19.09.2018

Stopp der Bagger vor dem Hambacher Wald - ein Moratorium


Tausende von Menschen haben am  Wochenende gegen die drohende Rodung des Hambacher Waldes demonstriert. Der immer breiter werdende Widerstand kommt aus der Mitte unserer Gesellschaft. Darunter sind viele Engagierte aus den Kirchen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass noch in der „Schlusskurve der Braunkohle“ Dörfer aufgegeben und Menschen umgesiedelt werden, dass kostbare Natur sozusagen „auf den letzten Metern“ unwiederbringlich zerstört wird. Hier sollen Fakten geschaffen werden, ohne dass Klarheit herrscht, ob die unter den Flächen liegende Braunkohle überhaupt noch gebraucht wird.

Es ist richtig: Für die Rodung des Waldes gibt es eine Rechtsgrundlage. Eine Rechtsgrundlage, die sich jedoch auf Planungen stützt weit vor dem Pariser Abkommen, weit vor der Festlegung der deutschen Klimaschutzziele 2030, aus einer Zeit, in der unser Wissen über die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels weltweit noch nicht so detailliert waren.

Die Menschen in den Braunkohlerevieren wissen längst, dass die Zeit der Kohle zu Ende geht. Mehr noch! Je länger sich jetzt der Beginn des Strukturwandels verzögert, umso größer wird die Gefahr, dass es in den Revieren zu massiven sozialen und wirtschaftlichen Brüchen kommt. Die existenziell Betroffenen erwarten zu Recht nun Klarheit über ihre Zukunft und die volle politische und gesellschaftliche Unterstützung. Keiner darf zurückgelassen werden. Das gilt auch für die Menschen, die heute noch von Umsiedlung bedroht sind und in großer Sorge leben, Heimat und Natur (wie zum Beispiel den Restbestand des Hambacher Waldes) zu verlieren.

Als Kirchen treten wir mit vielen anderen dafür ein: Ein Moratorium, ein Stopp der Bagger vor dem Hambacher Wald, ist jetzt notwendig bis der Fahrplan für einen sozialverträglichen Kohleausstieg steht. Die wichtige Arbeit der sogenannten Kohlekommission darf nicht gefährdet werden. Alle Betroffenen brauchen konkrete Perspektiven und Planungssicherheit für ihre Zukunft. Und der Hambacher Wald? Könnte er nicht im Lichte neuer Planungen erhalten bleiben! Das wäre ein starkes Signal der Bewahrung der Schöpfung und des sozialen Friedens!
(www.klima-allianz.de)

Klaus Breyer

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