Evangelische Akademie Villigst, April 2017

Inhaltsverzeichnis

Editorial


Fake News und digitale Blasen sind in aller Munde und stellen von der digitalen Welt aus kritische Anfragen an die Demokratie von Morgen.

Dass die digitalen Herausforderungen aber noch viel weiter gehen, zeigte ein Beitrag auf einer unserer bioethischen Tagungen höchst eindrücklich: Big Data revolutioniert gerade die Medizin und damit auch die Gesellschaft. Digitale Operationen und Behandlungsboards sind kurz vor einer großflächigen Einführung. Algorithmen errechnen dabei aus riesigen weltweit verfügbaren Daten ähnlich gelagerter Fälle die besten Operations- oder Behandlungsmethoden. Bei einer Operation verhindert das Programm dann Abweichungen vom errechneten Pfad, bezüglich Behandlungsvorschlägen brauchen behandelnde Ärztinnen und Ärzte schon sehr gute Begründungen, um sich gegen die errechnete Behandlung zu entscheiden. Dies hat natürlich extrem viele Vorteile: Unerfahrenheit oder mangelnde Konzentration werden in der medizinischen Zukunft eine untergeordnete Rolle spielen. Allerdings kann niemand mehr die höchst komplexen Algorithmen kontrollieren: nach welchen Kriterien entscheidet das Programm, welche Information wird wie gewichtet…? Niemand kann diese Fragen beantworten. Ärztinnen und Ärzte wie auch die Patientinnen und Patienten müssen sich auf Rechenvorgänge verlassen, die sie nicht verstehen oder kritisch befragen können.

In diesem Sinne scheint mir die medizinische Entwicklung geradezu ein Paradigma unserer Gesellschaft. Die Digitalisierung schafft enorm viele neue Möglichkeiten und Chancen – wer wollte oder könnte auf sie verzichten? Gleichzeitig jedoch liegen den Chancen Algorithmen zugrunde, die sich demokratischer Kontrolle entziehen, die sogar für Fachleute nicht mehr nachvollziehbar sind.

Wir werden als Gesellschaft ganz neue Umgangsweisen mit der digitalen Welt entwickeln müssen. Ich bin gespannt, was wir als Akademie zu dieser Neuentwicklung beitragen können.

Dr. Sabine Federmann

Schwerpunkt

Migration ist der Normalfall


Integration als Teilhabe gestalten

Ein Gespräch mit dem Zuwanderungsbeauftragten der Evangelischen Kirche von Westfalen, Pfarrer Helge Hohmann, Villigst

Das Themenfeld Flucht, Migration, Integration hat in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen. Ist es vom Expertenthema zu einem zentralen Thema der Gesellschaft geworden?

Die Bedeutung des Themas hat sich eher nur in der öffentlichen Wahrnehmung geändert. Mindestens seit dem Anwerbestopp der Bundesrepublik Deutschland für die Arbeitsmigration aus der Türkei und anderen Ländern 1973 stellen sich in unserer Gesellschaft immer die gleichen Fragen: Wer darf nach Deutschland mit welchem Recht einreisen? Sind wir ein Einwanderungsland? Wie können Menschen mit Migrationsgeschichte und Einheimische friedlich und mit gleichen Teilhabechancen zusammenleben? Migration ist der Normalfall, nicht die Ausnahme und eine anthropologische Konstante. Es muss aber in einem gesellschafts-politischen Diskurs immer neu ausgehandelt werden, wie wir diesen Normalfall gestalten. Hier ist in den letzten Jahrzehnten viel versäumt, aber auch schon einiges aufgeholt worden, besonders im Integrationsbereich. mehr ...

Vorschau

Modernes Theater in Indien


12. - 14. Mai 2017
Haus Villigst, Schwerte

Theater ist wohl eine der Kunstformen, die sich am unmittelbarsten und direktesten mit politischen und gesellschaftlichen Veränderungen auseinandersetzt.
Die Tagung, die in Kooperation mit dem Indischen Literaturforum stattfindet, widmet sich den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die im Theater ausgedrückt, aber auch über die Zeiten hinweg transformiert werden. Theater als Gefäß vergangener und gegenwärtiger gesellschaftlicher Konflikte findet Ausdrucksformen, die den Rezipienten eine Identifikation und Abgrenzung zu bestimmten Positionen ermöglichen. In einem so vitalen und diversen Staat wie Indien ist folglich auch die Theaterlandschaft eine ausgesprochen vielfältige. Einige Aspekte dieser Fülle werden in der Tagung im Mai präsentiert. Neben Vorträgen und Arbeitsgruppen werden eine Tanzvorführung und Theatertexte diesen Einblick in eine unbekannte Theaterwelt abrunden.

Weitere Informationen und Anmeldung

Dürfen Christen rechts wählen?


Rechtspopulismus als Herausforderung theologische Ethik

17. Mai 2017
Evangelisch-Theologische Fakultät
Ruhr-Universität Bochum

Im „Superwahljahr“ 2017 wird der in den letzten Jahren in Europa erstarkte Rechtspopulismus auf eine Nagelprobe gestellt: Welche Rolle wird er in der Politik der nächsten Jahre spielen?

Spätestens jetzt ist es auch theologisch-ethisch notwendig, sich näher mit dem Phänomen des Rechtspopulismus auseinander zu setzten. Welche politischen Haltungen sind von einem christlichen Standpunkt aus vertretbar, was muss respektiert, welchen Haltungen muss entschieden entgegengetreten werden? Diese Fragen stellen sich grundsätzlich jedem Menschen, der oder die sich als Christin oder Christ versteht. Was kann ich selbst vertreten, wo gibt der eigene Glaube Richtschnur und Hilfe und an welchen Stellen darf ich nicht schweigen? In besonderem Maße stellen sich diese Fragen Theologinnen und Theologen. Sie sind nicht nur in ihrer persönlichen Haltung, sondern auch in ihrer öffentlichen Verkündigung theologisch-ethisch herausgefordert und sollen zugleich integrierend wirken.

Wir freuen uns sehr, dass wir für dieses spannende Thema den Münsteraner Professor für theologische Ethik Arnulf von Scheliha für einen grundlegenden Vortrag zu unserem Thema gewinnen konnten und im Anschluss einen Workshop zur politischen Predigt mit der Bochumer akademischen Rätin Jula Well anbieten können.

Eingeladen zu diesem Tag sind Studierende, Pfarrerinnen und Pfarrer sowie alle am Thema Interessierten.

Weitere Informationen und Anmeldung

Krotz & Co


Neue Ausstellung in Haus Villigst und in der Katholischen Akademie Schwerte

21. Mai - 09. Juli 2017

Die kommende Ausstellung mit Arbeiten von Anja Hoinka, "krotz & co", findet an zwei Orten statt – zeitgleich und sich ergänzend in der Katholischen Akademie Schwerte und der Evangelischen Akademie Villigst.
Anja Hoinka liebt räumliche Arbeiten, die sie aus Wellpapier-Blöcken herauslöst oder als Reliefs in Räume hineinsetzt, wo sie zugleich Störung und Weiterführung bestehender Objekte sind. Sie schafft mit einfachen Mitteln vollkommene neue räumliche Perspektiven in bereits bestehenden Orten, so dass der Betrachter und Nutzer dieser Räume erheblichen Wahrnehmungsstörungen ausgesetzt ist. Diese Situation stößt im Betrachter einen Orientierungsprozess an, der durchaus weiter verstanden werden kann als nur bezogen auf die aktuelle, künstlerisch manipulierte Raumsituation.
Die gemeinsame Ausstellung von katholischer und evangelischer Akademie, die beide ganz unterschiedliche Räume zur Verfügung haben, soll die vielen Facetten der Raumarbeiten von Anja Hoinka präsentieren – und mit den beiden Ausstellungsorten auch Verbindungen durch die Stadt Schwerte ziehen.
Anja Hoinka studierte an der Kunstakademie Münster vor allem bei Reiner Ruthenbeck, deren Meisterschülerin sie auch war. Heute lebt und arbeitet sie in Köln.

Die Eröffnung mit der Künstlerin findet am 21. Mai in der Evangelischen Akademie Villigst um 15.00 Uhr statt und setzt sich dann mit einem Einführungsvortrag in der Katholischen Akademie um 17.00 Uhr fort.

Zu sehen sind die Arbeiten in beiden Häusern bis zum 09. Juli 2017.

"Die den Sturm ernten …"


Zur Rolle des Westens in der Vorgeschichte des Syrienkrieges mit dem Nahostexperten Michael Lüders

11. Juli 2017, 19.00 Uhr
Evangelische St. Mariengemeinde
Kleppingstr. 5, 44135 Dortmund

Informationen zum Thema Syrien handeln seit vielen Monaten vom Krieg in Syrien, den verschiedenen Konfliktparteien, ihren (Rück-) Eroberungen von Territorien  und dem Leiden der Bevölkerung. Darüber hinaus sind die Wirkungen im Blick, die der Krieg auf den Westen hat: Die Vertreibung von Millionen aus ihrer Heimat und ihre Ankunft als Flüchtlinge in Europa. Wer nach Ursachen und Hintergründen des Konflikts in Syrien sucht, wird in der Regel auf Geschehnisse  des Jahres 2011 verwiesen, dem Beginn der Proteste, die zu dem Bürgerkrieg führten.

Michael Lüders, Politik- und Islamwissenschaftler, hat im März diesen Jahres sein neues Buch: "Die den Sturm ernten. Wie der Westen Syrien ins Chaos stürzte" veröffentlicht. Darin hat er die weiter zurückliegende Vorgeschichte der gegenwärtigen Situation untersucht. Michael Lüders stellt die Ergebnisse seiner Recherchen vor und im Anschluss daran, gibt es die Möglichkeit mit ihm darüber ins Gespräch zu kommen.

Weitere Informationen:
Birgit Weinbrenner
Tel.: 02304 755 322
Mail: birgit.weinbrenner@kircheundgesellschaft.de

"dem Frieden der Welt zu dienen …"


Parteien im Dialog zur Bundestagswahl
Abendforum

12. September 2017
Friedrichstadtkirche auf dem Gendarmenmarkt, Berlin

Außen- und Sicherheitspolitik befinden sich in einem dauerhaften Krisenmodus. Deutschland muss seine Rolle neu definieren: Wie reagieren, wenn die internationalen Partner die Übernahme von „mehr Verantwortung“ fordern? Der grundgesetzliche Auftrag „dem Frieden der Welt zu dienen“ verlangt sowohl die Festlegung auf strategische Ziele als auch die Stärkung von Instrumenten und Strukturen zur wirksamen Krisenprävention und Konfliktbearbeitung. Dazu gehört auch die Frage, ob und wann die Beteiligung an einer militärischen Intervention legitim ist. Das Abendforum lädt ein zur Diskussion über die friedenspolitischen Wahlaussagen der Parteien.

Das Programm und eine Möglichkeit zur Online-Anmeldung finden Sie rechtzeitig unter: https://www.eaberlin.de/

Die Simulation des Menschen in "künstlicher Intelligenz"


Robotik und virtuelle Agenten – eine Kontroverse um unser Menschenbild
Eine Tagung der Evangelischen Akademie Villigst in Kooperation mit dem Arbeitskreis Naturwissenschaft und Theologie

29. September - 01. Oktober 2017
Haus Villigst, Schwerte

Die Tagung wird sich mit dem Spannungsfeld auseinandersetzen, das durch die rasant fortschreitende Digitalisierung und Entwicklung im Bereich künstlicher Intelligenz entsteht. Sie wird zum einen noch sehr viel weiter in unsere Arbeitswelt eingreifen als bisher. Zum anderen wird unser Menschenbild infrage gestellt, das durch die technische Entwicklung möglicherweise einer "narzistischen Kränkung" mit erheblichen Folgen ausgesetzt ist. Diese Entwicklung stellt nicht nur unser humanistisches Menschheitsideal in Frage. Auch die Rechte und Pflichten jedes einzelnen und der Umgang miteinander stehen vor einer Neubestimmung. Ein Beispiel ist hier die Pflege und Betreuung von kranken und alten Menschen, die in Zukunft auch von Robotern übernommen werden wird. 

