Newsletter September 2015

Inhaltsverzeichnis

Editorial


Liebe Leserin, lieber Leser,

in der Nacht zum 5. September öffneten Österreich und Deutschland vorübergehend die Grenzen für Zehntausende von Zufluchtsuchenden, die unter erbärmlichsten Bedingungen in Ungarn festsaßen. Es war eine beispielhafte, wenn auch sehr späte, humanitäre Rettungsaktion. Als katastrophalen Irrtum bezeichneten Kritiker die Entscheidung der Kanzlerin.  Ungewöhnlich emotional reagierte Angela Merkel darauf: „Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land."
Angela Merkel ist vollkommen zuzustimmen. Aber wie sich unser Land im Umgang mit Geflüchteten entwickeln wird, ist vollkommen offen. Gleiches gilt auch für Europa.
Nach wie vor gibt es keine legalen Zugangswege, nach wie vor gibt es kein Zuwanderungsgesetz. Dublin III ist nicht außer Kraft gesetzt. Die Außengrenzen werden in Südosteuropa verstärkt und mit Tränengas und Wasserwerfern verteidigt. Von Solidarität und Lastenteilung bei der Aufnahme von Schutzsuchenden findet sich – auch in West- und Mitteleuropa – kaum eine Spur.
Mit vielen anderen engagieren wir uns für eine menschenwürdige Aufnahme der Geflüchteten in unserem Land. Wir sind dankbar über die vielfältige Hilfsbereitschaft und gelebte Willkommenskultur. Die Zeit ist jedoch überreif, die europäische Flüchtlings- und Migrationspolitik grundlegend zu verändern. Europa darf nicht länger seine Sicherheit und seinen Wohlstand auf einer Abschreckungsstrategie bauen, die Tote und menschenunwürdige Zustände einkalkuliert.
Als Evangelische Kirche beteiligen wir uns intensiv an dem aktuellen flüchtlings- und migrationspolitischen Diskurs. In dieser Ausgabe finden Sie dazu einige Artikel und Dokumente.

Ihr

Klaus Breyer
Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft

Schwerpunkt Flüchtlinge

Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?


Zuflucht finden in Europa
Gedanken zu Psalm 8

"Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt."
Korrupte Regime, zerfallende Staaten, Diktatoren die gegen das eigene Volk Krieg führen, der IS, der mit täglich größerer Brutalität sich selbst überflügelt, Todesangst  - unter Millionen,  Hundertausende auf der Flucht, kenternde Bote, Bilder, die sich in die Herzen brennen, ein totes Kind am türkischen Strand, die Festung  Europa - sie wird ausgebaut, nicht nur in Ungarn, auch in den Köpfen, auch - und das ist das neue - zwischen den Mitgliedstaaten der Union.
Der Jubel des Psalmbeters über das "Menschsein" bleibt uns im Hals stecken. Was ist der Mensch, wenn wir all dies sehen, und wozu ist er fähig?!
Passender scheint da der Stoßseufzer eines sichtlich frustrierten Gottes: "Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzen ist böse von Jugend auf". (Gen 8, 21)
Und trotzdem sollten wir uns gerade heute dem Menschenbild Gottes aus Psalm 8 ganz bewusst aussetzen, auch wenn es uns zunächst ratlos werden lässt.  mehr ...

Dublin ist nicht tot


"Dublin ist längst tot" - so heißt es in vielen Zeitungskommentaren oder auch in Talkshows. Gemeint ist damit: das Zuständigkeitssystem für Flüchtlinge in der EU, das auf der sogenannten "Dublin-III-Verordnung" basiert, funktioniert nicht mehr. Eigentlich sollen Asylsuchende nur in dem Mitgliedsstaat, in dem sie innerhalb der EU zuerst eintreffen, bleiben und ihren Asylantrag stellen. Dahinter steckt eine Abwehr-Logik, die nach dem Verursacherprinzip funktioniert: Wenn die Länder an den EU-Außengrenzen es nicht schaffen, die Flüchtlinge von Europa fernzuhalten, müssen sie für den "Schaden" selbst aufkommen, also die Asylverfahren durchführen und für Unterbringung, Versorgung und Abschiebungen aufkommen. mehr ...

Zur aktuellen Situation der Flüchtlinge


Eine Erklärung der Leitenden Geistlichen der evangelischen Landeskirchen Deutschlands

Zum ersten Mal in der Geschichte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wenden sich die leitenden Theologen der Landeskirchen mit einer gemeinsamen Erklärung an die Öffentlichkeit. Für die Evangelische Kirche von Westfalen hat Präses Annette Kurschus unterzeichnet.

