "In einer Beere ist das gesamte Farbspektrum von tiefbraun bis rot, blau und grün enthalten", erklärt der Künstler. Gunther Keusen arbeitet mit dem Pinsel, nutzt aber auch seine Finger und zerdrückt den Holunder auf der Bildoberfläche. So bekennt der Maler: "Auch mit Mus und Matsche kann ich etwas anfangen." Arbeiten, die er aus reinem Holundersaft anfertigt, heißen für ihn Holunderelle.
Aus Holundersäften, Beerenschlamm oder auch den Blütendolden erschafft Gunther Keusen mit Pigment, Tusche und Asphaltlack einen ganz eigenen Kosmos, den die Besucher in der mehrwöchigen Ausstellung in Haus Villigst ab März betrachten und entdecken können.
Gunther Keusen absolvierte von 1959 bis 1961 ein Studium am Hochschulinstitut für Kunst- und Werkerziehung in Saarbrücken. An der Kunstakademie München studierte er anschließend ein Jahr lang Malerei. Die Ausbildung als freier Grafiker setzte er bis 1964 an der Düsseldorfer Kunstakademie fort, wo er auch das Kunsterzieher-Examen erwarb. Zu seinen Lehrtätigkeiten gehören die Zeiten als Leiter der Grundlehre an der Werkkunstschule Bielefeld und als Professor für freie Grafik an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, Abteilung Münster. Zwischen 1979 und 1995 war Keusen zeitweise Leiter und später Rektor der heutigen Kunstakademie Münster. In Haus Villigst waren schon einige seiner Schüler mit ihren Arbeiten zu sehen. Den Kontakt zu Gunther Kleusen wiederum stellt der Schwerter Künstler Thomas Klegin, Vorstandsmitglied des Westdeutschen Künstlerbunds, her.