Als Referenten werden unter anderem Prof. Klaus Mainzer, Dr. Anna Lisa Vollmer, Prof. Dr. Nicole Kämer, Dr. Rudolf Tschirbs, Prof. Dr. Christian Link und andere verschiedene Aspekte dieser Fragestellung beleuchten und gemeinsam mit Ihnen diskutieren und in Arbeitsgruppen vertiefen.

XXXI. Villigster Afghanistan-Tagung


24. - 26. November 2017
Haus Villigst, Schwerte

„Wer schon einmal in Villigst war, der weiß, dass man sich hier an einem ganz besonderen Ort des wissenschaftlichen und geistigen Austausches befindet … Hier lädt die Evangelische Akademie Villigst auch regelmäßig zum Diskutieren und konstruktiven Streiten über gesellschaftliche Themen, über Gerechtigkeit und Frieden ein …“ Mit diesen Worten würdigt 2016 der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier in einem Grußwort die Bedeutung der Villigster Afghanistan-Tagungen und auch Dr. h.c. Ernst-Albrecht von Renesse, den wir als einen der Mitbegründer der Tagung nach 33 Jahren einzigartigen Engagements aus dem Vorbereitungskreis verabschiedet haben: „Ihm ist es zu verdanken, dass diese Tagung sich zu einem etablierten Format entwickelt hat, das bundesweit einzigartig ist und renommierte Expertinnen und Experten, internationale Gäste, Exilafghaninnen und -afghanen und ein fachkundiges Publikum zusammen bringt.“ Wir sagen als Evangelische Akademie Villigst auch ein herzliches Dankeschön!!! Das gesamte Grußwort lesen Sie hier

Afghanistan war und ist auch im Jahr 2017 ein „unsicheres“ Land: Die anhaltende Krise der Regierung unter Präsident Ghani, die jährlich steigenden Zahlen ziviler Opfer und insbesondere die Folgen zehntausender Geflüchteter und Rückkehrender (zum Beispiel aus Pakistan) lassen die Zukunftsaussichten für die Menschen in dem seit fast 40 Jahren unter einem Kriegszustand leidenden Land düster erscheinen. Kann sich daran noch etwas verändern? Ermutigende Perspektiven, Wege hin zu einer ehrlichen und wirksamen Verantwortungsübernahme im Innern wie auf Seiten der internationalen Gemeinschaft werden mit afghanischen, deutschen und internationalen Expertinnen und Experten diskutiert.
Bitte den Termin zur diesjährigen (31.!) Villigster Afghanistan-Tagung schon vormerken:
24. bis 26. November 2017.

Links zur Sicherheitslage und zu den aktuellen Entwicklungen in Afghanistan:
Wo steht Afghanistan Anfang 2017? Eine ausführliche Stellungnahme zu den zentralen Herausforderungen:
Afghanistan Analysts Network (Thomas Ruttig)

UNAMA-Jahresbericht 2016
Zivilopfer Afghanistan: Im Norden Zunahme um 58%, bei Kindern um 24%, Zivilopfer durch Daesh/IS fast verzehnfacht – neuer Höchststand insgesamt!
Zusammenfassung und Kommentierung von Winfried Nachtwei

Rückblicke

Wir haben maximal ein Jahr Zeit, um Amerikas Demokratie zu verteidigen


Berliner Abendforum am 14. Februar zum neuen US-Präsidenten Donald Trump und den Auswirkungen auf die transatlantischen Beziehungen
Uwe Trittmann

