17.03.2015

Kohle weltweit auf dem Rückzug


Studie: Kohle weltweit auf dem Rückzug. Klima-Allianz fordert der Realität ins Auge zu sehen

16. März 2015 Berlin – Nicht nur in Deutschland bläst der Kohle der Wind ins Gesicht. Das zeigt der heute von Sierra Club und CoalSwarm veröffentlichte Bericht „Boom and Bust“ zu weltweiten Kohleneubauplänen. Er dokumentiert eindrucksvoll, dass sich die Kohle global auf dem Rückzug befindet. Weltweit scheitern immer mehr Kraftwerksprojekte, während die Zahl der Neuplanungen sinkt. „Erstmals seit Beginn der industriellen Revolution ist die Kohle stark in der Defensive. Kohle muss sich – wie der Report zeigt – auch weiterhin auf massiven zivilgesellschaftlichen Gegenwind, Konkurrenz durch immer kostengünstigere Erneuerbare Energien und fehlende Rentabilität ohne staatliche Subventionen einstellen“, hält Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch und Sprecher der Klima-Allianz, fest.

Der Fall Deutschland ist symptomatisch für diesen Trend. In Deutschland wurden seit 2010 von 32 geplanten Kohlekraftwerksblöcken nur sieben fertiggestellt und mehr als doppelt so viele – nämlich 16 – bereits wieder verworfen. Viele der Planungen wurden nach jahrelangen Verzögerungen durch zivilgesellschaftlichen Protest schlussendlich auf Grund unsicherer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen für Kohlekraftwerke gestoppt. Neue Kohlekraftwerke würden sich auch ohne den Siegeszug der Erneuerbaren Energien heute nicht mehr rechnen. Der Erfolg fluktuierender  Erneuerbarer Energien beeinträchtigt die Wirtschaftlichkeit der Kohleverstromung jedoch zusätzlich massiv. „Dies belegt erneut, dass der Zubau von Kohlekraftwerken als sogenannte Brückentechnologie weder wirtschaftlich noch ökologisch Sinn macht.“, so Christoph Bals weiter. 
Insbesondere RWE und E.on haben in Deutschland viel zu lange in Kohlekraftwerke investiert, immer noch lassen sie ineffiziente und überalterte Kohlemeiler am Netz. Für neue Geschäftsmodelle läuft die Zeit davon. Die Quittung dafür haben sie mit den letzte Woche veröffentlichten Quartalsbilanzen bekommen.
Das Vorhaben des Bundeslandes Berlin bis 2020 aus der Kohle auszusteigen ist daher ein wichtiges Signal für die deutsche Debatte. „Die Bundesregierung tut gut daran diesen Trend nicht zu ignorieren. Spätestens 2040 muss das letzte Kohlekraftwerk in Deutschland vom Netz gehen.“,  fordert Klaus Breyer, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft und Sprecher der Klima-Allianz Deutschland. Bis dahin gilt es, die Kohleverstromung Stück für Stück zurückzufahren. Bis 2020 müssen in Deutschland bereits 93 Millionen Tonnen CO2 aus der Kohleverstromung reduziert werden um das angekündigte Klimaziel von minus 40 Prozent noch erreichen zu können.
„Wer möglichst lange an fossilen Überkapazitäten festhalten will, kippt nicht nur die deutschen Klimaziele, sondern verhindert die sozialverträgliche schrittweise Transformation bis 2040 und damit die Zukunftsperspektiven für die heute im Kohlebereich Beschäftigten und die davon abhängigen Regionen. Dazu braucht es noch in diesem Frühjahr die Vorlage für ein wirksames und ambitioniertes Emissionsbegrenzungsgesetz.“, führt Klaus Breyer weiter aus.

Weitere Informationen