27.11.2015

Vor der Weltklimakonferenz: Präses Kurschus ruft zu neuem Denken auf


Foto: EKvW

Westfalen/Paris. Präses Annette Kurschus hat vor Beginn der UN-Klimakonferenz zu einem grundlegend neuen Denken, Handeln und Wirtschaften aufgerufen. „Es geht um Umkehr“, sagte die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen am Freitag (27.11.) in einem ökumenischen Gottesdienst in Paris. Kurschus, die auch stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, begrüßte Klimapilger und Aktivisten aus aller Welt.

Der Klimawandel sei nicht nur ein chemisch-physikalisches oder wirtschaftliches Problem, sondern auch „ein zutiefst menschliches und darin ein zutiefst geistliches Problem“. Zu der Gewissheit, dass menschliche Fähigkeiten fatale Folgen haben können, komme die „Beinahe-Gewissheit, dass wir unfähig sind, daran etwas zu ändern“. Gier, Bequemlichkeit, Eigeninteresse, schwache Willenskraft und lähmende Angst vor Veränderung hätten bisher ein Umsteuern verhindert. Doch die bewegende Kraft Gottes, auf die Christen vertrauen, mache immer neu lebendig – „zu verrückter Hoffnung und tatkräftigem Vertrauen, zum mutigen Gebet, zu mutigen Taten und langen Wegen“.

Den mehreren hundert Pilgerinnen und Pilgern und Aktivisten rief Präses Kurschus zu: „Welch ein Segen, dass Sie jetzt hier sind!“ Sie ermutigte sie, „allen Unverantwortlichen und Schwarzmalern und Angstmachern zum Trotz“, auf diesem Weg zu bleiben – im Handeln und im Beten. 

Unter dem Motto „Geht doch!“ hatten die evangelische und die katholische Kirche, Entwicklungsdienste und Naturschutzverbände zum Mitwandern auf den Pilgerweg für Klimagerechtigkeit eingeladen. Der Start war im Juni am Nordkap. Im September und Oktober führte der internationale Pilgerweg durch Deutschland mit dem Ziel der UN-Klimakonferenz in Paris.

Der Weg verband spirituelle Besinnung mit politischem Engagement. Hinzu kamen weitere Aktivitäten von christlichen Kirchen und anderen Religionen aus aller Welt. 

Die evangelische und die katholische Kirche in Deutschland appellieren an die Verantwortlichen, auf der UN-Klimakonferenz ab 30. November eine völkerrechtlich bindende Begrenzung der Erderwärmung zu verankern und den Übergang von fossilen zu erneuerbaren Energien voranzutreiben. Dabei betonen sie die Aufnahme eines Korrektur- und Justierungsmechanismus, um die nationalen Klimaschutzzusagen zu überprüfen und notwendige und ambitionierte Nachbesserungen einzufordern.