06.10.2014

Wirtschaftliche Entwicklung im Brennglas der Öffentlichkeit


Wirtschaftskongress NRW

Der wirtschaftliche Strukturwandel, die Energiewende und die Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur - überall in NRW stehen Veränderungen an. Die Erwartung von Bürgerinnen und Bürger, in unternehmerische und politische Entscheidungen eingebunden zu werden, steigt. Wie sich der Dialog von Wirtschaft und Bürgerschaft verbessern lässt, war Thema von rund 250 Fachleuten aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Kirche und Zivilgesellschaft.
Wirtschaftsminister Garrelt Duin rief dazu auf, den Wandel in NRW als Chance für Innovation zu begreifen. „Wie wichtig Industrie für einen sicheren Wirtschaftsstandort und für eine sichere Zukunft ist, das wissen und akzeptieren auch die Bürgerinnen und Bürger – im Prinzip. Da jedoch konkrete Infrastruktur- und Industrieprojekte vor Ort hinterfragt werden, ist es eine zentrale Herausforderung für Politik, Verwaltung und Wirtschaft, die Menschen einzubeziehen“, sagte Duin.
Pfarrer Klaus Breyer, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft betonte, wirtschaftliche Entwicklung sei stets ein wichtiger Teil der gesellschaftlichen Entwicklung. „Planungsvorhaben gehören daher auf den Prüfstand der Öffentlichkeit. Entsprechen die Vorhaben dem Leitbild einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Entwicklung? Ist ihre Umsetzung unter dem Aspekt des Klima- und Umweltschutzes sinnvoll? Wird Gute Arbeit geschaffen? Ist die Lieferkette sozialgerecht und fair gestaltet?“
Dem formalisierten Verfahren vorgeschaltet und so frühzeitig wie nur möglich müsse die Öffentlichkeit beteiligt werden, so dass ein wirklich ergebnisoffener Diskurs stattfinden könne.
„Die praktizierte formalisierte Beteiligung kommt zu spät. Sie ist wenig konstruktiv und schürt Konflikte, weil alle Planungen bereits abgeschlossen sind und Veränderungen nur noch schwer, mit hohem Zeitverzug und Kosten realisiert werden können.“
Evangelische Akademien aber auch andere kirchliche Einrichtungen seien gute Orte, wo bei Großvorhaben eine frühzeitige nicht formale Öffentlichkeitsbeteiligung ihren Platz finden könne, so Breyer.
Das Wirtschaftsministerium hat 2010 die Service- und Qualifizierungsstelle „Dialog schafft Zukunft“ ins Leben gerufen. Die Arbeitsstelle berät und unterstützt die verschiedenen Akteure bei der Entwicklung von Lösungen für eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung.