29.02.2012

Preiswürdige „Mission: Klima retten!“


Foto der Auszeichnungsveranstaltung neuer Offizieller Projekte der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ im Rahmen des Internationalen Workshops in Bonn am 27. Februar 2012; hier: "Mission: Klima retten! Powered by heaven"

Von Katrin Nordwald, epd

Dortmund/Bonn. Der 25-jährige Thomas aus Sambia wirbt für Strom aus Sonnenenergie mit einer selbst gebauten Solardusche. Die Italienerinnen Sophia und Sarah, 20 und 21 Jahre alt, rufen mit der 17-jährigen Svenja aus Deutschland in ihrem zusammen komponierten Song „Our World“ zum Umdenken auf. Und der 18-jährige Connor aus Irland kritisiert in seiner Collage aus Werbeanzeigen den hohen Fleischkonsum in westlichen Ländern. Sie alle kommen mit ihren Botschaften in einer multimedialen Wanderausstellung der Evangelischen Kirche von Westfalen zum Klimaschutz zu Wort.
Die Ausstellung ist Mittelpunkt der Kampagne „Mission: Klima retten! Powered by heaven“, die im September 2011 in Dortmund gestartet war. Die Deutsche UNESCOKommission zeichnete die Kampagne am Montagabend in Bonn im Rahmen der UNDekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ aus. Die Auszeichnung erhalten Initiativen, die das Anliegen der weltweiten Bildungsoffensive der Vereinten Nationen vorbildlich umsetzen. Das Projekt vermittele verständlich, wie Menschen nachhaltig handelten, heißt es in der Urteilsbegründung der Jury.
Die westfälische Kirche engagiere sich auf vielfältige Weise für den Klimaschutz, sagte der Umweltbeauftragte der westfälischen Kirche und Initiator der Kampagne, Pfarrer Klaus Breyer. Mit dem 2003 gestarteten landeskirchlichen Umweltmanagementsystem „Grüner Hahn“, das auf einen sparsamen Wasser- und Energieverbrauch sowie weniger Müllverbrauch in kirchlichen Einrichtungen setzt, und dem ökofairen Projekt „Zukunft einkaufen“ trügen bereits über 120 Gemeinden und kirchliche Einrichtungen in Westfalen aktiv zur „Energiewende im Kleinen“ bei. Die Kampagne „Mission: Klima retten!“ schlage nun den Bogen zur kirchlichen Jugendarbeit.
„Es ist uns ein besonderes Anliegen, beim Thema Klimagerechtigkeit die Jugend und künftige Generationen im Blick zu haben“, betont der Leiter des Schwerter Instituts für Kirche und Gesellschaft (IKG) der westfälischen Kirche. Dabei sollten keine festen Vorgaben gemacht werden, sagt Projektleiterin Ann-Katrin Becker vom Institut. Vielmehr würden mit den Jugendlichen zusammen konkrete Strategien erarbeitet und ausprobiert, wie sie sich in der Familie, Schule, Sportverein oder in ihrer Kirchengemeinde für den Klimaschutz einsetzen können.
Träger der Kampagne sind das IKG, die Jugendarbeit und das Amt für Weltverantwortung (MÖWe) der westfälischen Kirche sowie der internationale Kirchenbund Vereinte Evangelische Mission (VEM). Gefördert wird die Kampagne von der Stiftung Umwelt und dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED). Die bei einem Klimacamp entstandene Wanderausstellung, die in diesem Jahr unter anderem in Hamm, Münster und Bielefeld Station macht, ist interaktiv angelegt. An den jeweiligen Standorten solle die Schau um weitere Beiträge von Jugendlichen erweitert werden, sagte Becker. „Sie orientiert sich dabei an ihrer Lebenswelt mit Videos, Musik und Flashmob-Aktionen zu den Themen Ernährung, Mobilität und Energie.“ Die Ideen reichten von Veggie-Kochkursen, Verzicht aufs Auto oder die Einschränkung des allgemeinen Konsums bis hin zum Bau von Solaranlagen auf den Dächern von Kirchengebäuden.
Als Appell zu mehr Klimaschutz haben etwa im November rund 300 junge Menschen auf einer Brachfläche der Zeche Hugo in Gelsenkirchen mehrere hundert Bäume gepflanzt. Im Februar fand die 1. Jugend-Klima-Nacht in Dortmund mit Mitmach-Aktionen, Kino und Musik statt. Noch bis 25. März ist in der Dortmunder Jugendkirche „Join us“ die interaktive Ausstellung „EcoCity“ aufgebaut, bei der Früchte der Saison zu einem Kalender zusammengestellt oder klimafreundliche Urlaubskonzepte entwickelt werden können. Für Ende 2012 ist darüber hinaus ein internationaler Klimaaktionstag geplant, bei dem Jugendgruppen in Westfalen, Afrika und Asien mitmachen, kündigte die westfälische Kirche an.
Die Reaktorkatastrophe Fukushima vor einem Jahr habe erneut gezeigt, dass Atomenergie nicht beherrschbar sei, sagt Becker. Aber auch Kohlekraftwerke, die hohe Werte an CO2 in die Luft pusten und damit den Klimawandel weiter verstärken, stellten keine Alternative dar, erklärt die 28-Jährige, die an der Universität Münster Politikwissenschaften mit Schwerpunkt Entwicklungshilfe und Umwelt studiert hat. Dagegen nehme Strom aus Sonne, Wind und Wasser keinen Schaden an der Umwelt.
Der Verbraucher müsse nicht gleich das Leben umkrempeln, sondern könne sich Schritt für Schritt erreichbare Ziele setzen, rät Pfarrer Breyer. „Das Motto lautet hier ’besser, weniger, anders’.“ Das Umstellen auf Öko-Strom etwa sei längst nicht mehr teurer als herkömmlicher Strom. Ungenutzte elektrische Geräte sollten nicht auf Stand-by-Betrieb bleiben. Auch spare es Energie, nach dem Handyaufladen das Netzkabel aus der Steckdose zu ziehen und das Licht in leeren Räumen auszuschalten. Für kurze Wege wie der Sonntagsbrötchen-Kauf reiche das Rad, ein autofreier Ausflugstag für die Familie bringe zudem ein Stück Lebensqualität. Und anstatt nicht mehr getragene Sachen wegzuwerfen, seien Kleidertauschpartys der neueste Trend.

Mehr Informationen zu dem Projekt:
www.poweredbyheaven.de

oder auf der Homepage der Evangelischen Kirche von Westfalen
www.evangelisch-westfalen.de