20.09.2019

Institutsleiter fordert von Politik klimapolitisch ambitionierten Kurs


Schwerte/Düsseldorf (epd). Von der Tagung des Klimakabinetts der Bundesregierung erwartet der Theologe Klaus Breyer mutige Beschlüsse. Er sei jedoch skeptisch, ob der politische Gestaltungswillen dazu reichen werde, sagte der Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen dem Evangelischen Pressedienst (epd). "In meiner beruflichen Praxis habe ich über Jahrzehnte erlebt, dass die Zukunftsaufgabe Klimaschutz immer wieder blockiert, zwischen Interessensgegensätzen zerrieben oder zerredet wurde." Mit Blick auf das kirchliche Engagement beim Klima- und Umweltschutz sei vieles auf dem Weg, aber der Einsatz müsse noch weiter verstärkt werden.

"Klimaschutz muss jetzt zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe werden, mit ambitionierten Rahmenvorgaben", betonte der Theologe. Dazu gehörten ein Klimaschutzgesetz, ein konsequenter frühestmöglicher Kohleausstieg, ein Steuer- und Abgabensystem, dass sich sozialverträglich am Klimaschutz orientiere wie etwa die CO2-Bepreisung, die verbesserte Förderung von Klimaschutz im Gebäudebereich, eine Mobilitätswende und der Ausbau der erneuerbaren Energien.

Viele Christinnen und Christen würden sich am globalen Aktionstag für den Klimaschutz von "Fridays for Future" am Freitag beteiligen. "Mit großem Respekt sehen wir das Engagement der Jugendlichen und unterstützen ihre Anliegen", betonte der Umweltexperte. Für Freitag hat ein Bündnis rund um "Fridays for Future" zu einem weltweiten Klimastreik aufgerufen. Bislang sind den Veranstaltern zufolge mehr als 400 Demonstrationen und Aktionen allein in deutschen Städten angemeldet.

Die Kirchen mit Sitz in NRW haben auch zur Teilnahme an Aktionen für den Klimaschutz geworben. Viele der rheinischen Kirchengemeinden kündigten beispielsweise an, am Freitag ihre Glocken zu läuten, um zur Andacht und zum Umdenken aufzurufen. In Wuppertal wird in der evangelischen Hochschul- und Landeskirchenbibliothek der Strom ausgeschaltet und ohne Licht, Computer, Drucker und Kaffeemaschine ein stromloser Leserservice angeboten.

An Aktionen an der Dortmunder Reinoldikirche nimmt dem Kirchenkreis Dortmund zufolge auch die westfälische Präses Annette Kurschus teil. Um 11.30 Uhr laden die Kirchen dort zum ökumenischen Gebet ein.

Der lippische Kirchenrat Tobias Treseler werde wiederum bei einer Kundgebung der "Fridays for Future"-Bewegung in Detmold sprechen, kündigte die Lippische Landeskirche an. Auch beim ökumenischen Friedensgebet in der Detmolder Erlöserkirche und in Andachten werde der Aktionstag thematisiert.

"Unsere kirchliche Klimaschutzstrategie muss ambitioniert für das nächste Jahrzehnt weiterentwickelt werden", betonte Breyer. Das Ziel solle eine gesamtkirchliche, bilanzielle Klimaneutralität in 2040 sein. Lippische, westfälische und rheinische Kirche seien in der "Klimaalianz Deutschland" aktiv, einem Bündnis von Kirchen, Entwicklungsorganisationen, Umwelt- sowie Sozialverbänden, Gewerkschaften, Verbraucherschutzorganisationen und Jugendverbänden. Das Bündnis setzt sich nach eigenen Angaben für eine ambitionierte deutsche Klima- und Energiepolitik auf lokaler, nationaler, europäischer und internationaler Ebene ein.

Internet: www.klimadiskurs-nrw.de; www.kircheundgesellschaft.de

epd-West pat fri