Friedensethische und friedenspolitische Herausforderungen für die kirchliche Friedensarbeit

Ausschnitt aus dem Freskenzyklus „Allegorie der Guten und Schlechten Regierung“, Ambrogio Lorenzetti 1337-1339, Sala della Pace, Palazzo Pubblico, Siena

Zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Krieges und der Ost-West-Konfrontation markieren die Weltfinanzkrise, der anthropogene Klimawandel sowie die nach wie vor hohe Anzahl von gewaltbasierten Konflikten die geopolitischen Herausforderungen in der Gegenwart und Zukunft. Konnte seit den 1990er Jahren zwar ein Rückgang von zwischenstaatlichen Kriegen als positive Entwicklung zur Kenntnis genommen werden, so muss gleichzeitig jedoch die Bedrohung der Sicherheit und des Friedens durch die in vielen Ländern herrschenden sporadischen Gewaltanwendungen und die zunehmenden Probleme fragiler Staatlichkeit sehr ernst genommen werden.

Nach oben

Parallel dazu ist seit Ende der 1990er Jahre ein Jahrzehnt der Aufrüstung zu beobachten, wobei in besonderem Maße die fortschreitende Proliferation von Nuklearwaffen als Bedrohungsszenario erhalten bleibt. Zudem hat der "11. September 2001" und seine Folgen (der "War on terrorism" sowie die Kriege im Irak und in Afghanistan) die Bedeutung der Religionen sowohl in ihren Konflikt eskalierenden wie auch Friedens fördernden Faktoren neu ins Blickfeld der internationalen Beziehungen gerückt. Die im Herbst 2007 veröffentlichte neue Friedensdenkschrift der EKD "Aus Gottes Frieden leben - für gerechten Frieden sorgen" benennt die hier knapp beschriebenen geopolitischen Herausforderungen als grundlegende Rahmenbedingungen der Friedensarbeit.

Nach oben

In ihrem Friedenszeugnis wie in ihrer Friedensarbeit orientieren sich die Kirchen am Leitbild des Gerechten Friedens: Wer aus dem Frieden Gottes lebt, tritt für den Frieden in der Welt ein. Das christliche Friedenszeugnis konkretisiert sich in Verkündigung und Gottesdienst, in Bildung und Erziehung, im Eintreten für das Grundrecht der Gewissensfreiheit, für Versöhnung statt Vergeltung und für einen gerechten Frieden als Leitbild einer kooperativen Weltordnung (Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (2007), Aus Gottes Frieden leben - für gerechten Frieden sorgen. Eine Denkschrift des Rates der EKD, Gütersloh, S. 124).

Die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW):

  • erklärt den Einsatz für Frieden und die gewaltfreie Konflikttransformation zum Wesen ihres Kircheseins und beschreibt dies als Kernaufgabe kirchlichen Handelns;
  • hat in einem eigenen Leitfaden für nachhaltige Geldanlagen in kirchlichen Haushalten wirtschaftliche Aktivitäten mit Unternehmen/Banken, die Rüstungsgüter herstellen bzw. Fonds von Rüstungsunternehmen anbieten zum Ausschlusskriterium deklariert;
  • setzt sich in konkreten Projekten in ihren internationalen (ökumenischen) Partnerschaften für Demokratieförderung, Achtung der Menschenrechte und für die Überwindung von Not und Gewalt ein;
  • initiiert und befördert den Diskurs in Kirche und Gesellschaft zu friedens- und sicherheitspolitischen Themen und Fragestellungen.

Nach oben

Angesichts der beschriebenen Herausforderungen an das Friedenszeugnis und das Friedenshandeln unserer Kirche soll die Arbeit durch ein "Kompetenzteam Frieden (KTF)" - angesiedelt im Institut für Kirche und Gesellschaft (IKG) - gebündelt und begleitet werden. Es hat die Aufgabe, in der vorgegebenen Mehrdimensionalität von Frieden und Gerechtigkeit (Querschnittsthema), die friedensethischen und politischen Anteile aufzuarbeiten und für die kirchliche Arbeit verfügbar zu machen. Dabei werden die verschiedenen Dimensionen und Aufgaben kirchlichen Handelns berücksichtigt und die ehren- und nebenamtliche Friedensarbeit unterstützt und qualifiziert. Die Friedensarbeit im IKG stützt sich auf eine enge Zusammenarbeit mit wesentlichen Akteuren aus Gesellschaft, Wissenschaft und Politik. 
Zentrale Arbeitsschwerpunkte sind:

  • Fortsetzung und Weiterentwicklung der Tagungsarbeit an der Ev. Akademie Villigst;
  • Analyse und Aufarbeitung der politischen und kirchlichen Entwicklungen;
  • Erstellen von Positionspapieren und Stellungnahmen, die auf die aktuellen friedenspolitischen Entwicklungen reagieren (z.B. Stellungnahme zum 10. Jahrestag von "9/11", siehe "Downloads auf dieser Seite);
  • Weiterarbeit an den Themen der Ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt (2001-2010) und der Ergebnisse der Internationalen Ökumenischen Friedenskonvokation in Kingston/Jamika (Mai 2011);
  • Ökumenische Friedensdekade: Versand der Materialien in die Gemeinden, Unterstützung und ggf. Organisation von Veranstaltungen vor Ort, jährlich wechselnder zentraler Eröffnungsgottesdienst (mit landeskirchlicher Friedensbeauftragten); 
  • Aussetzung der Wehrpflicht - Zivildienst - Freiwilligendienste: seelsorgliche und erwachsenenbildnerische Begleitung der Dienstleistenden im Programm "Freiwilliger Zivildienst", Fortsetzung und Neuausrichtung der KDV-Beratung, Angebote für Internationale Freiwilligendienste
  • Aufbau eines aktiven Netzwerkes für Friedensarbeit in den Gemeinden, Kirchenkreisen und Gruppen; 
  • Friedensbildung

Nach oben