14.10.2013

Familien stärken!


Die Lebenssituation und die Bedürfnisse von Familien standen am 11.-12.10.2013 im Mittelpunkt der Tagung "Familien stärken! Welche Familienbilder machen Politik?" Das Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen hatte in Kooperation mit dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW zu der zweitägigen Veranstaltung eingeladen - 100 Menschen, unter ihnen Väter, Mütter, Großeltern und viele Kinder und Jugendliche sind der Einladung gefolgt. Anstoß gab die Hauptvorlage Familien heute, die derzeit in der Evangelischen Kirche von Westfalen diskutiert wird.Fragen wie: "Was macht eine Familie zur Familie?" oder "Was brauchen Familien heute, damit in ihnen Fürsorge und Verantwortung möglich sind?" und "Welche Familienbilder prägen die derzeitige Familienpolitik?" wurden sowohl von den Referentinnen als auch von den Familien angeregt diskutiert. Mit einem historisch-soziologischen Blick auf Familie eröffnete die renommierte Familiensoziologin Prof. Dr. Nave-Herz am Freitag, 11.10.2013 die Tagung. Sie verwies darauf, dass es sich bei dem Bild der traditionellen Kleinfamilie um ein überfrachtetes Ideal handele, das  erst im 18./19. Jahrhundert entstanden sei und im "golden age of marrriage", den 50/60er Jahren ihren Höhepunkt hatte. "Zeitgleich entwickelten sich auch rollentypische Klischeevorstellungen, der Mann sei in der Ehe für die Außenwelt, die Frau für die Innenwelt und die Beziehungsarbeit zuständig." Diese Zuschreibungen seien zwar überholt, aber dennoch hielten die Menschen trotz hoher Trennungs- und Scheidungsraten weiterhin an der Ehe als Lebenskonzept fest, so Prof. Dr. Rosemarie Nave-Herz. Diesen Aspekt betonte auch Prof. Dr. Isolde Karle in ihrem theologischen Vortrag am Samstag. Sie forderte zudem die Anerkennung unterschiedlicher Lebensformen, vor allem auch der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften. Das traditionelle Kleinfamilienmodell ist immer noch das Familienbild, das die Politik derzeit prägt, obwohl es sich zunehmend weitet. Die Leistungen für Familie stehen derzeit alle auf dem Prüfstand und sollen besser koordiniert werden, so NRW-Familienministerin Ute Schäfer. Ziel sei es,  Familien in ihrer Vielfalt wahrzunehmen und zu unterstützen. Das bedeute: angemessene Entwicklungsmöglichkeiten für Kinder durch qualitativ hochwertige und ausreichende Betreuungsangebote auszubauen und finanzielle Sicherheit und Planbarkeit im Alltag für Eltern zu ermöglichen, z.B. durch die Einführung familienfreundlicherer Arbeitsbedingungen. Aber auch Voraussetzungen zu schaffen, um Pflegezeiten z. B. durch die Einrichtung von Lebens-Arbeitskonten zu ermöglichen. Dabei solle es aber nicht das Ziel sein, die Familien an den Markt anzupassen, "denn der Markt braucht auch und gerade die Familien!", so Ministerin Ute Schäfer. Wo Familien dringenden Handlungsbedarf sehen, wurde am Samstagnachmittag im Worldcafé engagiert diskutiert. In dialogorientierter Caféatmosphäre wurden politische Forderungen laut: "Familien brauchen Sicherheit durch unbefristete Arbeitsverträge!", "Erzieher/innen und Tagesmütter/väter müssen besser entlohnt werden, sie arbeiten mit unserer Zukunft!", "Familienpolitik kann nur durch mehr Gleichstellung funktionieren!" Diese Forderungen wurden besonders von den Vertreterinnen des Ministeriums interessiert gehört, denn diese sollen in den Familienbericht des Landes NRW einfließen, der Mitte 2015 veröffentlicht wird. "Der wichtige Dialog zwischen Politik und Familien auf Augenhöhe hat funktioniert," so Nicole Richter vom Frauenreferat der EKvW. "Das qualitativ hochwertige Kinderprogramm sorgte zudem für eine besonderen, familienfreundlichen Rahmen, der die Tagung zu einem Erfolg werden ließ!", resümiert Jürgen Haas, Referent des Fachbereichs Männer, Familie, Ehrenamt im Institut für Kirche und Gesellschaft. Die Veranstaltung "Familien stärken! Welche Familienbilder machen Politik?" steht im Zusammenhang mit der Diskussion um die Hauptvorlage "Familien heute". Auf der Landessynode der EKvW im November 2013 werden die ersten Zwischenergebnisse vorgestellt.

Mehr Informationen zum Thema Familie:
www.kircheundgesellschaft.de/