Evangelische Akademie Villigst, Mai 2019

Inhaltsverzeichnis

Editorial


In diesem Jahr jährt sich der Todestag Alexander von Humboldts zum 250sten Mal. Der deutsche Naturforscher hatte in seinen Werken die Welt als ein Geflecht aus einer Vielzahl unterschiedlichster Abhängigkeiten beschrieben. Ein Gedanke, der Einzug gehalten hat in unser gemeinschaftliches Denken. Er schlägt sich nieder in unserem Verständnis und unseren Bildern von der Natur, den Lebewesen und von uns selbst. Doch während die einen meinen, dass wir dieses Geflecht wie ein wohl temperiertes Klavier verstehen und beherrschen, sehen die anderen die Gefahr des globalen Kollabierens. Ein Zwiespalt, der so oder ähnlich in fast jeder gesellschaftspolitischen Diskussion zu finden ist. Ein Zwiespalt, der nicht nur das Erreichen eines gesellschaftlichen Konsenses erschwert, sondern offenen, fairen und kritischen Dialog nötiger macht denn je – eine Herausforderung der sich die Evangelischen Akademien in Deutschland seit ihrer Gründung stellen.

In diesem Sinne wünscht Ihnen die Evangelische Akademie Villigst viel Freude beim Lesen.
Dr. Christian Schütz

Aktuelles

Europa: In Frieden investieren


Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche von Westfalen, Superintendent Heiner Montanus, erklärt:

13 Milliarden für Forschung und Entwicklung von Rüstungsgütern ausgeben: Das sieht die Verordnung für den Europäischen Verteidigungsfonds vor, die das Europäische Parlament an Gründonnerstag beschlossen hat. Die Summe wird im mehrjährigen Finanzrahmen für die Jahre 2021 bis 2027 bereitgestellt. Für „Militärische Mobilität“ sind weitere 6,5 Mrd. Euro vorgesehen. mehr ...

Ein Europa für Alle


Das Institut für Kirche und Gesellschaft ist Mitträger des regionalen Bündnisses, das unter dem Motto „Ein Europa für Alle – Deine Stimme gegen Nationalismus!“ zusammen mit mehr als 50 Organisationen und Verbänden zur Demonstration am 19. Mai 2019 in Köln aufruft – eine Woche vor der Europawahl. Zeitgleich werden in sechs weiteren deutschen Städten Demonstrationen stattfinden.
Die Europawahl am 26. Mai 2019 ist eine Richtungsentscheidung über die Zukunft der Europäischen Union. Nationalisten und Rechtsextreme hoffen darauf, mit weit mehr Abgeordneten als bisher ins Europaparlament einzuziehen. Das Bündnis mobilisiert dagegen und setzt sich für eine neue Vision von Europa ein: Für ein Europa der Menschenrechte, Demokratie, sozialen Gerechtigkeit und des ökologischen Wandels statt Nationalismus, Rassismus und Abschottungspolitik.
Um Europa zu verändern, fordert das Bündnis alle Bürger*innen auf, bei der Europawahl ihre Stimme zu nutzen.

Europa nicht den Rechtspopulisten überlassen


Die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) ruft dazu auf, Europa nicht den Rechtspopulisten zu überlassen und an der Wahl zum EU-Parlament teilzunehmen.
Die kommenden Europawahlen am 26. Mai seien von entscheidender Bedeutung, um die Europäische Union mit Blick auf Demokratie, Gerechtigkeit und Solidarität weiterzuentwickeln.

"Wachsender Nationalismus und Rechtspopulismus in Europa und wachsende soziale Ungleichheit gefährden Menschenrechte und das solidarische Zusammenleben", erklärt die Kirchenleitung. Rechtspopulistische Parteien in Deutschland und anderen europäischen Ländern "benutzen und missbrauchen die Ängste und Sorgen der Bürgerinnen und Bürger, um das noch unvollendete Projekt einer europäischen Demokratie zu zerstören." mehr ...

Impulse zur Europawahl 2019

Zeichen setzen für Demokratie, Gerechtigkeit und Frieden in Europa

Fridays for Future


Jeden Freitag setzen sich junge Menschen auf Demos für den Klimaschutz ein. Klaus Breyer, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft, ist auch seit Jahrzehnten in der deutschen und internationalen Energie- und Klimapolitik unterwegs. Thea Jacobs ist am Institut wissenschaftliche Referentin für politische Jugendbildung. UK unterhielt sich mit beiden über die Fridays-for-Future-Bewegung. mehr ...

