28.06.2013

Politisches Nachtgebet


Die ersten politischen Nachtgebete fanden in Köln Ende der 60er Jahre im Rahmen eines Katholikentags statt - ein wichtiger Anlass war der Vietnamkrieg. Ein ökumenischer Arbeitskreis, in dem u. a. Heinrich Böll und Dorothee Sölle mitarbeiteten, wollte einen politischen Gottesdienst feiern, der auf 23 Uhr angesetzt wurde. Dies war der Ursprung des Namens. Für Dorothee Sölle ging es um die politische Information, ihre Konfrontation mit biblischen Texten, Aufrufe zur Aktion und die Diskussion mit der Gemeinde. Dahinter stand ihre Überzeugung, dass theologisches Nachdenken ohne politische Konsequenzen immer einer Heuchelei gleichkomme und jeder politische Satz auch immer ein politischer sein müsse.
Ihr Versuch, eine neue Sprache für den Glauben zu finden, wird durch ihr Glaubensbekenntnis anlässlich des ersten politischen Nachtgebetes am 1. Oktober 1968 in der Evangelischen Antoniterkirche in Köln deutlich:
"Ich glaube an Gott, der die Welt nicht fertig geschaffen hat wie ein Ding, das immer so bleiben muss, der nicht nach ewigen Gesetzen regiert, die unabänderlich gelten: von Armen und Reichen, Sachverständigen und Uninformierten, Herrschenden und Ausgelieferten. Ich glaube an Gott, der den Widerspruch des Lebendigen will."
Die Suche nach einer angemessenen Sprache über Gott zu reden, bleibt als Herausforderung bestehen. Auch deshalb haben sich in verschiedenen Städten die Politischen Nachtgebete etabliert.

Der ökumenische Arbeitskreis Bochum-Gelsenkirchen lädt zum nächsten Politischen Nachtgebet am Mittwoch, dem 3. Juli 2013 um 19.00 Uhr in die Apostelkirche, Horsterstraße 35, 45897 Gelsenkirchen ein.