02.07.2020

Gene Drive: Artensterben dank Gentechnik?


(c)Dan Race Adobe Stock

In einem offenen Brief rufen 78 Umwelt-, Agrar-,Tierschutz-und Entwicklungsorganisationen aus ganz Europa die EU-Kommission dazu auf, die Freisetzung sogenannter Gene Drive Organismen in der EU und international zu ächten.
Mit der neuen Gentechnikanwendung CRISPR/CAS9 können ganze Tierpopulationen und -arten in der Natur ausgerottet und umprogrammiert werden. Dabei werden im Labor Mücken, Mäuse, Fruchtfliegen und andere Organismen erzeugt, die eine bestimmte Eigenschaft mitsamt dem Mechanismus zur gentechnischen Manipulation künftiger Generationen an sämtliche Nachkommen vererben. So können Gene Drive Organismen ihre Artgenossen in der Natur ersetzen. Die Gene Drive Eigenschaft setzt sich auch dann durch, wenn sie für das Überleben der Art tödlich ist. Eingesetzt werden soll die Technologie zur Bekämpfung sogenannter Agrarschädlinge, invasiver Arten und krankheitsübertragender Insekten.
Die unterzeichnenden Organisationen, unter ihnen die Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten in der EKD (AGU), der Deutsche Naturschutzring (DNR), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), SaveOurSeeds und die Aurelia Stiftung fordern von der EU, sich auf der nächsten Vertragsstaatenkonferenz (COP15) der UN-Biodiversitätskonvention für ein globales Moratorium auf die Freisetzung von Gene Drive Organismen einzusetzen. Dasselbe verlangt auch das Europäische Parlament in einem Entschließungsantrag vom Januar dieses Jahres und ist damit einem Aufruf von über 200 Organisationen in Europa und weltweit gefolgt.
"Gene Drives sind ein immenses Risiko für Ökosysteme", so die unterzeichnenden Verbände einstimmig. "Die EU muss sich für ein globales Moratorium einsetzen und gleichzeitig mit gutem Beispiel vorangehen. Dieser Risikotechnologie muss ein Riegel vorgeschoben werden." Gudrun Kordecki, Referentin für Umwelt und Bioethik im Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW und Mitglied im Vorstand der AGU, weist darauf hin, dass durch die Freisetzung von Gene Drive Organismen die ohnehin bedrohte Artenvielfalt noch einem zusätzlichen Risiko ausgesetzt würde: "Der Verlust an Biologischer Vielfalt ist neben der Klimaerhitzung die größte Herausforderung unserer Zeit. Die Freisetzung von Gene Drive Organismen, die kaum rückholbar wären, ist mit hohen Risiken verbunden. Das Vorsorgeprinzip gebietet es, dass vor einer Freisetzung eine sorgfältige Technikfolgenabschätzung vorgenommen wird. Dazu gehört auch eine Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen und ethischen Aspekten dieser Technologie."
Abschließend fordern alle Verbandsvertreter*innen die EU dazu auf, zum Schutz von Mensch und Umwelt zu handeln: "Die EU-Kommission und die deutsche Bundesregierung in ihrer Rolle als Vorsitzende des EU-Rats sollten dem Ruf des Europaparlaments folgen und ein vorläufiges Freisetzungsverbot von Gene Drive Organismen auf die internationale Agenda setzen."

Hintergrund:
Der offene Brief an die EU-Kommission

Weiterführende Informationen zu Gene Drives unter:
www.stop-genedrives.eu