Den Text im Wortlaut finden Sie hier.

Klima

Geht doch! Pilgern für den Klimaschutz


Auch der Deutsche Naturschutzring ruft zum Klimapilgern auf

„Geht doch! Das ist das Motto des ökumenischen Klimapilgerwegs, der vom 13. September bis zum 27. Oktober von Flensburg durch das Münsterland nach Paris führen wird. Diese besondere Aktion sorgt für breite Bündnisse: Gemeinsam haben am 09. September in Münster der Deutsche Naturschutzring sowie die evangelische und die katholische Kirche zum Mitpilgern und zum Engagement für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit aufgerufen. mehr ...

Alle Informationen und die Online-Anmeldemöglichkeit gibt es im Netz unter www.klimapilgern.de.

Pilgerzug für mehr Klimagerechtigkeit führt durch Wuppertal


Der Pilgerweg für mehr Klimagerechtigkeit, der in 12 Etappen von Flensburg nach Paris führt, macht vom 24. bis 26.10.2015 halt in Wuppertal. Eingeladen wird an diesem Wochenende zu einem Pilgerfest mit einem vielfältigen Kultur- und Informationsprogramm. mehr ...

Programmflyer

Solarsolidarität mit Tschernobyl-Kindern


Kinderzentrum Nadeshda auf dem Weg zur 100-prozentigen Energieselbstversorgung

Im 30. Jahr der Katastrophe von Tschernobyl setzt das Projekt ein passendes Zeichen setzen: Das Erholungskinderzentrum Nadeshda für die Kinder und Jugendlichen, die unter den Spätfolgen der Atomkatastrophe von Tschernobyl leiden müssen, will den Strom zukünftig hundertprozentig aus erneuerbaren Energien gewinnen.
Das Kinderzentrum, das auch von der Männerarbeit Westfalen seit mehr als 20 Jahren unterstützt und gefördert wird, ist schon länger ein Energiepionier in der Republik Belarus.
Bereits vor 10 Jahren wurden ein Holzkessel und thermische Solaranlagen installiert, um Wärme aus Holz und Sonne zu produzieren. mehr ...

Frauen

Pflege-Arbeit geht alle an!


Europäisches Frauen-Netzwerk tagte in Nordirland

Fakt ist: Die Menschen in Deutschland werden immer älter und mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit pflegebedürftig zu werden. Das Bundesministerium für Gesundheit schätzt, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2060 auf 4,7 Mio. Menschen steigen wird – dann wären 6 Prozent der Gesamtbevölkerung auf Pflege angewiesen, doppelt so viele wie heute. Doch von wem sollen diese Menschen gepflegt werden? Bereits heute fehlen in Deutschland in der Pflegebranche Fachkräfte. Vor dieser und anderen Herausforderungen rund um das Thema „Pflege“ steht Deutschland nicht alleine, wie die Mitglieder des europäischen Netzwerkes Oikosnet „Gender&Justice“ bei ihrer Tagung im September feststellten. mehr ...

Hello Mrs. Perfect


3. Westfälischer FrauenKirchenTag fand am 19.09.2015 in Dortmund statt

Aus allen Richtungen kamen sie zum 3. Westfälischen FrauenKirchenTag – 165 Frauen reisten u.a. von Siegen, Bielefeld, Münster, Hamm, Recklinghausen, Bochum nach Dortmund ins Reinoldinum, um über den weiblichen Anspruch perfekt zu sein, nachzudenken. Anke Steger, Gleichstellungsbeauftragte des Ev. Kirchenkreises Dortmund, eröffnete den Tag. Der Dortmunder Frauenchor Nicolettas präsentierte einige Lieder aus ihrem Repertoire und lud zum Mitsingen ein. Dr. Gisela Matthiae, Theologin und Clownin, näherte sich dem Thema „Perfekt sein“ auf humorvolle Weise. Sport treiben, beruflich erfolgreich sein, Kinder perfekt erziehen, schlank, schön, gesund und flexibel sein, das sind einige der derzeitigen gesellschaftlichen Mrs. Perfect-Ansprüche. Doch wie kann frau sich diesen Bildern entziehen, sich distanzieren und selbstbewusst den eigenen Weg gehen? mehr ...

Argula – wer?


