08.07.2015

Von Fremden zu Mitbürgern


Gesangsverein Melodie

Mit einem feierlichen Gottesdienst, einer eindrücklichen Ausstellungseröffnung und einem festlichen Abend mit "Worten, Tönen und Bildern" ist im Institut für Kirche und Gesellschaft des 25jährigen Bestehens der Aussiedlerbeauftragung der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) gedacht worden.

In seiner Predigt sagte der Beauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für die Fragen der Spätaussiedler und Vertriebenen, Kirchenpräsident i.R. Helge Klassohn: "Ging es zunächst viele Jahre um fürsorgerische Hilfen zur Integration in die deutsche Gesellschaft, in Kirche, Kultur und Arbeitswelt, so geht es heute mehr und mehr um die Unterstützung eines partnerschaftlichen Miteinanders von Deutschen aus Russland mit den 'Deutschen aus Deutschland'."

Nach wie vor gehe es, so Klassohn, "der kirchlichen Aussiedlerseelsorge auch darum, in der deutschen Öffentlichkeit ein respektvolles und wertschätzendes Verständnis für das Schicksal und die Kultur der Deutschen aus Russland, als einer der vielen deutschen regionalen Kulturen, zu wecken und zu fördern." Als ein gutes Beispiel dafür nannte Klassohn die in der westfälischen Aussiedlerarbeit entwickelte Ausstellung und Aktivierungsmethode "Das Russlands-Deutsche Haus", die über viele Jahre - zuletzt auf dem Evangelischen Kirchentag in Stuttgart - eingesetzt worden ist.

Dass Aussiedlerarbeit auch nach 25 Jahren weiterhin nötig ist, hob auch der Staatssekretär für Integration im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW, Thorsten Klute, in seiner Festrede hervor: "Auch wenn es um die Aussiedlerarbeit ruhiger geworden ist, weil viele 'Aufregerthemen' aus den Medien verschwunden sind, so bleibt doch noch eine Menge zu tun."

Staatssekretär Klute nannte vor allem die nachholende politische Bildung, die die gerechte Teilhabe von Spätausgesiedelten an Gesellschaft und Kirche fördern kann. Dabei gehe es nicht ohne die Kooperationspartner wie den Landesbeirat für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen, aber auch das Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold und nicht zuletzt die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, mit denen die Aussiedlerarbeit der EKvW vertrauensvoll zusammenarbeitet.

Aussiedlerarbeit sei aber auch ein interkulturelles Lernfeld: "Spätausgesiedelte sind in vielerlei Hinsicht 'Brückenmenschen', deren Brückenfunktion zwischen den Kulturen in den Aufnahme- und den Herkunftsländern längst von der Industrie entdeckt worden ist", so Klute.

Auf wichtige gemeinsame Aufgaben der Aussiedlerseelsorge wies Monsignore Dr.
Alexander Hoffmann, verantwortlich für die katholische Aussiedlerpastoral bei der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz, hin: "Wichtig bleibt die seelsorgerliche Aufarbeitung der Traumata, denen Spätausgesiedelte als bedrängte Minderheit oftmals in ihrem Herkunftsland ausgesetzt gewesen sind." Auch auf das Miteinander der verschiedenen Generationen der Spätausgesiedelten sei zu achten: "Die Erinnerungen, die Hoffnungen, die Erfahrungen sind nicht in allen Generationen gleich und müssen zur Sprache gebracht werden."

Einen besonderen Gruß überbrachte der Vorsitzende des Landesverbandes NRW der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Alexander Kühl, mit einem kurzweiligen Film, in dem er den Aussiedlerbeauftragten Pfarrer Edgar Born portraitierte.

Musikalisch wurde der festliche Abend vom russlanddeutschen Gesangverein Melodie aus Hamm mitgestaltet. Die Darbietungen fanden genauso guten Anklang, wie die Ausstellung des russlanddeutschen Fotografen Eugen Litwinow, die im Haus Villigst zurzeit zu sehen ist.

Institutsleiter Klaus Breyer konnte am Ende des Abends feststellen: "Diese Feierstunde zeigt eindrücklich, welchen Stellenwert die Aussiedlerarbeit einnimmt. Es ist schön zu sehen, wie viele Kooperationen in den vergangenen 25 Jahren mit Vertretern und Entscheidungsträgern aus Kirche, Politik und Gesellschaft gewachsen sind. Die Aussiedlerarbeit wird auch in Zukunft nicht minder wichtige Aufgaben haben, davon bin ich überzeugt. Die Impulse, die Edgar Born mit seiner Arbeit setzt, sind ein großer Gewinn für unser Institut."