Welche Hilfe beim Sterben wollen wir?

epd-Dokumentation Nr. 33 vom 11.08.2015

Das Sterben ist politisch geworden. Im Bundestag werden im Herbst dieses Jahres gleich vier Gesetzesentwürfe verhandelt. Die Evangelischen Akademien in Deutschland (EAD) widmen sich in zahlreichen Debatten und Tagungen dem Thema „Sterben und Lebensende“. Die Evangelische Akademie Villigst hat das Thema in diesem Jahr in zwei Veranstaltungen behandelt. Die Ergebnisse liegen jetzt in einer Broschüre gesammelt vor. Sie sind als epd-Dokumentation Heft 33/2015 (11. August 2015) erschienen. In der rund 40-seitigen Broschüre mit dem Titel: „Welche Hilfe beim Sterben wollen wir? Menschenwürde am Lebensende“ geht es neben einer Einführung in das Thema um den assistierten Suizid sowie Alternativen zum assistierten Suizid. Es gibt einen Erfahrungsbericht zur Arbeit in der Hospizarbeit. Die Autoren der Veröffentlichung bewerten den Medizinisch-technischen Fortschritt kritisch, der Mensch müsse als „Ganzes“ in den Mittelpunkt der ethischen Debatten gestellt werden. Zur Vergewisserung in den letzten Fragen ist der gesellschaftliche Diskurs notwendig.

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Sterbehilfe

Was in 2012 mit der Absicht des Verbots der gewerbsmäßigen Beihilfe zur Selbsttötung begann, hat sich zu einer gesellschaftlichen Grundsatzdebatte um Menschenwürde, Autonomie und ärztliches Selbstverständnis entwickelt. Die öffentliche Diskussion weist dabei längst über die Frage nach einer gesetzlichen Regelung des ärztlich assistierten Suizids und der gewerbsmäßigen Sterbehilfe hinaus. Die Positionen gesellschaftlicher Gruppierungen und politischer Parteien reichen von einem Verbot der Mitwirkung des Arztes bei der Selbsttötung über den Vorschlag, Medizinern unter Einhaltung strenger Sorgfaltspflichten die Hilfe bei der Selbsttötung und Begleitung in den Tod zu erlauben, bis hin zur Forderung der Freigabe der aktiven Sterbehilfe und damit der Tötung auf Verlangen.

Erfahrungen aus der Hospiz- und Palliativarbeit zeigen, dass der Wunsch nach Lebensbeendigung oft in der Angst vor Schmerzen, Alleinsein oder der Befürchtung, Anderen zur Last zu fallen, begründet ist. Solidarität, Mitmenschlichkeit und Zuwendung sowie der Auf- und Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung sind eine Alternative zur aktiven Sterbehilfe und zum ärztlich assistierten Suizid.

Palliativmedizin

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Hospizidee und Hospizbewegung bzw. in deren Folge Palliative Care und Palliativmedizin stehen für eine Gegenbewegung zu einem allein auf körperliche Heilung ausgelegten System: Damit ein Mensch auf dem Weg des Sterbens nicht alleingelassen wird und körperlich-geistig-seelisch-sozial „friert“, soll ein Mantel (=lat. pallium) um ihn gebreitet werden. Er soll in seiner letzten Lebensphase so selbstbestimmt und gut wie möglich leben und schließlich auch sterben können.

Etwa zwei Drittel der Bevölkerung wünschen sich zu Hause zu sterben. Palliativmedizin und Palliative Care wollen Menschen dabei ambulant begleiten. Wo ein sterben zu Hause nicht möglich ist, sollen schwerstkranken und sterbenden Menschen geschützte Räume, etwa in stationären Hospizen und in palliativ ausgerichteten Pfl egeheimen, geboten werden, in denen sie bis zum Lebensende verbleiben können. Für krankenhausbehandlungsbedürftige schwerstkranke Menschen stehen mittlerweile spezielle Palliativstationen zur Verfügung , auf denen die Patientinnen und Patienten palliativmedizinisch und -pflegerisch behandelt und "hospizlich" begleitet werden.

Weitere Informationen:
Evangelische Medizin- und Bioethik

Patientenverfügung

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Viele Menschen blicken mit Sorge auf das Ende ihres Lebens. Eine bestehende Krankheit, hohes Alter oder einfach die Beschäftigung mit dem Sterben lassen sie fragen: Werden am Ende meines Lebens Menschen bei mir sein, mir beistehen und Kraft geben? Werde ich zu Hause sterben können oder wird man mich ins Krankenhaus bringen? Werde ich unter starken Schmerzen leiden? Werde ich noch selbst bestimmen können, welche medizinischen Behandlungen an mir vorgenommen werden sollen und welche nicht?

So schwer es ist, sich mit der eigenen Sterblichkeit und den damit verbundenen Fragen auseinanderzusetzen, so sinnvoll ist es, ihnen nicht auszuweichen. Mit einer Vorsorgevollmacht und einer Patientenverfügung kann man seine eigenen Wünsche formulieren und so den betreuenden Personen und Ärzten eine wichtige Hilfestellung geben.

Wir möchten dazu anregen, sich mit dem Sterben und den eigenen Wünschen im Umgang mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung zu befassen. Wir möchten dazu beitragen, den Dialog zwischen der Ärzteschaft, dem Pflegepersonal, der Krankenhausseelsorge, den Patientinnen und Patienten sowie ihren Angehörigen über die verschiedenen Möglichkeiten der Patientenvorsorge zu intensivieren.

Weitere Informationen:
Evangelische Medizin- und Bioethik

Dokumentation

Weichenstellungen an den Polen des Lebens

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Wochenschau Verlag

Welche Hilfe beim Sterben wollen wir?

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Kirsten Simon
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