Auf den Spuren einer Reformatorin durch Bayern

Als sich zwölf Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Rheinland und Westfalen Ende August per Fahrrad auf die Spuren der „Argula von Grumbach“ begeben, haben nur wenige ihren Namen schon einmal gehört. Wer war diese Frau mit dem besonderen Namen? mehr ...

Arbeit

Ländliche Räume – Zukunftsräume


(Noch) Kein Thema für den KDA Westfalen?

Der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) nahm auf seiner jüngsten Bundestagung die ländlichen Räume und die Gefährdung der bisherigen Infrastruktur in den Blick. Neue Ideen zur Abwehr der strukturellen Abwärtsspirale sind nötig – auch für die Kirchen in ländlichen Räumen, war das Resümee der Tagung, die vom 14. bis 16.09.2015 in Schwerin stattfand. mehr ...

Veranstaltungshinweis:
"Kirche findet Stadt". Ein Workshop, der die Kirche als Faktor bei der Quartiersentwicklung in den Blick nimmt.
Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.kircheundgesellschaft.de

Tipps und Termine

Kirche im WDR


Nicole Richter, Fachbereichsleiterin im Frauenreferat der EKvW, ist mit neuen Radioandachten mit Genderblick auf WDR2 zu hören. Ihre Themen: eine Popsongexegese zu Sarah Connors neuem Hit „Wie schön du bist“, ein Kommentar zu klischeehafter Werbung  im Kinderzimmer oder „Be calm and be a princess?!“  und eine Andacht über eine Frau aus Westfalen, die unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge betreut.

Hören Sie doch mal hinein: www.kirche-im-wdr.de

Studientag Gender


Vielfalt leben und begleiten!

29. Oktober 2015, 9.00 - 16.00 Uhr
Haus Villigst, Schwerte

Die Evangelische Kirche von Westfalen hat sich auf den Weg gemacht und ein Zeichen für Offenheit und gelebte Vielfalt gesetzt. Dies zeigt der Beschluss der Landessynode vom November 2014. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen in einem öffentlichen Gottesdienst gesegnet werden.

Der Fachtag Gender bietet einen Raum für Informationen, Austausch und Diskussion rund um die Facetten von Geschlechtergerechtigkeit. mehr ... 

Weitere Informationen und Anmeldung

Ausweg aus der Russland-Ukraine-Krise


Brauchen wir eine neue Ostdenkschrift?

Dienstag, 10. November 2015, 19.30 Uhr
Evangelische Stadtakademie Bochum, Westring 26 c

Professor Dr. Konrad Raiser, Berlin

Auf dem letzten Kirchentag in Stuttgart ist eine Resolution angenommen worden, die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ein neue "Ost-Denkschrift" fordert. Die zentrale Botschaft der Initiatoren lautet: "Wir gehen in die Irre, wenn wir meinen, eine Front der Guten gegen die Bösen vor uns zu haben. Russland darf nicht zum Feind gemacht werden. Sicherheit in Europa gibt es nur mit Russland."
Die Ostdenkschrift der EKD von 1965 über das Verhältnis zu Polen und den östlichen Nachbarstaaten hat einer neuen Ostpolitik der Bundesrepublik den Boden bereitet. ...

Weitere Informationen

XXIX Villigster Afghanistan-Tagung


Freundschaft verpflichtet … 100 Jahre deutsch-afghanische Beziehungen

27. – 29.  November 2015
Haus Villigst, Schwerte

Deutschland und Afghanistan verbindet eine wechselvolle 100-jährige Geschichte. Die Beziehungen gehen weit über das prägende Ereignis des Bundeswehreinsatzes der letzten 13 Jahre hinaus: Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft sind nur einige Bereiche, in denen über diesen langen Zeitraum hinweg unzählige Begegnungen zwischen den Ländern die Beziehungen ausgemacht haben. Begonnen hatte es mit der von Kaiser Wilhelm II beauftragten Mission des deutschen Diplomaten Werner Otto von Hentig im Ersten Weltkrieg … mehr ...

Weitere Informationen und Anmeldung

Save the date


Was bedeuten die neuen UN-Nachhaltigkeitsziele für NRW?

