Flucht und Asyl

In der Nacht zum 5. September öffneten Österreich und Deutschland vorübergehend die Grenzen für Zehntausende von Zufluchtsuchenden, die unter erbärmlichsten Bedingungen in Ungarn festsaßen. Es war eine beispielhafte, wenn auch sehr späte, humanitäre Rettungsaktion. Als katastrophalen Irrtum bezeichneten Kritiker die Entscheidung der Kanzlerin.  Ungewöhnlich emotional reagierte Angela Merkel darauf: „Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land."

Angela Merkel ist vollkommen zuzustimmen. Aber wie sich unser Land im Umgang mit Geflüchteten entwickeln wird, ist vollkommen offen. Gleiches gilt auch für Europa.
Nach wie vor gibt es keine legalen Zugangswege, nach wie vor gibt es kein Zuwanderungsgesetz. Dublin III ist nicht außer Kraft gesetzt. Die Außengrenzen werden in Südosteuropa verstärkt und mit Tränengas und Wasserwerfern verteidigt. Von Solidarität und Lastenteilung bei der Aufnahme von Schutzsuchenden findet sich – auch in West- und Mitteleuropa – kaum eine Spur.
Mit vielen anderen engagieren wir uns für eine menschenwürdige Aufnahme der Geflüchteten in unserem Land. Wir sind dankbar über die vielfältige Hilfsbereitschaft und gelebte Willkommenskultur. Die Zeit ist jedoch überreif, die europäische Flüchtlings- und Migrationspolitik grundlegend zu verändern. Europa darf nicht länger seine Sicherheit und seinen Wohlstand auf einer Abschreckungsstrategie bauen, die Tote und menschenunwürdige Zustände einkalkuliert.
Als Evangelische Kirche beteiligen wir uns intensiv an dem aktuellen flüchtlings- und migrationspolitischen Diskurs.
Klaus Breyer, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft

Dublin ist nicht tot

"Dublin ist längst tot" - so heißt es in vielen Zeitungskommentaren oder auch in Talkshows. Gemeint ist damit: das Zuständigkeitssystem für Flüchtlinge in der EU, das auf der sogenannten "Dublin-III-Verordnung" basiert, funktioniert nicht mehr. Eigentlich sollen Asylsuchende nur in dem Mitgliedsstaat, in dem sie innerhalb der EU zuerst eintreffen, bleiben und ihren Asylantrag stellen. Dahinter steckt eine Abwehr-Logik, die nach dem Verursacherprinzip funktioniert: Wenn die Länder an den EU-Außengrenzen es nicht schaffen, die Flüchtlinge von Europa fernzuhalten, müssen sie für den "Schaden" selbst aufkommen, also die Asylverfahren durchführen und für Unterbringung, Versorgung und Abschiebungen aufkommen. mehr ...

Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?

Zuflucht finden in Europa
Gedanken zu Psalm 8

"Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt."
Korrupte Regime, zerfallende Staaten, Diktatoren die gegen das eigene Volk Krieg führen, der IS, der mit täglich größerer Brutalität sich selbst überflügelt, Todesangst  - unter Millionen,  Hundertausende auf der Flucht, kenternde Bote, Bilder, die sich in die Herzen brennen, ein totes Kind am türkischen Strand, die Festung  Europa - sie wird ausgebaut, nicht nur in Ungarn, auch in den Köpfen, auch - und das ist das neue - zwischen den Mitgliedstaaten der Union.  mehr ...

Zur aktuellen Situation der Flüchtlinge

Eine Erklärung der Leitenden Geistlichen der evangelischen Landeskirchen Deutschlands

Zum ersten Mal in der Geschichte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wenden sich die leitenden Theologen der Landeskirchen mit einer gemeinsamen Erklärung an die Öffentlichkeit. Für die Evangelische Kirche von Westfalen hat Präses Annette Kurschus unterzeichnet.

Den Text im Wortlaut finden Sie hier.

Ja, wir sind ein Zufluchtsland

Die evangelischen und katholischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen und ihre Verbände Caritas und Diakonie machen sich dafür stark, Nordrhein-Westfalen als "Zufluchtsland" zu sehen und entsprechend zu handeln.
In einem gemeinsamen Positionspapier erklären sie: "Wir nehmen die Herausforderung an, uns für die Aufnahme einer größeren Zahl von Schutzsuchenden bereit zu machen."
Flüchtlinge seien auch Hoffnungsträger, die mit ihren Fähigkeiten einen Beitrag für die Gesellschaft von morgen leisten. Von Anfang an brauche es ein Willkommen und die nötigen Rahmenbedingungen. Eine "Das-Boot-ist-voll"-Rhetorik entspreche nicht den wahren Möglichkeiten. Notwendig sei vielmehr das entschlossene Zusammenwirken aller Akteure in Staat, Kirchen und Verbänden, Wirtschaft, Initiativen und Vereinen.

"Ja, wir sind ein Zufluchtsland". Positionspapier als PDF Download

In ihrem "Wort zur aktuellen Situation von Flüchtlingen" stellt die Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen 2014 fest: "Ein Perspektiv- und Paradigmenwechsel ist notwendig: Es muss künftig von den Flüchtlingen her gedacht werden!"
Das Institut für Kirche und Gesellschaft ist in vielfältiger Weise an politischen Diskussionsprozessen zur Aufnahme, Unterbringung und Integration von Flüchtlingen beteiligt. Auf dieser Seite finden Sie Dokumente, an deren Entstehung wir mitgewirkt haben oder die Positionen wiedergeben, die unserer Haltung in den angesprochen Fragestellungen entsprechen.

Beschlüsse und Stellungnahmen zur Flüchtlingspolitik
Die Texte werden hier zur Verfügung gestellt, damit sie in Diskurse zur Flüchtlingspolitik auf verschiedenen Gestaltungsebenen eingebracht werden können.

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Kontakt


Andacht

Deutliche Worte fand Pfarrer Helge Hohmann, Beauftragter für Zuwanderung der Ev. Kirche von Westfalen, als er am Sonntag, 1. Februar 2015, im Wortzeit-Gottesdienst in der Bauernkirche als Gastsprediger zum Thema „Asyl“ sprach.
Lesen Sie hier die Predigt nach!