02.11.2015

UN-Klimakonferenz – Halbzeit auf dem Weg nach Paris


Hochrangige Vertreter aus Politik und Ökumene diskutierten über die Folgen des Klimawandels und die Forderungen an die politischen Entscheidungsträger in Paris Foto: VEM

Präses Annette Kurschus: „Wir Christen wissen: Wir sind nicht die Herren des Lebens und die Meister der Zukunft." Foto: VEM

WUPPERTAL/PARIS - Am Samstagmittag um 14 Uhr trafen sie ein. Begleitet von Transparenten und Bannern marschierten die Pilgerinnen und Pilger, denen sich unterwegs viele Wuppertaler Bürgerinnen und Bürger angeschlossen hatte, auf das freie Gelände vor der Wichernkapelle an der Nordbahntrasse im Wuppertaler Stadtteil Wichlinghausen.

Neben Vertretern von Kommunen, Kirchen und Missionswerken hatte sich auch Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks am frühen Morgen in Gevelsberg dem Zug angeschlossen. Sie zeigte sich im Bezug auf die Verhandlungen von Paris zuversichtlich: "Es gibt Gründe, warum ich an ein tragfähiges Abkommen glaube: Dieses Mal sind China und die USA dabei, die die letzten Verhandlungen noch torpediert haben. Die Bundesrepublik hat zugesagt, ab 2020 4 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt und 6 Milliarden Euro auf privaten Mitteln zur Verfügung zu stellen und wir haben jetzt marktgängige und preiswerte erneuerbare Energien zur Verfügung."  Zuvor hatte Pastor Gomar Gultom, Generalsekretär des Indonesischen Kirchenrats, eindrücklich geschildert, welche Auswirkungen des Klimawandels bereits jetzt in seinem Land zu beobachten sind: Meerwasser dringt ins Grundwasser ein, zunehmende Überschwemmungen, unsichere Anbau- und Erntezeiten. "Wir stehen kurz vor einer Umwelt-Apokalypse."

Eingeladen auf den Pilgerweg hatte im Vorfeld der UN-Klimakonferenz vom 30. November bis 11. Dezember in Paris ein breites Bündnis aus Landeskirchen, Diözesen, christlichen Entwicklungsdiensten, Missionswerken und Jugend-Verbänden. Eine kleine Gruppe von Pilgerinnen und Pilgern wollen den gesamten Weg von Flensburg nach Paris wandern. Unterwegs schließen sich dieser Gruppe Tagespilgerinnen und -pilger an.

Kurschus: Sind nicht die Herren des Lebens und die Meister der Zukunft

Der Sonntag begann mit einem Pilgergottesdienst in der Unterbarmer Hauptkirche, gefolgt von einem Bergfest auf dem heiligen Berg in der Parkanlage auf der Hardt. Auf einem "Markt der Möglichkeiten" präsentierten Adveniat, Misereor und andere kirchliche Gruppierungen ihre Arbeit. Daneben diskutierten hochrangige Vertreter aus Politik und Ökumene über die Folgen des Klimawandels und die Forderungen an die politischen Entscheidungsträger in Paris: Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Monsignore Pirmin Spiegel von Misereor, NRW-Umweltminister Johannes Remmel, Dr. Uwe Schneidewind vom Wuppertal-Institut, Dr. Christiane Averbeck von der Klimaallianz sowie Ingrid Gabriela Hoven vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Weitgehend einig waren sich die Vertreter von Kirchen und Politik sowohl bezüglich der aktuellen Lage als auch bezüglich der Forderung, dass der Pariser Klimagipfel zu einem "fairen, rechtlich verbindlichen und ambitionierten" Abkommen führen müsse. Gefragt nach der speziellen Rolle der Kirchen im Kampf gegen den Klimawandel erklärte Guillermo Kerber vom Ökumenischen Rat der Kirchen: "Beten und feiern, der Welt ins Gewissen reden, die Menschen mobilisieren und sich für eine gerechtere, die Natur schützende Welt einsetzen." Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, appellierte eindringlich: "Wir Christen wissen: Wir sind nicht die Herren des Lebens und die Meister der Zukunft. Das ist eine starke Motivation, die wir unbedingt einbringen müssen."

Dr. Jochen Motte, Leiter der Abteilung Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung der Vereinten Evangelischen Mission, lobte das Engagement der Pilgerinnen und Pilger. "Ich finde es großartig, dass der Pilgerzug zur Halbzeit bei uns Station gemacht hat. Mit jedem Schritt auf dem Weg nach Paris machen diese Menschen deutlich: Jeder kann etwas beitragen und jeder ist mit verantwortlich. Das gilt natürlich auch für uns bei der VEM. Wir haben damit begonnen, unser Missionshaus energetisch zu sanieren. Wir fahren im Wuppertaler Stadtgebiet ein E-Auto und kompensieren notwendige Flüge im kirchlichen Kompensationsfonds." Und er fügte an: "Die VEM hat schon sehr früh - 2008 - den Klimawandel zu einem Arbeitsschwerpunkt gemacht. Damals war das Thema bei unseren afrikanischen und asiatischen Partnerkirchen überhaupt noch nicht auf der Agenda. Seitdem hat sich sehr viel getan. Unsere Partnerkirchen im Süden investieren in alternative Energien, in Aufforstungsprogramme und sie versuchen, ihre Regierungen ins Boot zu holen. Tatsächlich müssen wir im Vorfeld von Paris alle Ressourcen - lokal und global - nutzen, damit der Durchbruch gelingt."

 

Hier geht es zum Positionspapier der Evangelischen Kirche in Deutschland "Die Welt macht sich auf den Weg nach Paris. Klimagerechtigkeit jetzt"