GSA - Gemeinsam für eine soziale Arbeitswelt

In Kooperation mit der katholischen Kirche führen die Evangelischen Kirchen von Westfalen und im Rheinland seit mehr als 60 Jahren in der Gemeinsamen Sozialarbeit der Konfessionen Seminare für Mitarbeitende der Ruhrkohle AG und der Adam Opel AG durch. Sie haben das Ziel, die Arbeitssituation in den Unternehmen für die Betroffenen zu verbessern.

Frauen und Männer aller betrieblichen Ebenen diskutieren ihre betrieblichen Erfahrungen und Belastungen, entwickeln Verbesserungsvorschläge für die betriebliche Praxis und beraten diese mit verantwortlichen Führungskräften und Betriebsräten. So wird ermöglicht, dass in allen betrieblichen Konflikten, Problemen und Veränderungsprozessen die Sichtweisen, Erfahrungen und Gestaltungsideen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter artikuliert und gehört werden und Eingang in die konkrete Umgestaltung und Verbesserung der Arbeit finden. Von dieser Arbeit profitieren Unternehmen und Kirchen: Erweiterte Gestaltungsspielräume der betrieblichen Akteure helfen, Arbeitsprozesse nachhaltig auf der Erfahrungsgrundlage der Beschäftigten zu verbessern. Gleichzeitig erschließen sich den Kirchen die Problemlagen und Belastungen der Arbeitswelt.

 

60 Jahre Gemeinsame Sozialarbeit der Konfessionen

Ruhr-Nachrichten 07.11.2010



Interview mit Dr. Wolfgang Herting, der seit fast 20 Jahren die GSA-Arbeit begleitet

Dr. Wolfgang Herting, Geschäftsführer der GSA

Was verbindet Sie als Vertreter des Gesamtverbands Steinkohle mit dem Institut für Kirche und Gesellschaft in Haus Villigst?

Als Bergbauingenieur bin ich beim Gesamtverband für den Bereich Tarif- und Belegschaftswesen zuständig. Im Frühjahr 1991 ist mir zusätzlich die Geschäftsführung der Gemeinsamen Sozialarbeit der Konfessionen (GSA) übertragen worden und meine erste Aktivität war ein Antrittsbesuch in Haus Villigst bei Pastor Wörmann, dem damaligen Leiter des Sozialamts und Vorsitzenden des Arbeitsausschusses der GSA.

Seit Beginn der Zusammenarbeit hat es viele organisatorische und personelle Veränderungen gegeben. Aber eins ist unverändert geblieben: Die ausgesprochen vertrauensvolle, zuverlässige und erfolgreiche Zusammenarbeit im Rahmen der GSA und auch darüber hinaus. Mich begeistert immer wieder, mit welchem Engagement sich die Leiter, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für die Ziele der GSA und deren konkrete Umsetzung in der Tagungsarbeit einsetzen. Sie sind eine tragende Säule der GSA und ihnen ist es zu verdanken, dass es diese Arbeit nun schon seit 60 Jahren gibt.

Darüber hinaus beeindruckt mich die Vielfalt der Aktivitäten des Instituts, die alle gesellschaftlichen Gruppen, von den handlungsstarken bis zu den schwachen und vernachlässigten, einbeziehen und sich mit allen für die Gesellschaft relevanten Problemstellungen geistig auseinandersetzen. Wegen der herausragenden Bedeutung des Instituts für Kirche und Gesellschaft für die GSA wird in Haus Villigst im November auch das 60jährige Jubiläum der GSA gefeiert.

Was ist das Besondere an der Gemeinsamen Sozialarbeit der Konfessionen?

Die Gemeinsame Sozialarbeit ist in vielerlei Hinsicht eine besondere Arbeit. Die Zusammenarbeit der Evangelischen und Katholischen Kirche in der GSA ist eine seit 60 Jahren andauernde konkrete und erfolgreiche Ausgestaltung der Ökumene. In den GSA-Tagungen, in die Mitarbeiter aller Betriebsebenen und –bereiche einbezogen werden, bringen die Teilnehmer selbst die Fragen zur Sprache, die sie an ihren Arbeitsplätzen bedrängen, arbeiten diese auf und entwickeln Lösungskonzepte, die mit dem jeweiligen Betriebsrat und der Unternehmensleitung erörtert werden.

Dieser verbindliche Dialog, geführt auf der Basis christlicher Vorstellungen vom Wert der Menschen, ist eine sinnvolle Verbindung von humaner Gestaltung des Arbeitslebens und wirtschaftlicher Effizienz. GSA ist ein konkreter, unmittelbar wirksam werdender Dienst der Kirchen am Menschen, der beispielhaft ist.

Welche Bedeutung hat diese Zusammenarbeit für Sie?

Die Mitwirkung an der GSA und die sich daraus ergebenden Begegnungen empfinde ich als große persönliche Bereicherung. Es gibt Befriedigung, an einer Arbeit beteiligt zu sein, die viel Gutes für die Menschen bewirkt. Die Kontakte zu interessanten Menschen, die vielen Gespräche und die Teilnahme an verschiedensten Veranstaltungen gewähren ein tieferes Verständnis von Zusammenhängen, weiten den Horizont und vermitteln neue Sichtweisen. Diese Zusammenarbeit möchte ich nicht missen.

Für meine innere Auseinandersetzung mit der „Kirche“ ist die Kenntnis von dem vielfältigen Wirken der Kirchen für die Menschen und die Gesellschaft, wie z.B. durch das Institut für Kirche und Gesellschaft, von großem Einfluss.

Das Interview führte
Rose Richter, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, Bochum

 

 

 

Kontakt

          Festakt 60 Jahre GSA

Pfarrer Klaus Breyer, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft der EKvW
Dr. Franz Grave, Emeritierter Weihbischof von Essen
Ludwig Ladzinski, Vorsitzender der AG der Betriebsräte im RAG-Konzern
Dr. Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen
Nikolaus Schneider, Präses der EKiR
Peter Schrimpf, RAG Vorstandsmitglied