Vorschau

Genome Editing – Schaffen wir eine neue Natur?


17. - 18. Mai 2019
Haus Villigst, Schwerte

Der Mensch als Schöpfer und Gott nur ein IT-Experte?
Der gezielte Eingriff in das Erbgut ist der Traum vieler WissenschaftlerInnen. Genome Editing – das präzise Austauschen einzelner Buchstaben des genetischen Codes ist mit einem neuen Verfahren, abgekürzt CRISPR/Cas, in erreichbare Nähe gerückt. Die Palette der Erwartungen ist groß! Neben der gezielten Züchtung von umweltangepassten Pflanzen, welche die Ernährung der steigenden Weltbevölkerung sichern sollen bis hin zur Heilung von Erbkrankheiten bei Menschen. Dabei könnten Erbgutveränderungen vorgenommen werden, die in allen folgenden Generationen wirksam sind. mehr ...

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung

Frauen in Südasien zwischen Tradition und Moderne


24. - 26. Mai 2019
Haus Villigst, Schwerte

Obwohl Frauen in Indien und angrenzenden Ländern auf vielfältige Weise diskriminiert werden, gibt es viele bekannte und selbstbewusste Autorinnen, die den südasiatischen Buchmarkt prägen. Unterschiedliche Lebenswirklichkeiten verschiedener Ethnien werden in diesen literarischen Werken präsentiert und in Frage gestellt.
Bei dieser Tagung werden wir verschiedene Autorinnen und Künstlerinnen aus angrenzenden Genres wie Film und Theater vorstellen.
Wir freuen uns darüber, dass wir mit Sara Rai eine Hindi-Schriftstellerin als Referentin gewinnen konnten, die uns ihre Erzählungen näher bringt und in einem zusätzlichen Workshop mit uns über ihre Arbeiten diskutieren wird.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung

Ein Gefühl von freierem Leben


Johann Wolfgang von Goethes Reise nach Italien (1786-1788)
Tagungsleitung: Prof. Dr. Peter Goßens, Ruhr-Universität Bochum

15. - 17. November 2019
Haus Villigst, Schwerte

Die Begeisterung deutschsprachiger Schriftsteller seit dem 18. Jahrhundert hat zu einem bis heute nicht abbrechenden Strom von Italienreisenden geführt, die vor allem eines mit dem Land ihrer Sehnsucht verbinden: Das Gefühl, dass es jenseits der Alpen irgendwie anders, besser ist, das Gefühl der Veränderung oder der “Revolution“, wie Johann Wolfgang von Goethe im “Tagebuch der Italienischen Reise“ schreibt. Sein Reisetagebuch, 1786-1788 geschrieben und in ersten Teilen 1816-1817, 1829 dann vollständig veröffentlicht, ist das bis heute einflussreichste Zeugnis dieses Enthusiasmus für das “Land, wo die Zitronen blühen“. Die Veranstaltung möchte seiner Route folgen und einen Blick auf die konkreten Begegnungen und Erfahrungen in den verschiedenen Orten seines Aufenthalts werfen: Denn Goethe reiste nicht als “normaler“ Tourist nach Italien, sondern im festen Vorsatz, sein Leben zu verändern.

Kontakt: Kerstin Gralher, Tel.: 02304 755-323, E-Mail schreiben

(Bild: Tischbein, Johann Heinrich Wilhelm, 1751-1829. Goethe in der römischen Campagna, 1787. Öl auf Leinwand 164x206. Standort: Städel Museum, Frankfurt am Main. Foto: Städel Museum, U. Edelmann. ARTOTHEK)

Rückblick

Demokratie in Gefahr


Mit großem Erfolg fand die 29. Winteruniversität in Kooperation mit der VHS Iserlohn und der ESO Education Group in der letzten Januarwoche statt. Aus unterschiedlichen Perspektiven wurden die Gefährdungen der Demokratie an vier Tagen in der University of Applied Sciences in Iserlohn dargestellt und diskutiert. Neben dem Bereich Politik und Gesellschaft wurden auch Aspekte aus Literatur und Philosophie, Medien und Wirtschaft im Laufe der Winteruniversität behandelt. mehr ...

