12.07.2016

Hilfe zur Selbsthilfe - Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren


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Wer weniger als 100 € auf dem Sparbuch hat, hat kein Vermögen. Laut dieser Definition sind in Nordrhein-Westfalen 18,9 % der Gesamtbevölkerung vermögenslos. Das sind immerhin 3,2 Mio. Menschen. Andererseits gelten 15,2 % der Einwohner als vermögend - d.h. ca. 2,7 Mio. Menschen haben pro Kopf ein Vermögen von mindestens 115.000 €. Viel Geld zu haben ist (und bleibt) ein Traum vieler Menschen, kein Geld zu haben ist ein Alptraum.Die meisten Menschen können sich nicht vorstellen, wie es ist, weniger als 100 € Vermögen zu haben. Auch fehlt Vielen die Phantasie, wie es ist, dauerhaft mit 400 € im Monat auskommen zu müssen.

Im jetzt veröffentlichten Sozialbericht NRW 2016 wird die soziale Lage im Land beschrieben. Die Arbeitslosigkeit beträgt in einigen Städten bis zu 18%, entsprechend hoch sind die Sozialkosten. Mehr als 300.000 Menschen in NRW erhalten aufstockende Leistungen zusätzlich zu ihrem Gehalt, weil sie teilzeitbeschäftigt oder Minijobber*in sind. Oder anders ausgedrückt - prekäre Arbeitsverhältnisse werden aus Steuermitteln unterstützt!

"Die Menschen erfahren Ausgrenzung durch ihre Armut. Sie nehmen nicht am kulturellen Leben teil", beschreibt Sozialreferent Axel Rolfsmeier vom Institut für Kirche und Gesellschaft einen Aspekt von Armut: "Sie werden nicht eingeladen, sie kaufen keine Blumen, sie laden nicht ein, sie bekommen keine Blumen." Auch so lässt sich soziale Armut und Ausgrenzung beschreiben.

Welche Forderungen und Aufgaben hat Kirche angesichts dieser Situationsbeschreibung?
Für Menschen mit Vermittlungshemmnissen müssen öffentlich geförderte Arbeitsplätze geschaffen werden. Auch Kirche kann als Arbeitgeberin für geförderte, gemeinnützige Arbeitsverhältnisse Menschen Arbeit und Hoffnung geben. Arbeit und auskömmliches Einkommen sind wesentliche Faktoren der sozialen Sicherung und der gesellschaftlichen Integration. Obwohl hier die Förderpolitik des Bundes, der Länder und der Kommunen ansetzt, kann es nicht gelingen, jeden langzeitarbeitslosen Menschen in ein festes Arbeitsverhältnis zu vermitteln. Mit geförderten Beschäftigungsverhältnissen im gemeinnützigen Bereich können Betroffenen Perspektiven eröffnet werden. Aus ihrer Sicht bedeutet es, morgens aufzustehen und ein Ziel zu haben. Gebraucht zu werden; etwas Sinnvolles zu tun, eigenes Geld zu verdienen für eine geleistete Tätigkeit - das sind Bedingungen für ein selbstbewusstes Leben.

"Arbeit muss finanziert werden - nicht Arbeitslosigkeit"
bringt Pfarrer Klaus Breyer, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft, die Forderung auf den Punkt "Kirche hat eine wichtige Rolle und Funktion bei der sozialen und gerechten Gestaltung der Gesellschaft".
Diese Form der Arbeit, der sog. Passiv-Aktiv-Transfer innerhalb des Sozialgesetzbuches, bringt hohen Nutzen für die Gesellschaft - und vor allen Dingen den Betroffenen.

Kirchen und Sozialverbände fordern eine deutliche Erhöhung der Regelsätze - insbesondere für Kinder. Kinderarmut ist Familienarmut und darf nicht hingenommen werden. Die weitere Erhöhung des Mindestlohns - auch zur Vermeidung von späterer Altersarmut - ist notwendig. Die ausgesetzte Vermögenssteuer ist wieder einzuführen und diese Steuereinnahmen sind dann für den sozialen Ausgleich zu verwenden.

Broschüre der "Initiative Pro Arbeit - öffentlich geförderte Beschäftigung" zum Passiv-Aktiv-Transfer mit Rechenbeispielen zur Umsetzung als PDF Download