„Wir haben maximal ein Jahr Zeit, um Amerikas Demokratie zu verteidigen“. Diesen Satz des US-amerikanischen Historikers Timothy Snyder machte sich ARD-Korrespondent Arnd Henze zu eigen. „Das klingt apokalyptisch, basiert aber auf einer zwingenden Logik“, sagte Henze in seinem Vortrag bei der Tagung „Ein Sieg für den Weltfrieden? Transatlantische Beziehungen unter der neuen US-Präsidentschaft“ am 14. Februar. Der ehemalige US-Botschafter Professor James Bindenagel nannte Donald Trumps Populismus einen „Stresstest für die amerikanische Demokratie“.
Bindenagel warnte: „Die Umklammerung des populistischen Nationalismus auf Kosten unserer multilateralen Weltordnung wird stärker.“ Er forderte die politisch Verantwortlichen in Europa auf, das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Politik zurückzugewinnen, die Bedürfnisse der Bevölkerung, nicht nur der Eliten, zu berücksichtigen. „Dieses ist das Jahr, das Europa Hoffnung schaffen muss.“ Studienleiter Trittmann unterstrich, dass es nicht helfe, „alleine den Zeigefinger in Richtung USA zu heben.“ Populismus fordere zu gemeinsamem Nachdenken und Handeln heraus.

Den vollständigen Bericht sowie einzelne Beiträge der Referenten finden Sie hier.

Steht die Würde des Lebens auf dem Spiel?


Kirche und Diakonie als unverzichtbare Akteure in der Bioethik-Debatte

Welche Auswirkungen haben die neuen biotechnischen Möglichkeiten auf unser Leben? Angesichts neuer Verfahren in der Gendiagnostik sieht der Präsident der Diakonie Deutschland, Pfarrer Ulrich Lilie, einen höheren Bedarf an multiprofessioneller und ergebnisoffener Beratung. Aktuelles Beispiel hierfür ist der nicht-invasive Bluttest auf Trisomie 13, 18 und 21, der sogenannte Praena-Test. mehr ...

Wie wissenschaftlich ist die Islamische Theologie?


Befürworter und Kritiker einer Islamischen Theologie trafen sich am 6. und 7. März in Haus Villigst, um über wissenschaftliche Ansprüche, religiöse Bedürfnisse und politische Erwartungen hinsichtlich einer Islamischen Theologie als Wissenschaftsdisziplin an deutschen Universitäten zu diskutieren und Zukunftsperspektiven auszuleuchten. Eingeladen hatte Ralf Lange-Sonntag, Studienleiter der Evangelischen Akademie Villigst und Referent der EKvW für Fragen des christlich-islamischen Dialogs. mehr ...

Wer erfand das Individuum?


Kooperationstagung der Evangelischen Akademie Villigst und der Evangelischen Kirche von Westfalen
Bei einer Tagung der Evangelischen Kirche von Westfalen ging es um Luthers Beitrag zur Entdeckung persönlicher Freiheit

Was vor 500 Jahren mit Martin Luther begann, hat die Entwicklung zur modernen Gesellschaft beeinflusst: „Die Reformation ist ein Teil der neuzeitlichen Freiheitsgeschichte“, erklärte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Aber wie stark war der Einfluss wirklich? Wie stark hat eine zunächst theologische Auseinandersetzung den Weg bereitet für Freiheit, also auch Religionsfreiheit, und Individualismus? Dass es auf diese Fragen keine eindeutigen Antworten gibt, zeigte die Tagung “Die Entdeckung des Individuums“ der Evangelischen Kirche von Westfalen in Haus Villigst in Schwerte. mehr ...

