14.12.2011

Weltklimagipfel in Durban


Nach langem und heftigem Ringen haben sich die Teilnehmer der Weltklimakonferenz in Durban schließlich doch noch geeinigt. Der Bundesumweltminister spricht gar von einem „Quantensprung“ für den Klimaschutz. Sind Sie auch so euphorisch?

Klaus Breyer: Absolut nicht! Aber es hätte schlimmer kommen können. Vor Durban war es nicht unwahrscheinlich, dass das einzig völkerrechtlich verbindliche Klimaabkommen  – das Kyoto Protokoll – ohne eine zweite Verpflichtungsperiode auslaufen würde. Es hätte dann überhaupt keine rechtliche Basis auf UN-Ebene mehr gegeben, Maßnahmen zur Erreichung von Klimaschutzzielen zu vereinbaren und zu kontrollieren. Es wird nun eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls geben.  Aber ohne USA, Japan, Kanada und Russland – und auch weiterhin ohne die großen Schwellenländer wie China, Brasilien, Indien. Damit wird nur ein Bruchteil der Hauptemittenten von CO2 erfasst.  85% ! der globalen Klimagasemissionen bleiben ungeregelt.  Immerhin, und das ist wirklich kein Quantensprung, aber ein Schritt in die richtige Richtung soll es ab 2015 ein alle Staaten umfassendes Klimaschutzabkommen geben, das dann 2020 in Kraft treten soll. Unklar ist jedoch welche Rechtsverbindlichkeit dieses Abkommen haben wird.

Was mich allerdings sehr freut ist, das der „Green Climate Fund“, der Maßnahmen für Klima- und Waldschutz, Katastrophenprävention und Klimaanpassung in Entwicklungsländern finanziert, in Durban weiter mit Leben gefüllt werden konnte. Aber die Anpassung an den nicht mehr aufzuhaltenden  Klimawandel ist nur die ein Seite, gleichzeitig muss auch der Klimawandel selbst mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln jetzt und nicht irgendwann begrenzt werden. Mit der in Durban beschlossenen Roadmap wird das kaum möglich sein und auch das sog.  2 Grad – Ziel kaum mehr zu erreichen sein.

Weitere Verhandlungen zur CO2-Reduzierung, das sieht der als „Durban Plattform“ bezeichnete Kompromiss vor, sollen bis 2015 folgen, um erst 2020 rechtsverbindlich in Kraft zu treten. Wird da nicht viel zu viel Zeit verschenkt?

Klaus Breyer: Es ist bedrückend, dass angesichts der Dynamik des Klimawandels, noch so viel Zeit verstreichen wird, bis weltweit verbindliche Reduktionsmaßnahmen greifen werden. Der Klimawandel wird keine Pause einlegen und auch keine Rücksicht nehmen auf nationalstaatliche Egoismen und kurzsichtiges wirtschaftliches Profitstreben. Es gehört wenig Fantasie dazu, sich auszumalen, dass wir bis 2020 dramatisch  steigende Treibhausgasemissionen – wie schon in den letzten Jahren - erleben werden.

Aufgrund der schwierigen und langwierigen Verhandlungswege hat ein Greenpeace-Vertreter in Durban gefordert, diese Art der „Klima-Diplomatie“ grundsätzlich zu überdenken. Aber es gibt doch keine Alternative zu Verhandlungen - oder?

Klaus Breyer: Ich denke wir müssen uns hüten  hier in „Entweder“-„Oder“ Kategorien zu denken. Die UN-Klima-Diplomatie bleibt wichtig, aber daneben ist an multilateralen Abkommen und neuen Allianzen von Ländern so manches möglich und auch notwendig. Es wäre fatal, mit dem Klimaschutz, so lange zu warten, bis ein umfassendes UN-Klimaabkommen endlich von allen Ländern ratifiziert ist. Eine „ehrliche“ Vorreiterrolle Europas und bes. Deutschlands im Klimaschutz zusammen mit den Entwicklungsländern ist nun weltweit von größter Bedeutung. Sie signalisiert: Europa ist als hochentwickelte Region  bereit und in der Lage den fossilen Pfad zu verlassen, seinen Beitrag zur „Klimagerechtigkeit“ zu  leisten und neue zukunftsfähige Entwicklungswege einzuschlagen. Der erfolgreiche Umbau der Energieversorgung in Deutschland, den wir als Kirche nach Kräften unterstützen,  wäre ein entscheidender Impuls für den internationalen Klimaschutz.

In Zeiten der Finanzkrise in Deutschland das Interesse an Klimafragen nicht besonders ausgeprägt. Was kann getan werden, damit jeder einzelne mehr als bisher seinen Beitrag leistet zur Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes?

Klaus Breyer: In diesem Zusammenhang ist mir wichtig, dass sich unsere Kirche ihrer Vorbildwirkung bewusst ist. Dabei ist der Energieverbrauch und das Einkaufsverhalten der Kirche selbst im Fokus, verbunden ist damit immer auch die Frage, wie lebe ich selbst. „Besser“, „anders“, „weniger“, dass sind die Attribute eines zukunftsfähigen Lebensstils, den wir nicht als Verzicht, Verlust oder als ein „Zurück in Steinzeit“ abtun sollten. Die spirituellen und ethischen Wurzeln unseres Glaubens weisen uns schon immer in diese Richtung: Achtsam miteinander und mit der Natur umzugehen. Nicht das letzte herauszuholen und die Verantwortung zu leben, in die Gott uns gestellt hat: diese Erde zu bebauen und zu bewahren.  Diese Botschaft müssen wir den Menschen nahe bringen.