18.10.2017

Festakt im NRW-Landtag würdigt Wirkung der Reformation


Düsseldorf (epd) Motor der Freiheit und Grundlage moderner Gesellschaft: Staat und Kirchen erinnern im Düsseldorfer Landtag gemeinsam an die Bedeutung der Reformation vor 500 Jahren. Ministerpräsident Laschet ruft zu Dialog und Toleranz auf.
Das Land Nordrhein-Westfalen hat die Bedeutung der Reformation für die Entstehung der modernen Gesellschaft und das heutige Zusammenleben gewürdigt. Christen wie Nichtchristen hätten der Reformation viel zu verdanken, sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstagabend in einem Festakt im Düsseldorfer Landtag zum 500. Jubiläum der Reformation. Nach den Worten von Landtagspräsident André Kuper (CDU)gehört die Kirche mitten in die Gesellschaft, sie habe daher auch im Parlamentals dem Herzstück der Demokratie ein Zuhause.
Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, hob für die drei evangelischen Landeskirchen in NRW ebenfalls die gesellschaftliche Bedeutung des Glaubens hervor: "Die Botschaft, von der wir als Christen leben, gehört unbedingt in die Öffentlichkeit." Der Journalist Hans Leyendecker nannte die Reformation in seiner Festrede eine "Unabhängigkeitserklärung mit Weltbedeutung". Sie stehe für Freiheit von der Kurie, der Inquisition und der "Dogmenhuberei", aber auch für Verantwortung, Bildung und die Bedeutung des Wortes, sagte Leyendecker vor rund 300 Gästen im Plenarsaal des Landtags.
Am 31. Oktober jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther (1483-1546) der Überlieferung nach an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug. Am Reformationstag, der in diesem Jahr einmalig bundesweit gesetzlicher Feiertag ist, endet zugleich das Jubiläumsjahr, mit dem die evangelische Kirche 500 Jahre Reformation feiert.
Laschet nannte die Reformation eine Quelle des heutigen demokratischen Rechts- und Sozialstaats. Von ihr könne gelernt werden, gerade in existenziellen Fragen und Konflikten immer wieder den Weg des Dialogs zu gehen. Kirchen, Religionen und Staat bräuchten ein respektvolles und friedfertiges Miteinander, betonte der Ministerpräsident. Die Religionen und Konfessionen sollten die Vielfalt achten und das Verbindende und nicht den theologischen Streit oder das Trennende in den Mittelpunkt stellen.
Der Festredner Leyendecker, der Präsident des evangelischen Kirchentages 2019 in Dortmund ist, rief die Kirchen gleichfalls zu mehr Ökumene auf. Noch nie in den vergangenen 500 Jahren seien sich die Kirchen so nah und das wechselseitige Verständnis so groß gewesen. Dass dennoch gemischt konfessionelle Paare kein gemeinsames Abendmahl haben sollten, sei "ein Ärgernis, das zum Himmel schreit", sagte der Journalist: "Niemand sollte mündigen Christen vorschreiben, die Einladung zum heiligen Abendmahl einer anderen Kirche nicht annehmen zu dürfen." Einen müsse die Christen auch das Eintreten für Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, unterstrich der 68-Jährige. "Wer als Christenmensch nicht den Mut hat, für die Schwachen da zu sein, braucht nicht von Gott zu reden."