14.02.2017

Großes Interesse an der kleinen Ebene


Foto: Christian Lamker, TU Dortmund

Das Quartier als Zauberformel für die Lösung gesellschaftlicher Probleme? Mit dieser Frage war ein zweitägiger Kongress überschrieben, der jetzt in Bochum stattgefunden hat.
Die Veranstalter - TU Dortmund, Ruhr-Uni Bochum, EBZ Business und InWIS Forschung & Beratung GmbH - hatten eingeladen, um den Status Quo der Quartiersarbeit zu beleuchten und die Perspektiven auszuloten.

Das Quartier als Handlungsebene hat mittlerweile Hochkonjunktur. Die verschiedensten Wissenschaften und Fachbereiche, städtische und politische Akteure oder auch Institutionen haben sich auf dieses Feld begeben. Ziel des Kongresses war es, die unterschiedlichen Ansätze und Handlungsstränge zusammen zu bringen und die Potenziale der interdisziplinären Arbeit herauszufinden. Neue Fördermöglichkeiten für vernetzte Strukturen sollten diskutiert werden.
Klaus Breyer, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft, war bei der Podiumsdiskussion "Sozialraumorientierung als strategische Option bei der Gestaltung des Strukturwandels" mit dabei. Mitdiskutanten waren Dr. Matthias Schulze-Böing, Geschäftsführer des Kommunalen Jobcenters Offenbach "MainArbeit", Bernd-Michael Link von der Wohnungsbaugesellschaft Vivawest Wohnen, der Direktor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen, Alexander Rychter, und NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens.
Welche Bedeutung hat die Arbeit im Quartier für die Wohnungswirtschaft, die Gesundheit, die Kirche und die Kommune? Welche Rolle nimmt sie bei der Gestaltung des Strukturwandels ein? Wir können die Stärke des Ansatzes im Quartier und die Interdisziplinarität stärker genutzt werden? Diesen Fragen wurde in der Diskussionsrunde nachgegangen.
"Das Quartier ist ein überschaubares soziales System - der alltägliche Lebens- und Identifikationsraum seiner Bewohner. Es besteht ein hoher Handlungsdruck, da sich eine fortschreitende Polarisierung zwischen den Quartieren zeigt. Wir müssen interdisziplinär Entwicklungsmaßnahmen zusammen mit der Bevölkerung planen und umsetzen.
Wir brauchen dabei breite Bündnisse, die die vielfältigen Herausforderungen besonders in benachteiligten Quartieren gemeinsam stemmen. Weder Kommune, Wohlfahrtsverbände, Zivilgesellschaft und Kirche können dies alleine. Was immer wir tun, muss unmittelbar den Menschen vor Ort eine bessere Perspektive geben, ein Leben ohne Armut und in einem gesunden Lebensumfeld zu führen. Stadtteilentwicklung darf daher nicht 'von oben' verordnet werden, sondern muss in partizipativen Prozessen gemeinsam mit den Bewohnern vorangebracht werden.
Selbstkritisch muss ich hinzufügen, dass Kirchengemeinden und kirchliche Institutionen zum Teil noch für dieses gemeinsame Vorgehen gewonnen werden müssen. Aber die Bereitschaft wächst. Dazu will auch unserer Projekt 'Nachhaltigkeit nimmt Quartier' beitragen", unterstrich Klaus Breyer die besondere Bedeutung, die auch auf die Kirchen in der Quartiersarbeit zukommt.