03.06.2014

Sterben unsere Dörfer aus?


Bild:© Karin Jähne Landschaft www.fotolia.de

"Die Zukunft der Dörfer kann man in NRW bedenkenlos in 'Dur' und nicht in 'Moll-Tönen' malen", so die Meinung der Tagungsteilnehmer in Haus Villigst.

Der Ausschuss Kirche und Land der Evangelischen Kirche von Westfalen hatte im Mai zum Auftakt einer neuen Schwerpunktreihe nach Haus Villigst eingeladen.


"Das "Leben auf dem Lande" spielt sich in den Ländlichen Räumen in Nordrhein-Westfalen ab. Landwirtschaft, Forstwirtschaft, kleinere Wirtschaftszentren und offene Kulturlandschaften prägen diese Regionen. Sie sind wichtige Lebens-, Kultur- und Wirtschaftsräume. Den dort lebenden Menschen, den Landwirten und ihren Familien ist es wichtig, dass diese Regionen lebenswert bleiben und sich weiter entwickeln. Das gilt auch für die Kirchen: Wir wollen unsere Kirchen nicht nur sprichwörtlich in den Dörfern lassen, sondern uns aktiv an der Gestaltung der Ländlichen Räume beteiligen. ..." - Auszug aus dem Positionspapier

Bisher haben die Ländlichen Räume in NRW die wirtschaftliche Krise gut überstanden - die Unternehmen prosperieren, die Arbeitsplatzzahlen entwickeln sich positiv. Natürlich fordern der demografische Wandel und die Sicherstellung der Lebensqualität entschlossenes politisches Handeln. Die Dörfer und die Regionen in NRW sind allerdings unterschiedlich und brauchen differenzierte Strategien, so Minister Johannes Remmel.

Menschen, die sich ehrenamtlich für ihr Dorf in Projekten und Initiativen gemeinsam mit anderen engagieren, sind essentiell für die Zukunft ihrer Dörfer. Sie sind die Motoren, die die Dinge ans Laufen bringen. Vereine sind oft gute und verlässliche Bündnispartner. Landfrauen und die Gruppe der über 60jährigen sind besonders engagiert. Sie haben Zeit, Kompetenz und Interesse, sich für ihre Dörfer zu engagieren. Ein ausreichendes Angebot an Schulen, die entsprechende Gesundheitsversorgung, der öffentliche Nahverkehr, die Versorgung mit Lebensmitteln vor Ort - diese Grundelemente der Daseinsvorsorge gilt es sicher zu stellen.

Was kann die Politik tun? Zum einen durch Förderprogramme die ehrenamtliche Arbeit unterstützen. Und zum anderen Freiräume vor Ort schaffen, um dezentrale, flexible Lösungen für die Dörfer zu ermöglichen. Das hieße auch, Verordnungen und Richtlinien auf die zentralen Kerne zu reduzieren. Das Durchforsten von Bürokratie wäre eine Aufgabe für Politik und Verwaltung. Neue Wege gehen und neue Optionen schaffen, um zukünftig das Leben und Überleben der Dörfer zu unterstützen.

Knapp 100 Interessierte aus Politik und (Land-)Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft waren dazu nach Villigst gekommen - darunter, als Podiumsgäste Johannes Remmel (Umweltminister Minister NRW), Albert Henz (Vizepräses der EKvW), Henner Braach (Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes), Andreas Pletzinger (Bezirksregierung Arnsberg) und Manuel Slupina (Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung).

Das vom Ausschuss "Kirche und Land" verabschiedete Positionspapier "Sterben unsere Dörfer aus? Ländliche Räume als Lebensräume stärken" setzt sich für eine aktive Gestaltung der ländlichen Räume ein. Es ermutigt Menschen und Gruppen im ländlichen Raum, sich gemeinsam für eine tragfähige und nachhaltige Zukunft ihrer Dörfer und Regionen zu engagieren. Eine aktuelle Situationsanalyse sowie der Appell für gleichwertige Lebensverhältnisse in der Stadt und auf dem Land runden den Text ab.

Der Ausschuss Kirche und Land der Evangelischen Kirche von Westfalen wird die Dialogreihe zu anderen strittigen Themen weiter führen.

Das Positionspapier finden Sie hier.