Das Freihandelsabkommen zwischen Kanada und der EU


Birgit Weinbrenner

Mitte Februar stimmte das EU-Parlament über das Freihandelsabkommen mit Kanada, dem "Comprehensive Economic and Trade Agreement" (CETA), ab: 58,7 Prozent votierten für das Abkommen, 36 Prozent dagegen, 4,7 Prozent enthielten sich.
Die Debatte im EU-Parlament verlief heftig. Aufgrund der mehrheitlichen Befürwortung werden nun die Teile des Vertrags, für die die Europäische Union alleine zuständig ist, vorläufig schon ab April diesen Jahres angewendet. Eigentlich gehören auch die Inhalte des Abkommens, die sich auf den Investitionsschutz mit Sondergerichten* beziehen, zu diesem Vertragsteil. Dies ist aber nicht der Fall.
Der EU-Abgeordnete Dietmar Köster wertet es als Erfolg der gesellschaftlichen Debatte, dass die Sondergerichte* erst dann umgesetzt werden, wenn das Abkommen endgültig in Kraft tritt. Dies geschieht erst, wenn alle nationalen Parlamente der 28 EU-Staaten einzeln ratifiziert haben. Das kann Jahre dauern. Eine Frist gibt es nicht. In Deutschland werden Bundestag und Bundesrat über CETA abstimmen.
„Wie soll ein alternativer Freihandel aussehen, mit dem soziale Ungleichheit in Europa und den Entwicklungsländern bekämpft werden kann?“ Dietmar Köster ermutigte die Teilnehmer*innen der Veranstaltung "Keinen Freihandel um jeden Preis", die vorliegenden Abstimmungen dafür zu nutzen, diese dringend gebotene Debatte zu führen und das Thema in Gesprächen mit Abgeordneten aufzugreifen

*Investoren können sich vor internationalen Sondergerichten ("Schiedsgerichten" oder "Tribunalen") gegen staatliche Maßnahmen oder staatliches Unterlassen wehren.

Personalia

Leitungswechsel vollzogen

Am 1. März ist der Leitungswechsel im Fachbereich I, Gesellschaftliche und Theologische Grundfragen, zu dem auch die Evangelische Akademie gehört, vollzogen worden. Am 28. März 2017 wurde Dr. Peter Markus verabschiedet und Dr. Sabine Federmann für Ihren Dienst gesegnet. Für den Newsletter gaben beide ein kurzes Interview.

Akademie muss immer die Nase im Wind haben


Ein Interview mit Peter Markus zu seinem Abschied vom Institut

Dr. Peter Markus hat nach fast 27 Jahren intensiver und erfolgreicher Arbeit das Institut für Kirche und Gesellschaft zum 1. Februar 2017 verlassen, um einer Berufung ins Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MKULNV) des Landes Nordrhein-Westfalen zu folgen. Die Nachfolge in der Leitung des Fachbereichs 1 hat Dr. Sabine Federmann angetreten, seit 2010 Studienleiterin an der Evangelischen Akademie. mehr ...

Akademie bringt Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zusammen


Einladung zum Diskurs

Seit 1. März 2017 leiten Sie den Fachbereich "Theologische und gesellschaftliche Grundfragen" im IKG, zu dem auch die Ev. Akademie Villigst gehört, in der Sie seit 2010 als theologische Studienleiterin arbeiten. Wie ist es Ihnen in den ersten Wochen im neuen Amt ergangen?

Es ist eine spannende Aufgabe, die ich da übernommen habe. Es geht ja nicht nur um die Leitung "nach innen", sondern vor allem auch darum, wohin die Akademie sich inhaltlich entwickelt. Was sind die gesellschaftlichen Themen, die wir aufgreifen wollen und sollen, und wie können wir diese Themen "an den Mann/die Frau" bringen? Das heißt, wie können wir Themen so vermitteln, dass Menschen Lust haben, sich mit ihnen tiefergehend zu beschäftigen. mehr ...

Projekte und Publikationen

Flucht, Migration, Integration auf der Homepage des IKG


Zu den Themen „Flucht, Migration, Integration“ finden gegenwärtig intensive gesellschaftliche Diskussionen statt. Mit der Gründung der gleichnamigen Arbeitsgruppe unter Leitung des Zuwanderungsbeauftragten der EKvW, Pfarrer Helge Hohmann, hat das Institut für Kirche und Gesellschaft dieser Tatsache Rechnung getragen. Über die „AG Flucht, Migration, Integration“ informiert die neu gestaltete Homepage. Zugleich stellt sich das Projekt „Engagiert in Vielfalt“, in dem es um die Wahrnehmung und Stärkung des Ehrenamtes in der Flüchtlingsarbeit geht, vor. Neben aktuellen und thematischen Beiträgen zu den Positionen, die die EKvW im Themenfeld Zuwanderung vertritt, finden sich auch wichtige Serviceseiten, die die Themen „Kirchenasyl“ und „Sondermittel der EKvW“ für die Flüchtlingsarbeit zum Inhalt haben. Grundsätzliche Informationen zum Thema Kirchenasyl werden durch einen umfangreichen Serviceteil ergänzt, der die wichtigsten Dokumente zum Herunterladen bereitstellt. Wofür die „Sondermittel der EKvW“ bereitgestellt wurden und wie man sie beantragen kann, dazu findet man auf der Homepage wichtige Anregungen. Schließlich werden die Tagungen beworben, die die AG Flucht, Migration, Integration und das Projekt „Engagiert in Vielfalt“ anbieten.

