21.07.2015

Neue Publikation thematisiert „blinde Flecken“ in der Sterbehilfedebatte


Die Publikation thematisiert die blinden Flecken in der Sterbehilfedebatte

In Politik und Öffentlichkeit wird derzeit kontrovers über Sterbehilfe diskutiert. Bis November will der Bundestag die Beihilfe zur Selbsttötung gesetzlich neu regeln. Ein neues Buch thematisiert die "blinden Flecken" in der Sterbehilfedebatte. Die Publikation ist eine Kooperation zwischen der Diakonie Deutschland, den Evangelischen Akademien in Deutschland (EAD) und der Evangelischen Akademie Villigst.

Die Diakonie will die Menschen, deren Anliegen und Bedürfnisse in der aktuellen Debatte um die Sterbehilfe bisher zu wenig berücksichtigt werden, stärker in den Mittelpunkt rücken. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie ist Mitherausgeber einer neuen Publikation, die die "blinden Flecken" in der Sterbehilfedebatte thematisiert. "Sehr alte pflegebedürftige Menschen, Menschen mit einer Behinderung oder Demenz können meist nicht autonom über ihr Lebensende entscheiden", sagt Lilie anlässlich der Buchvorstellung "Würde, Selbstbestimmung, Sorgekultur. Blinde Flecken in der Sterbehilfedebatte". Ihre Lebenssituationen seien von gesunden Menschen oft nur sehr schwer nachzuvollziehen und einzuschätzen. "Aber gerade diese Menschen dürfen wir in der Sterbehilfedebatte nicht vergessen", sagt der Diakonie-Präsident.

Die Beiträge des Buches dokumentieren, so Edith Droste von der Evangelischen Akademie Villigst, dass der Wunsch nach Suizidbeihilfe von den genannten Gruppen selbst so gut wie nie geäußert wird. Erfahrungen aus der Begleitung zeigen, dass demenziell Erkrankte, Kinder, Menschen mit Behinderung Freude und Lebensqualität erleben.  

Es sei daher wichtig, die Ursachen dafür zu beheben, dass Menschen sich Beihilfe zum Suizid wünschen. "Eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD zeigt, dass die Menschen vor allem Angst haben vor einem langen, qualvollen und schmerzhaften Sterben. Wir müssen dafür sorgen, dass jeder Mensch sicher sein kann, in der Sterbephase gut versorgt zu werden", betont Lilie. Die Diakonie setze sich deshalb dafür ein, die palliative Versorgung sehr alter und sterbender Menschen umfangreich zu verbessern. "Und zwar nicht nur in spezialisierten Einrichtungen wie Hospizen und Palliativstationen, sondern vor allem auch in Pflegeheimen",  bekräftigt Lilie. Er gehe allerdings davon aus, dass dafür mindestens 400 Millionen Euro mehr notwendig sind, als die Bundesregierung derzeit investieren will.

Das Buch "Würde, Selbstbestimmung, Sorgekultur - Blinde Flecken in der Sterbehilfedebatte"  beantwortet Fragen nach dem ärztlichen Selbstverständnis und der Veränderung ethischer und gesellschaftlicher Normen. Es gibt einen Überblick über die internationale Rechtslage. Autoren sind unter anderem der ehemalige Parteivorsitzende der SPD, Franz Müntefering, die ehemalige Bundesjustizministerin, Herta Däubler-Gmelin, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Lukas Radbruch, der Mitinitiator der Reformbewegung in der Psychiatrie, Klaus Dörner, Diakonie-Präsident Ulrich Lilie und der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

 

Buchbestellung über die Internetseite des Verlags www.hospiz-verlag.de oder unter Telefon (+49) 07154/ 13 27 37.

Die Ergebnisse der bundesweiten Studie "Die Angst vorm Sterben" des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD gibt es unter www.ekd.de/si/27949.html

 

Ein Interview mit Diakonie-Präsident Ulrich Lilie zum Thema finden Sie unter www.diakonie.de/nachgefragt-blinde-flecken-in-der-sterbehilfedebatte-16365.html

 

Zur Stellungnahme der Diakonie zum assistierten Suizid geht es hier:

www.diakonie.de/grenzen-des-helfens-oder-hilfe-an-der-grenze-15702.html

 

Das Statement von Edith Droste, Ev. Akademie Villigst ist <media 5520>hier </media>nachzulesen.

 

Diakonie Deutschland/IKG