Ausstellung

Flucht und Vertreibung


26. April - 6. Juni 2019
Haus Villigst, Schwerte

Wenn die Spuren der Flucht verschwunden sind, die Fuß- und Radabdrücke im Boden nicht mehr zu erkennen und die Hinterlassenschaften, zerstörten Gefährte und Boote, entsorgt wurden, dann ist noch lange nicht alles wieder gut. Dann bleiben die Wege und Ereignisse im Kopf der Geflüchteten und im schlimmsten Fall drehen sie sich im Kreis, entkommen der Fluchterfahrung nicht.

Uwe Scherer hat sich bildnerisch mit der Flucht als Topos auseinandergesetzt. Es sind expressive, eigentümlich schöne Arbeiten, die Details nur erahnen lassen. Die Arbeiten spielen mit dem Bildergedächtnis der Betrachter und setzten eigene, gedankliche Erinnerungen in Bewegung.

Mit seinen Arbeiten setzt Uwe Scherer der Sprachlosigkeit über dem Schrecken den Ausdruck des Malens entgegen.

Personalia

Thea Jacobs


Neue Referentin für politische Jugendbildung

Seit März 2019 übernimmt Thea Jacobs den Schwerpunkt „Nachhaltige Entwicklung von Wirtschaft und Arbeit – gesellschaftliche Transformation“. Sie wird im Kontext politischer Jugendbildung mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 26 Jahren sowie mit Multiplikator*innen arbeiten, Personen und Institutionen inhaltlich beraten und Veranstaltungen organisieren.
„Die politische Ausrichtung meiner Arbeit ist mir sehr wichtig. Ich möchte Jugendlichen und jungen Erwachsenen das Rüstzeug mitgeben, um sich gesellschaftlich und politisch Gehör zu verschaffen“, so Jacobs.
Im Bachelorstudium hat Thea Jacobs Politikwissenschaften und Romanistik/Italienisch an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena studiert. Den Masterstudiengang Gender Studies an der Universität Bielefeld schloss sie im März 2016 ab. Das Thema ihrer Masterarbeit war die Postwachstumsökonomie aus feministischer Perspektive. Während ihrer anschließenden, knapp dreijährigen Tätigkeit beim Flüchtlingsrat NRW als Referentin für die Vernetzung und Weiterbildung von ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe Engagierten, konnte Jacobs Erfahrungen in der Erwachsenenbildung, Vernetzungsarbeit und Veranstaltungsorganisation sammeln.
Inhaltliche Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Ökologie und Nachhaltigkeit, Grenzen des Wachstums, Postwachstum, Soziale Folgen von wirtschaftlichem Wandel, Fluchtursachen, Klimaflucht, Arbeit der Zukunft, Utopien für ein gutes Leben.

Michael Moser


Neuer Referent für politische Jugendbildung

Michael Moser ist Diplom-Sozialwissenschaftler und ebenfalls seit Anfang März wissenschaftlicher Referent für politische Jugendbildung beim Institut für Kirche und Gesellschaft. Zuvor hat er u.a. als Fachreferent für die Entwicklung eines lokalen Handlungskonzepts gegen Rechtsextremismus sowie in einem Modellprojekt zur Radikalisierungsprävention mit Jugendlichen gearbeitet.
Mit dem neu geschaffenen Jugendbildungsschwerpunkt „Demokratie stärken“ möchte Michael Moser Rechtsextremismus und Rassismus als gesamtgesellschaftliche Phänomene und somit die strukturellen Ursachen menschenverachtender und demokratiefeindlicher Haltungen in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung rücken.
Hinsichtlich der pädagogischen Arbeit ist es ihm wichtig, mit politischer Bildung auch sozial- bzw. bildungsbenachteiligte Jugendliche zu erreichen und diese in der Wahrnehmung eigener Interessen zu stärken. Die Vernetzung und vor allem die Qualifikation von Fachkräften aus allen Bereichen der Arbeit mit jungen Menschen wird hierbei eine Hauptaufgabe sein.

