18.12.2018

Kampf gegen die Erderhitzung


Jürgen Flächle Adobe Stock

Bisher hatte der internationale Klimaschutz Ziele, aber keine Regeln. Diese gravierende Lücke konnte jetzt der Weltklimagipfel in Katowice schließen. Nun steht das Regelwerk für die Großbaustelle Klimaschutz, inklusive wichtiger Finanzierungsmechanismen für die Entwicklungsländer. Dieses Regelwerk muss nun aber auch zielgerichtet eingesetzt werden! 

Auf dem Klimagipfel von Paris verpflichteten sich 2015 alle Staaten, völkerrechtlich verbindlich, die Erderhitzung auf deutlich unter 2°C zu begrenzen. Diese Zielbestimmung war einerseits ein Durchbruch für den internationalen Klimaschutz, andererseits doch nicht viel mehr als eine wolkige Absichtserklärung. Vollkommen unklar blieb, wie die konkreten Anstrengungen der einzelnen Staaten gemessen und bewertet werden sollten. Diese Lücke hat der gerade zu Ende gegangene Weltgipfel geschlossen. Durch ein für alle geltendes Regelwerk werden nun die nationalen Anstrengungen für Klimaschutz transparent und vergleichbar. Nun kann beurteilt werden, mit welchem Ambitionsniveau die Staaten vorankommen und wo dringender Nachsteuerungsbedarf besteht.

Mehr war von dem Gipfel nicht zu erwarten, und deswegen sollte er als Erfolg gesehen werden. Doch täuschen wir uns nicht! Die Lage bleibt sehr ernst. Bereits 25 Jahre verhandelt die Weltgemeinschaft über den Klimaschutz. Darunter waren viele Jahre des politischen Taktierens, Verschleppens und auch des Rückschritts. Heute können wir bereits deutlich erkennen: Das Erdsystem reagiert auf politischen Stillstand nicht mit Stillstand, sondern mit zunehmender Dynamik. Schnelle und weitreichende Änderungen in allen Bereichen sind jetzt notwendig,  um dramatische Folgen für das Leben auf der Erde abzuwenden. Die bisher von den Staaten vorgelegten nationalen Klimaprogramme sind vollkommend unzureichend und würden zu einer Temperaturerhöhung von mindestens 2,7 ° bis 3° C führen, wenn sie nicht umgehend nachgebessert werden.

Der Sonderbericht des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) kam im Oktober 2018 zu dem Schluss, dass ohne schnelle Trendwende die so entscheidende 1,5-Grad-Marke bereits 2030 erreicht wird. Es ist gut, dass Deutschland und die Europäische Union in Katowice darauf gedrängt haben, dass alle Länder verschärfte nationale Reduktionsziele vorlegen. Das gilt jedoch auch und zu allererst für unser Land, denn die deutschen Klimaziele werden 2020 drastisch verfehlt!

Anfang des kommenden Jahres muss die Kohlekommission einen Ausstiegspfad aus der Kohleverstromung beschließen, der mit den Pariser Klimazielen vereinbar ist. Auch die Verkehrswende muss endlich eingeleitet werden. Im Gebäudebereich müssen dringend Wege gefunden werden, um Investitionen in bezahlbaren Wohnraum mit Klimaschutz zu verknüpfen.

Als Kirche treten wir für einen zügigen Ausstieg aus der Kohleverstromung ein. Kurzfristig muss die Hälfte der Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden - vorrangig die ältesten und ineffizientesten. Auf dieses Weise können die deutschen Klimaziele doch noch zeitnah erreicht werden. Der damit verbundene Strukturwandel muss sozialverträglich gestaltet werden. Niemand darf zurückgelassen werden! Das gilt für die Menschen, die von Arbeitsplatzverlusten bedroht sind. Das gilt aber auch für jene, die jetzt noch, quasi in der "Schlusskurve" der Braunkohle, von Umsiedlung bedroht sind. Alle jetzt noch betroffenen Dörfer und Höfe müssen erhalten bleiben!  Der Hambacher Wald darf nicht gerodet werden!

Studien zeigen, dass ein Kohleausstieg in Deutschland bis spätestens 2035 möglich ist, ein Kohleausstieg, der sozialverträglich ist und die Energieversorgung sichert. Die betroffenen Standorte und Regionen in Ost und West brauchen jetzt Planungssicherheit. Nur so können sie sich auf die notwendigen Veränderungen einstellen.

Je mehr sich der Strukturwandel verzögert, umso größer wird die Gefahr, dass die Klimaziele verfehlt werden und es zu Strukturbrüchen kommt.

Klaus Breyer

Lesen Sie dazu auch den Beschluss der EKVW Synode zum "Kohleaustieg in der Energieversorgung"