19. – 20. Februar 2016
Haus Villigst, Schwerte

Auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen werden im September die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDG) verabschiedet. Mit diesen neuen UN-Nachhaltigkeits-zielen sollen die großen Herausforderungen in den Bereichen Entwicklung und Nachhaltigkeit – wie Armut, Klimawandel, Verlust biologischer Vielfalt - in politisches Handeln umgesetzt werden. Stärker als bei den Millennium Development Goals (MDG) werden bei den SDGs ökologische Ziele verfolgt und besonders die Rolle des Menschen in den Entwicklungsprozessen betont. Zum ersten Mal werden auch Industriestaaten als wichtige Akteure zur Umsetzung der Ziele nachhaltiger Entwicklung in die Pflicht genommen. mehr ...

Publikationen

Welche Hilfe beim Sterben wollen wir?


epd-Dokumentation Nr. 33 vom 11.08.2015

Das Sterben ist politisch geworden. Im Bundestag werden im Herbst dieses Jahres gleich vier Gesetzesentwürfe verhandelt. Die Evangelischen Akademien in Deutschland (EAD) widmen sich in zahlreichen Debatten und Tagungen dem Thema „Sterben und Lebensende“. Die Evangelische Akademie Villigst hat das Thema in diesem Jahr in zwei Veranstaltungen behandelt. Die Ergebnisse liegen jetzt in einer Broschüre gesammelt vor. Sie sind als epd-Dokumentation Heft 33/2015 (11. August 2015) erschienen. In der rund 40-seitigen Broschüre mit dem Titel: „Welche Hilfe beim Sterben wollen wir? Menschenwürde am Lebensende“ geht es neben einer Einführung in das Thema um den assistierten Suizid sowie Alternativen zum assistierten Suizid. Es gibt einen Erfahrungsbericht zur Arbeit in der Hospizarbeit. Die Autoren der Veröffentlichung bewerten den Medizinisch-technischen Fortschritt kritisch, der Mensch müsse als „Ganzes“ in den Mittelpunkt der ethischen Debatten gestellt werden. Zur Vergewisserung in den letzten Fragen ist der gesellschaftliche Diskurs notwendig.

Bestellung unter: www.epd.de

Selig sind, die Frieden stiften


epd-Dokumentation Nr. 37 vom 08.09.2015

„Selig sind, die Frieden stiften“ – das Thema der Politikertagung, zu der die Evangelische Kirche von Westfalen Ende August in Haus Villigst eingeladen hatte, führte nach faktenreichen Vorträgen am Ende zu einer lebhaften Diskussion auf dem Podium und mit allen Teilnehmern.

Berichterstattung unter: www.evangelisch-in-westfalen.de

Beiträge (u.a. von Präses Annette Kurschus und dem Friedensbeauftragter der EKD, Renke Brahms) sind jetzt als epd-Dokumentation 37/2015 erschienen.

Bestellung unter: www.epd.de

Miteinander 2016


Der interreligiöse Kalender "Miteinander 2016 - Juden Christen Muslime" ist vom Institut für Kirche und Gesellschaft herausgegeben im Luther-Verlag erschienen. Er wird von einem multireligiösen Team erarbeitet. Er gibt neue Einblicke in Judentum, Christentum und Islam und informiert vor allem über die Feiertage der jeweiligen Religionen. Damit möchte er das Gespräch zwischen den Religionen anregen.

Der Kalender kann über das Institut für Kirche und Gesellschaft, den Luther-Verlag oder den Buchhandel bestellt werden.

Weitere Einzelheiten dazu finden Sie im Flyer oder unter www.lutherverlag.de 

Personalia

Margrit Püster


Nach 26 Jahren im kirchlichen Dienst verlässt Margrit Püster unser Institut. Seit 1998 war Frau Püster als Sekretariatsangestellte im Umweltreferat später im Fachbereich Nachhaltige Entwicklung tätig.

Wir danken Frau Püster für die gute Zusammenarbeit,  ihr großes Engagement  und ihre hohe Identifikation mit der Arbeit. Wir wünschen Frau Püster viel Glück und Zufriedenheit im Ruhestand.

Neue Mitarbeiterinnen im IKG



Am 1. September haben zwei neue Kolleginnen im Institut für Kirche und Gesellschaft ihren Dienst aufgenommen.

Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit

mit Dunja Schelter (Foto links)
als Fachbereichssekretärin im Fachbereich „Nachhaltige Entwicklung“ und
mit Laura Unruh (Foto rechts)
als Fachbereichssekretärin im Fachbereich „Wirtschaft, Arbeit, Soziales“.

 
Institut für Kirche und Gesellschaft
der Evangelischen Kirche von Westfalen


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