Publikationen

Antisemitismus und Protestantismus


Impulse zur Selbstreflektion

"Antisemitismus ist die Konstruktion des jüdischen Anderen als Negativfolie zum eigenen idealisierten Selbstbild", so lässt sich der Lern- und Forschungsprozess der letzten vier Jahre der Evangelischen Akademien in Deutschland zusammenfassen. Antisemitismus, mit seinen christlichen wie säkularen Wurzeln und Traditionen hat sehr viel mit dem eigenen Selbstbild und Selbstverständnis zu tun, er enthält kollektive wie individuelle Abwehrmechanismen, so dass antisemitische Einstellungen völlig unabhängig davon sein können, ob überhaupt echte Kontaktflächen zu Jüd*innen bestehen.
Impulse aus dem Projekt "Antisemitismus und Protestantismus", mit seinen vielfältigen Veranstaltungen und Forschungen, bietet nun eine neu erschienen Broschüre, die unter folgendem Link abgerufen werden kann: www.evangelische-akademien.de

Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben". Unterstützt von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Kultur ist Verheißung


Fragen und Anregungen zum Verhältnis von Kirche und Kultur
"Kultur ist Verheißung" stellt eine praxisnahe und zugleich theologisch vertiefte Erweiterung der Kulturpolitischen Leitlinien der Landeskirche dar.

Realistische und konfliktreiche Zwickmühlen der gemeindlichen Kulturarbeit werden vorgestellt und anhand verschiedener Lösungsansätze unterschiedliche Empfehlungen für den Umgang mit Kultur innerhalb der einzelnen Gemeinde entwickelt. Entlang dieser Spannungsfelder entspinnt sich ein Muster von  Fragen und Antworten, die das protestantische Selbstverständnis zur Kultur verhandeln  und die Möglichkeiten der Freiheit aufzeigen, die dadurch entstehen, dass sie im Gemeindealltag erprobt werden.
"Kultur ist Verheißung" ist der fünfte Band der Reihe Kultur in Kirchen und schließt die Reihe ab, die sich mit Kunst, Literatur, Film und Theater in Kirchen beschäftigt.

Alle Hefte können als PDF-Dateien heruntergeladen werden unter www.kultur-ekvw.de oder bestellt werden bei www.kirchenshop-westfalen.de oder unter Tel.:  0521/9440-130.

Theater in Kirchen


Eine praktische Arbeitshilfe
Mit "Theater in Kirchen" liegt ein neues Heft aus der Reihe "Kultur in Kirchen" für die Gemeinden vor.

Neben vielen Einblicken in die Theatergeschichte legt dieses Heft den Fokus auf die eigene Theaterarbeit in den Gemeinden. Wer sich behutsam dieser Form kultureller Gemeindearbeit annähern möchte, sollte nicht mit dem Textbuch von „Hamlet“ beginnen und dann passende Gemeindemitglieder für die Besetzung casten. Vielmehr legt diese Handreichung nahe, sich zunächst mit den alltäglichen, körperlichen Rollen von Pfarrern, Konfirmanden oder Gästen im Gottesdienst zu beschäftigen. Favorisiert werden Stücke, die Bearbeitungen zulassen, die Anpassung an die Gegebenheiten vor Ort ermöglichen. Es wird angeregt, sich den spirituellen Seiten des Theaters zu öffnen und sich einer nicht alltäglichen Sprache zu bedienen, da diese das Verständnis für die Rollen innerhalb der Stücke erleichtert. Auch wenn keine Eigenproduktion favorisiert wird, gibt das Heft eine Menge Unterstützung bei den Anforderungen, die ein Gastspiel mit sich bringt.Das umfängliche Heft schließt mit Praxisberichten und enthält außerdem eine Reihe von Literaturhinweisen.

Theater in Kirchen kann heruntergeladen werden unter www.kultur-ekvw.de oder bestellt werden bei www.kirchenshop-westfalen.de oder unter Tel.: 0521/9440-130.

 
Institut für Kirche und Gesellschaft
der Evangelischen Kirche von Westfalen


Iserlohner Straße 25
58239 Schwerte
Telefon: 0 23 04 / 755 - 332
Telefax: 0 23 04 / 755 - 318

info@kircheundgesellschaft.de
www.kircheundgesellschaft.de
» Newsletter abmelden