Und so finden Sie die Homepage:
http://www.kircheundgesellschaft.de/das-institut/flucht-migration-integration/

Falls Sie Anregungen zur Seite haben, sind wir für eine Nachricht von Ihnen dankbar:
edgar.born@kircheundgesellschaft.de

Russlanddeutsche Kulturgeschichte auf einem MBook


Mit einer eindrücklichen KICK-OFF Veranstaltung in Anwesenheit vom Integrationsstaatssekretär Thorsten Klute und vom Schulstaatssekretär Ludwig Hecke ist am 9. März 2017 in Detmold das neue "MBook Russlanddeutsche Kulturgeschichte" veröffentlicht worden.

Die Unterrichtshilfe befasst sich mit der Geschichte und der jetzigen Situation der Russlanddeutschen sowie mit dem Verhältnis von Russland und Deutschland in Vergangenheit und Gegenwart.

Die großen Themen Identität, Heimat, Migration, Integration, Diskriminierung, Umgang mit Minderheiten werden exemplarisch an der Geschichte der Russlanddeutschen veranschaulicht.

Sie kann als freies Material kostenlos im Unterricht als auch außerhalb der Schule genutzt werden. Damit steht erstmals ein digitales-multimediales Unterrichtswerk zur Verfügung, das die Geschichte der Russlanddeutschen für verschiedene Bildungszusammenhänge didaktisch aufbereitet.

Hier finden Sie weitere Informationen und die Zugangsdaten.

How to become a Just Peace Church ...


Bericht und Beiträge einer internationalen Fachkonsultation im Herbst 2016
Uwe Trittmann

Bislang laufen Überlegungen zu Kirchenreform und Friedensethik, zu geistlicher Erneuerung und weltweiter Gerechtigkeit, zu Migration und Menschenrechten oftmals unverbunden nebeneinander her. Dabei kann die Frage nach einer ausstrahlungskräftigen, überzeugenden und zukunftsfähigen Gestalt von Kirche nicht getrennt werden von den Fragen nach weltweiter Gerechtigkeit und einem guten Umgang mit stark wachsender gesellschaftlicher Vielfalt. Wie kann es gelingen, in Vielfalt friedlich zusammenzuleben und Formen des gemeinsamen Lebens zu entwickeln, die der Versuchung zur kulturellen Selbstgenügsamkeit widerstehen?
Aus diesem Anlass luden erstmals die Evangelischen Akademien Villigst und Berlin sowie die EKD und die Evangelische Friedensarbeit Ende September 2016 zu einem dreitägigen Treffen nach Berlin ein. Unter den mehr als 80 Teilnehmenden waren auch rund 20 ökumenische Partner aus Europa, Afrika, Asien und Nordamerika, die ihre Erfahrungen mit gesellschaftlichen und kirchlichen Transformationsprozessen eingebracht und geteilt haben.

Die zusammenfassende Einführung aus der epd-Dokumentation finden Sie hier.

Die epd-Dokumentation kann zum Preis von 5,40 EURO (zzgl. Versandkosten) bestellt werden:
Ev. Akademie Villigst
Britta Backsmann
Tel.: 02304/755-327
britta.backsmann@kircheundgesellschaft.de

Gefährdet Big Data unsere Demokratie?


