28.09.2015

„Wie gewinne ich die junge Generation?“


(v.l.) Dr. Jürgen Born, Dr. Sabine Federmann, Friederike Faß, Albert Henz, Dr. Gerd Bollermann, Egbert Neuhaus, Martin König, Prof. Dr. Rainer Danielzyk

Die Referenten lieferten den Teilnehmern wichtige Impulse für die anschließenden Tischgespräche.

Der Trend der Landflucht ist in Deutschland allgegenwärtig. Vor allem junge Menschen verlassen Regionen wie Südwestfalen, um in Metropolen wie Hamburg, München oder Berlin zu arbeiten. Für Unternehmen heißt es, die eigene Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern. Aber was hält die junge Generation in Brilon, wenn die Hauptstadt winkt?

Diese Frage stand im Mittelpunkt der sechsten Wertekonferenz, die der Initiativkreis „Mitten in Westfalen“ in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Villigst im Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen am Donnerstag, 24. September 2015, veranstaltete.

Unter dem Motto „Brilon statt Berlin: Wie gewinne ich die junge Generation?“ diskutierten auf dem Podium bedeutende Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft. Albert Henz, theologischer Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen, machte darauf aufmerksam, dass die Herausforderungen auch für die Kirchengemeinden in den ländlichen Kirchenkreisen groß sind.  „Unsere Frage ist es, wie wir als Kirche uns aufstellen können, um weiterhin in der Fläche präsent zu sein“. Ein Netzwerk "Kirche im ländlichen Raum" ist bereits gebildet, das dem Austausch ländlich geprägter Gemeinden untereinander dienen sollen.

Doch was können Unternehmen tun, um junge Mitarbeiter zu gewinnen? „Die Situation in Südwestfalen ist paradox: ökonomisch erfolgreich, demografisch hoch problematisch!“, erklärt Prof. Dr. Rainer Danielzyk von der Akademie für Raumforschung und Landesplanung. Martin König, Talent Attraction Manager bei der Infineon Technologies AG, betont: „Die Standortvorteile von kleineren Orten sind erklärungsbedürftig, aber wenn sie treffend erklärt werden, kann man auch wirklich gute Leute für Brilon begeistern." Ein attraktiver Arbeitgeber zeichne sich insbesondere durch eine gute Bezahlung, Arbeitsplätze mit einer sicheren Zukunftsperspektive, flexible Arbeitszeitmodelle und  einem positiven Arbeitsklima aus.

Doch wie tickt die junge Generation eigentlich? Darüber sprach Friederike Faß, Leiterin des Evangelischen Studienwerks Villigst e.V.: „Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben einen klaren Wertebezug. Gerade Familie und Freunde sind ihnen wichtig, und auch persönlicher Glaube und Moral gehören zum eigenen Bezugssystem. Über allem steht jedoch viel stärker, als es noch vor ein paar Jahren der Fall war, eine sehr rationale Denkweise: Was habe ich davon?`, ist die Frage, die heute an vielen Stellen leitend ist“.

Die Referenten lieferten den Teilnehmern wichtige Impulse für die anschließenden Tischgespräche. Für Dr. Gerd Bollermann, Regierungspräsident a.D. der Bezirksregierung Arnsberg und einer der Initiatoren von „Mitten in Westfalen“, hat die Konferenz gezeigt, wie wichtig es ist, sich zukünftig noch stärker um die junge Generation zu kümmern. Zudem sei die Region im Vergleich zu anderen Metropolregionen durchaus attraktiv und brauche ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen.

Die Wertekonferenz findet zweimal jährlich in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Villigst und der Katholischen Akademie Schwerte statt. Die 6. Wertekonferenz moderierten Dr. Sabine Federmann und Dr. Jürgen Born von der Evangelischen Akademie Villigst im Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen.