19.09.2014

"Wie ein Phönix aus der Asche"


von links: Hans-Joachim Watzke, Dr. Gerd Bollermann, Dr. Sabine Federmann, Dr. Werner Müller, Egbert Neuhaus, Dr. Axel Kampmann, Albert Henz; Foto: EKvW

von links: Hans-Joachim Watzke, Dr. Gerd Bollermann, Dr. Sabine Federmann, Dr. Werner Müller, Egbert Neuhaus, Dr. Axel Kampmann, Albert Henz; Foto: EKvW

In Deutschland werden die Erfahrungen eines unternehmerischen Misserfolgs für einen Neustart sehr häufig nicht genutzt. Verspielt unser Land - im Gegensatz zu den USA, wo eine "Kultur der zweiten Chance" besteht -mit dieser Mentalität der Risikovermeidung einen wichtigen Teil seiner Innovationskraft? Diese Frage stand im Mittelpunkt der vierten Wertekonferenz, die der Initiativkreis "Mitten in Westfalen" in Zusammenarbeit mit der Akademie für Führung und Verantwortung der Evangelischen Kirche von Westfalen am Donnerstag, 18. September 2014, veranstaltete. Unter dem Motto "Wie ein Phönix aus der Asche" wurde in Haus Villigst in Schwerte über einen erfolgreichen Umgang mit unternehmerischen Misserfolgen diskutiert.
"Jede Krise birgt eine große Chance, man muss nur die Weichen richtigstellen", sagt Hans-Joachim Watzke. Der BVB-Geschäftsführer gehörte dieses Mal zu den Podiumssprechern, die den Teilnehmern Impulse für Tischgespräche gaben. Entscheidend trug er zur wirtschaftlichen Sanierung des 2006 von der Insolvenz bedrohten Bundesligisten bei. Zuvor hatte der gebürtige Sauerländer das von ihm gegründete Unternehmen Watex zu einem bedeutenden Hersteller von Schutzbekleidung entwickelt.
Ebenfalls auf dem Podium sprachen Dr. Werner Müller, Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung, die sich für eine sozialverträgliche Beendigung des subventionierten Steinkohlenbergbaus engagiert, und Insolvenzverwalter Dr. Axel Kampmann. Insolvenzverwalter Kampmann betont: "Wer den Insolvenzantrag zu spät stellt, vergibt die Chance auf einen erfolgreichen Neuanfang."

Es moderierten Dr. Sabine Federmann und Dr. Jürgen Born von der Akademie für Führung und Verantwortung im Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Die Initiative "Mitten in Westfalen" wurde von Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann und dem Vorsitzenden des Unternehmensverbandes Westfalen-Mitte, Egbert Neuhaus, gegründet. Ziel ist es, Südwestfalen als drittstärkste Industrieregion Deutschlands und das östliche Ruhrgebiet mit seiner dynamischen Wissens- und Kulturlandschaft gemeinsam zu stärken. Der Initiativkreis will Menschen, Organisationen und Institutionen aus den unterschiedlichen Bereichen zusammen bringen und mit seinen Aktivitäten, Diskussionen und Veranstaltungen für die Entwicklung der Region positive Impulse setzen. Zu den Mitgliedern gehören prominente Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Kultur und Sport.

Die Wertekonferenz findet zweimal jährlich in Kooperation mit den beiden kirchlichen Akademien in Schwerte statt.
www.mitten-in-westfalen.de

Weitere Stimmen zur vierten Wertekonferenz:
Dr. Gerd Bollermann, Regierungspräsident der Bezirksregierung Arnsberg und einer der Initiatoren von "Mitten in Westfalen":
"Südwestfalen ist eine der wirtschaftlich stärksten Regionen Deutschlands. Gerade in dieser Region eine werteorientierte Diskussion um den Umgang mit Misserfolgen zu führen, halte ich für eine Erfolgsstrategie. Denn nur wer sich aktiv mit dem theoretischen oder auch ganz realen Scheitern auseinandersetzt, macht entscheidende Erfahrungen, um später nachhaltig erfolgreich sein zu können. Die Podiumsgäste der heutigen Wertekonferenz Hans-Joachim Watzke als BVB-Geschäftsführer und Unternehmer, Werner Müller, Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung und der Insolvenzverwalter Dr. Axel Kampmann stehen mit ihren unterschiedlichen beruflichen Tätigkeiten genau für diese Erfahrung: Das Scheitern eröffnet ungeahnte Möglichkeiten und Entwicklungschancen."

Egbert Neuhaus, Vorsitzender des Unternehmensverbandes Westfalen-Mitte und ebenfalls Initiator von "Mitten in Westfalen:
"Unternehmer müssen immer wieder kalkulierbare Risiken eingehen. Dabei besteht sicher auch die Gefahr, dass Rückschläge hingenommen werden müssen. Entscheidend ist in einer solchen Situation, dass man seinen Weg fortsetzt und nicht kapituliert. Schließlich tragen wir Unternehmer auch die Verantwortung für unsere Beschäftigten. Die vielen mittelständischen Unternehmer hier 'Mitten in Westfalen' wissen das und handeln dementsprechend."