30.11.2015

Religionen vereint für den Schutz des Klimas


Fast zwei Millionen Menschen haben die Petition nach einem verbindlichen Klimaabkommen unterstützt. Foto: EKvW

Paris. Mit einem starken Zeichen haben Vertreter der Weltreligionen am Samstag (28.11.) vor Beginn des Klimagipfels in Paris den Druck auf die politisch Verantwortlichen erhöht: 1.780.528 Unterschriften für ein verbindliches Klimaabkommen wurden an Christiana Figueres übergeben. Sichtlich gerührt nahm die Leiterin des UN-Klimasekretariates die Petition entgegen. An der Zeremonie war auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) beteiligt: durch ihren Ratsvorsitzenden, den bayerischen Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und seine Stellvertreterin Annette Kurschus.

Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) sagte: „Hier in Paris wird deutlich: Alle stehen zusammen – Nationen, Generationen und erstmals auch die verschiedenen Religionen. Wir wollen in dieser existenziellen Frage dasselbe. Das gibt dem Anliegen eines verbindlichen Klimaabkommens eine neue, kraftvolle Dynamik.“ Außer evangelischen und katholischen Christen waren Muslime, Hindus, Buddhisten, Juden und andere Religionen beteiligt.

Zuvor hatte Annette Kurschus, leitende Theologin der EKvW, in einem Gottesdienst zur Begrüßung der Klimapilger zu grundlegend neuen Denken, Handeln und Wirtschaften aufgerufen: „Es geht um Umkehr.“ Der Klimawandel sei nicht nur ein chemisch-physikalisches oder wirtschaftliches, sondern auch ein zutiefst menschliches und darin ein zutiefst geistliches Problem. Die bewegende Kraft Gottes, auf die Christen vertrauen, mache immer neu lebendig – „zu verrückter Hoffnung und tatkräftigem Vertrauen, zum mutigen Gebet, zu mutigen Taten und langen Wegen“.

Bei einer interreligiösen Feier in der Basilika von St. Denis erklärte Bedford-Strohm vor rund 500 Teilnehmern: „Als Christinnen und Christen erkennen wir die Wunde der Ungerechtigkeit, die in unserem Zusammenleben klafft: Während einige viele Ressourcen unserer Erde verbrauchen, gehen andere leer aus. Wenn wir unser wirtschaftliches Handeln nicht an unseren ökologischen Möglichkeiten ausrichten, werden künftig viele Menschen ihre Heimat verlieren“, so der Ratsvorsitzende. Derzeit seien weltweit 60 Millionen Flüchtlinge auf der Suche nach einer sicheren Unterkunft. „Wenn die Regierungen dieser Erde es versäumen, jetzt die richtigen Entscheidungen zu treffen, werden noch viel mehr als Klima-Flüchtlinge dazukommen. Klima-Politik ist die Flüchtlingspolitik der Zukunft“, sagte Bedford-Strom.

Unter dem Motto „Geht doch!“ hatten die evangelische und die katholische Kirche, Entwicklungsdienste und Naturschutzverbände zum Mitwandern auf den Pilgerweg für Klimagerechtigkeit eingeladen. Der Start war im Juni am Nordkap. Im September und Oktober führte der internationale Pilgerweg durch Deutschland mit dem Ziel der UN-Klimakonferenz in Paris.

Der Weg verband spirituelle Besinnung mit politischem Engagement. Hinzu kamen weitere Aktivitäten aus aller Welt. In Paris vertreten waren Klimaschutzaktivisten aus allen fünf Kontinenten.