20.12.2017

Newsletter Dezember 2017


Foto: Gudrun, Fotolia.com

"Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes".
Lukas 1,78.79
Monatsspruch Dezember 2017

Advent - Ankunft Gottes in unserer Wirklichkeit:
Vor 2000 Jahren trat ein Mensch an die Öffentlichkeit, der predigte wie schon vorher Johannes: Kehrt um, denn das Himmelreich ist nah herbeigekommen. Aber - und das ist der Unterschied, nun beginnen die verkrusteten Verhältnisse zu zerbröseln. Das gesellschaftlich Zementierte, das angeblich Gottgegebene, das "oben" und "unten", die Zweiteilung der Welt in Mächtige und Ohnmächtige, all dies wankt.

Johannes, der von Herodes vermutlich wegen Aufruhrs ins Gefängnis geworfen wurde, lässt aus dem Kerker Jesus fragen: Bist du es, der da kommen soll oder sollen wir auf einen anderen warten?!

Jesus sagt nun nicht einfach "Ja, Johannes, ich bin es! Ihr braucht nicht mehr länger zu suchen!"

Jesus antwortet stattdessen indirekt und dennoch nicht ausweichend. Er beschreibt die Folgen seines Kommens. Er beschreibt eine radikal sich verändernde Wirklichkeit. "Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet." Die, die im Schatten standen, treten ins Licht. Das, was bisher schicksalhaft und festgefügt erschien: Es drehte sich. Ein für alle mal. All das passiert, weil Gott nah ist. Weil er angekommen ist in unserer Welt, beginnen die Verhältnisse "zu tanzen".

Advent, das ist daher für mich nicht nur eine Erinnerung an unerhörte galiläische Begebenheiten vor langer Zeit. Advent, das ist für mich vor allem eine "Erinnerung an die Zukunft", an das was noch aussteht, wenn Gott auf uns zukommt, wenn Gott bei uns ankommt.

Diese "Erinnerung an die Zukunft" hält meinen Widerspruchsgeist wach gegen all das, was unsere Welt nicht erst seit heute verdunkelt. Gottes "aufgehendes Licht" - so beschreibt es Lukas in der Monatslosung - vertreibt die Finsternis der Ohnmächtigen, Armen, Hungernden, Bürgerkriegsvertriebenen. Das Kommen Gottes rückt die im Dunkeln ins rechte Licht und hilft auch uns, klarer zu sehen, zu urteilen und zu handeln.

Es wird uns nicht gelingen, die Welt in Gottes Reich zu verwandeln und Schmerz, Leid und Tod vollkommen zu überwinden. Aber unsere Welt wird ein wohnlicheres Haus, wenn wir uns von der Nähe Gottes, von seinem aufgehenden Licht, von seinem Reich mitten unter uns ermutigen lassen, das uns gegebene dafür zu tun, dass Schmerz, Leid und Tod ein Ende finden.

Ein Text von Oscar Arnulfo Romero drückt für mich wie kaum ein anderer Text diese adventliche Erinnerung an das Reich Gottes und die daraus erwachsene Zuversicht aus:

Wir vollbringen in unserer Lebenszeit
lediglich einen winzigen Bruchteil
jenes großartigen Unternehmens,
das Gottes Werk ist.
Wir können nicht alles tun.
Es ist ein befreiendes Gefühl,
wenn uns dies zu Bewusstsein kommt.
Es macht uns fähig, etwas zu tun
und es sehr gut zu tun.
Es mag unvollkommen sein,
aber es ist ein Beginn,
ein Schritt auf dem Weg,
eine Gelegenheit für Gottes Gnade,
ins Spiel zu kommen und den Rest zu tun.

Im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft wünsche ich Ihnen eine besinnliche und gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Start in das Jahr 2018.

Klaus Breyer


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