04.06.2012

Kirche und Diakonie – attraktive Arbeitgeber?


Kirche als Arbeitgeber: Auf dem Podium diskutierten (von links) Superintendent Peter Burkowski, Dr. Jürgen Born, Cornel Spannel und Vizepräsident Albert Henz. Foto: EKvW

Westfalen/Schwerte-Villigst. Kirche und ihre Diakonie müssen noch besser lernen, offen und konstruktiv mit Konflikten umzugehen. Das wurde am Samstag (2.6.) auf einer Fachtagung in Schwerte deutlich, zu der die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) eingeladen hatte.
„Arbeitsverdichtung und Überlastung haben ihren Grund oft in unklaren Strukturen“, sagte Superintendent Peter Burkowski (Recklinghausen), der auch zur Kirchenleitung der westfälischen Landeskirche gehört: „Wenn die Aufgaben nicht eindeutig geregelt sind, führt das zu falschen Erwartungen an die Mitarbeiter. Überforderung ist die Folge.“ Burkowski, der maßgeblich am westfälischen Reformprozess „Kirche mit Zukunft“ mitgearbeitet hat, verwies auf die vorhandenen kirchlichen Instrumente zum Umgang mit Konflikten: zum Beispiel Supervision und Gemeindeberatung. Sie sollten stärker genutzt werden.
Für Albert Henz ist Kirche mit ihrer Diakonie trotz mancher Konflikte ein attraktiver Arbeitgeber. Geboten werde nicht nur „eine anständige Bezahlung, sondern auch eine sinnstiftende Arbeit – in der Begegnung mit Menschen“, erklärte der Theologische Vizepräsident der EKvW, der selbst lange in der Diakonie tätig war.
Die Handlungsfelder, auf die sich die Landeskirche verpflichtet hat, würden in absehbarer Zukunft in jeder Region erhalten bleiben: Gottesdienst und Musik, Seelsorge und Beratung, Bildung und Erziehung, Diakonie, gesellschaftliche Verantwortung und Ökumene sowie Leitung und Verwaltung. Allerdings sei im Prozess des Kleinerwerdens immer wieder zu prüfen, in welchen Organisationsformen all dies am besten geleistet werden kann: „Nicht alle müssen alles machen. Wir dürfen uns nicht an Strukturen klammern.“ Gemeinden und auch Kirchenkreise, die ihre Aufgaben nicht mehr erfüllten können, seien auf Zusammenschlüsse mit anderen angewiesen. Zudem betonte Henz das bürgerschaftliche Engagement: „Jede Kirche, die sich zum Gottesdienst mit Menschen füllt oder anderweitig sinnvoll genutzt wird, soll und kann erhalten bleiben.“ Als Beispiel nannte er die Iserlohner Bauernkirche, die von einem Trägerverein mit Millionenaufwand unterhalten wird. Aber: „Wenn nicht genügend Menschen da sind, soll man sich in Würde davon verabschieden.“
Cornel Spannel aus Gelsenkirchen, Vorsitzender der Gesamtmitarbeitervertretung (Betriebsrat) der Landeskirche, verwies auf den typisch evangelischen dezentralen Aufbau: Gemeinden und Kirchenkreise, also die untere und die mittlere Ebene, besitzen eine große Selbständigkeit. Das mache den Umgang mit Konflikten oder Entwicklungsprozessen oft umständlich: „Die Landeskirche kann vordenken – handeln muss der Kirchenkreis oder die Gemeinde. Das ist manchmal nicht so einfach.“ Spannel ist überzeugt, dass die Beschäftigten überall hoch motiviert sind. Um so mehr liegt ihm daran, „dass wir uns nicht von außen ein Negativbild aufdrücken lassen dürfen“.

(Pressemitteilung der EKvW)