20.10.2017

Newsletter Oktober 2017


Foto: Blende11.Photo, Fotolia.de

Das Ergebnis der Bundestagswahl zeigt, was viele befürchtet haben. Zum ersten Mal seit über 60 Jahren sitzt eine Partei im deutschen Parlament, die mehr oder minder offen rassistisches und rechtsextremes Gedankengut verbreitet. Es ist zu befürchten, dass die AfD auch auf bundespolitischer Bühne versuchen wird, ein Klima der Diskriminierung und Ausgrenzung in unsere Gesellschaft zu tragen: mit kalkulierten Tabubrüchen und dem Überschreiten roter Linien.
Die Partei in ihrem Tun zu ignorieren, wäre ein großer Fehler. Alle Versuche unsere demokratische Kultur zu untergraben, müssen unterbunden werden. Helfen kann hier nur der klare, sachliche Widerspruch. Als Institut für Kirche und Gesellschaft werden wir unmissverständlich deutlich machen: Rassismus, Antisemitismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sind in keiner Weise mit unserer Demokratie und unserem Glauben vereinbar.
Das Wahlergebnis hat auch gezeigt, wie dringlich die Selbstreflexion aller demokratischen Parteien ist. Wir brauchen angesichts der großen Herausforderungen, die zu bewältigen sind, eine sachliche und gleichzeitig profilierte Auseinandersetzung über den zukünftigen Kurs unserer Gesellschaft. Dazu gehört, den Menschen, die unter den Auswirkungen der sozialen Spaltung leiden und sich um ihre Zukunft sorgen, zuzuhören und sie – wo immer möglich - an der Entwicklung und Umsetzung von Lösungsstrategien zu beteiligen. Dazu gehören Anstrengungen zur Integration aller Benachteiligten - Schutzsuchenden wie Hiesigen-, ein Bildungssystem, das jeder und jedem gleiche Chancen eröffnet, eine gerechte Steuerpolitik, neue Arbeits- und Beschäftigungsmodelle sowie das Bemühen um eine nachhaltige, dem Leben dienende Entwicklung, weltweit, zum Beispiel durch eine klimagerechte Energiepolitik.
Wir brauchen an vielen Orten und allen politischen Ebenen „Freiräume“, in denen Menschen ermutigt werden, offen über ihre Ängste und Zukunftssorgen zu reden. Wir brauchen Räume, in denen Probleme sachlich aus unterschiedlichen Perspektiven und Interessenzusammenhängen analysiert werden und in denen konstruktiv mit Entscheidungsträgerinnen und -trägern um Strategien gestritten und nach demokratischen und im Wortsinne „nachhaltigen“ Lösungen gesucht wird. Hier sehe ich unter anderem eine wichtige Aufgabe von Kirchengemeinden im Quartier, von Evangelischen Akademien oder auch kirchlichen Projekten, die beispielsweise eine partizipative Entwicklung eines benachteiligten Stadtteils zum Ziel haben.
Anknüpfen können wir an das vielfältige kirchliche Engagement gegen soziale Spaltung und Ausgrenzung etwa in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit sowie der Quartiers- und Gemeinwesenarbeit. Die Botschaft des Evangeliums von der von Gott  geschenkten Versöhnung ist eminent politisch. Sie ruft alle Menschen auf den Weg der Friedens und der Versöhnung. Sie nimmt uns in die (Mit-)verantwortung für die politische Kultur unseres Landes und für die menschenwürdige Gestaltung unseres Gemeinwesens. Mit Tagungen und Projekten wollen wir unseren Beitrag dazu leisten. Daran mitzuwirken lade ich Sie herzlich ein.

Ihr Klaus Breyer
Institutsleiter

Hier zum Nachlesen: Newsletter Oktober 2017