Dokumentation einer Tagung der Evangelischen Akademie Villigst zusammen mit der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler im Oktober 2016

Auf den ersten Blick verbindet sich mit Big Data – also der Auswertung und Nutzung großer, digital vorhandener Datenmengen für bestimmte wirtschaftliche oder gesellschaftspolitische Entscheidungen – zunächst etwas Vorteilhaftes, weil angenommen wird, dass jeder davon profitiert, wenn mehr Daten mehr Auskunft über ein und dasselbe Phänomen geben können. Soweit zur Annahme. Theorie und Praxis sind natürlich weitaus diffiziler. Was technisch machbar, sozial wünschenswert und rechtlich möglich ist, darüber wurde zwei Tage lang ausgiebig diskutiert. Die Tagungsdokumentation schlägt einen Bogen von Algorithmen, Bitcoin und Blockchain zur möglichen Totalausforschung unserer Persönlichkeit. Datenschutz und digitale Grundrechte sind ebenso Thema wie die Möglichkeiten, einen technologischen Totalitarismus abzuwenden und eine digitale Demokratie aufzubauen. Der uralte Menschheitstraum, anderen in Herz, Seele und Hirn zu blicken wird thematisiert und diskutiert, anhand der großen Medien- und Internetkonzerne lässt sich darüber streiten, ob jeder einzelne und die Politik noch Gestalter ihrer Lebenswelt sind, oder nicht schon ein „Big Brother“ übernommen hat.
Die sehr diskussionsfreudige Tagung bietet in dem Tagungsband eine konzentrierte Essenz der Einsichten und Streitpunkte.
Beiträge von Dr. Ralf Eschelbach, Prof. Dr. Dirk Helbing, Prof. Dr. Katharina Zweig, Alexander Sander, Adrian Lobe, Prof. Dr. Jörg Schäfer, Prof. Dr. Manfred Schneider und Eric Mülling

Bestellung über das IKG:
kirsten.simon@kircheundgesellschaft.de
Kosten 9,50 Euro
ISBN 978-3-939115-41-0

Freundeskreis Evangelische Akademie Villigst

Freunde kochen Persisch


Freitag, 28. April 2017
Kochlounge im Hof auf Hof Sümmermann
Von-Steinen-Str. 1, 58730 Fröndenberg-Frömern

Nachdem im April 2016 der Freundeskreis der Evangelischen Akademie Villigst erstmals ein Kochevent veranstaltete, "Freunde kochen für Freunde", bei dem indische Gerichte mit afrikanischem Flair zubereitet wurden, setzt er dieses Event nach dem großen Erfolg im vergangenen Frühjahr fort.

Unter der fachkundigen Anleitung von Frau Shahla Katebini werden die Teilnehmer sich diesmal der Herausforderung stellen, persische Gerichte zuzubereiten.

Die Teilnehmerzahl ist auf 24 Personen begrenzt, davon können 12 Personen am Kochen teilnehmen. Bitte geben Sie bei der Anmeldung an, ob Sie sich aktiv beteiligen möchten. Die Aktiven treffen sich um 17.00 Uhr in der Kochlounge im Hof auf Hof Sümmermann.
Passive Teilnehmer können natürlich auch um 17.00 Uhr eintreffen, dürfen sich aber auch bis 18.00 Uhr Zeit lassen.

Veranstaltungshinweise


Für den 1. September 2017 ist ein Wildkräuterseminar geplant. Allerdings kann sich der Termin je nach Wetterlage ändern. Bitte besuchen Sie die Website des Freundeskreises bei der Evangelischen Akademie Villigst für Hinweise in Bezug auf Zeit und Ort des Seminars.

Sonntag, 10. September 2017, findet in der Evangelischen Akademie Villigst in  der Zeit von 9.00 bis 18.00 Uhr zum 75. Geburtstag von Prof. Dr. Firoz Kaderali ein Kolloquium zum Thema "Trends der Informationsgesellschaft" statt. Nähere Informationen erhalten Sie rechtzeitig über die Website des Freundeskreises bei der Evangelischen Akademie Villigst.

Am 15. Oktober 2017 veranstaltet der Freundeskreis einen Afrika-Tag in Haus Villigst. Nähere Informationen erhalten Sie rechtzeitig über Frau Rost bzw. über die Website des Freundeskreises bei der Evangelischen Akademie Villigst.

 
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