05.05.2015

Müntefering fordert mehr psychologische Hilfen für Senioren


Tagung am 29./30. April 2015 im Haus Villigst zum Thema "Würde, Selbstbestimmung, Sorgekultur - Den gesellschaftlichen Streit um die Sterbehilfe konstruktiv führen"

Schwerte (epd). Bei älteren Menschen wird nach Ansicht des früheren SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering der Bedarf an psychiatrischer Betreuung häufig nicht erkannt. "Mit 80 bekommt man eher eine neue Hüfte eingesetzt als Hilfe für die Seele", sagte Müntefering am Donnerstag in Schwerte auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Villigst. Mit Blick auf die aktuelle Debatte um Sterbehilfe betonte er, oft entspringe der Wunsch zur Selbsttötung nicht unerträglichen Schmerzen sondern Einsamkeit und mangelnder Wertschätzung.

Müntefering sprach sich gegen eine Liberalisierung der Sterbehilfe aus. Der SPD-Politiker, der ehrenamtlicher Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes ist, forderte zudem ein Verbot von Sterbehilfevereinen, die oft kommerziell arbeiteten. Stattdessen sei ein weiterer Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung nötig. Der Bundestag will noch in diesem Jahr eine gesetzliche Neuregelung der Sterbehilfe beschließen.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Kai Gehring sprach sich auf der Tagung zum Thema "Würde, Selbstbestimmung, Sorgekultur" gegen ein Verbot der Sterbehilfevereine aus. Sie könnten gerade für alleinstehende Menschen eine wichtige Hilfestellung sein, sagte Gehring. Allerdings müsse die Beratung ergebnisoffen und nach klaren gesetzlich festgelegten Regeln erfolgen. Vereine dürften mit der Beratung zudem kein Geld verdienen, betonte der Grünen-Politiker.

Gehring sprach sich dafür aus, es bei der bisherigen Straffreiheit der Beihilfe zur Selbsttötung zu belassen. Eine gesetzliche Erlaubnisregelung, die eindeutige Kriterien für die Möglichkeit des assistierten Suizids benennt, lehnte er ab.