Wir trauern um Rüdiger Sareika

Mit Bestürzung mussten wir erfahren, dass unser langjähriger Kollege, Dr. Rüdiger Sareika, am 30. August 2023 verstorben ist.

Rüdiger Sareika war 31 Jahre lang Studienleiter der Evangelischen Akademie - zuerst in Haus Ortlohn, in Iserlohn, ab 2007 dann in Haus Villigst. Ambitioniert und mit Herzblut vertrat er den Studienbereich Kunst, Kultur und Interkultur. Ohne seinen unermüdlichen Einsatz für eine evangelisch geprägte Kulturarbeit innerhalb der EKvW gäbe es keine Kulturbeauftragung und hätte sich auch kein Netzwerk kreiskirchlicher Kulturbeauftragter vor Ort etablieren lassen. Entscheidend dabei war seine Vorstellung davon, dass im Zusammen von Kultur und Kirche etwas Neues entsteht. Mit den Kulturpolitischen Leitlinien, die er gemeinsam mit den Pfarrerinnen und Pfarrern vor Ort entwickelte und die 2004 von der Kirchenleitung verabschiedet wurden, sind Maßstäbe für eine Institutionalisierung und Verstetigung der Kulturarbeit in westfälischen Kirchengemeinden gesetzt worden.

Rüdiger Sareika

Kristallationspunkt seiner Auseinandersetzung mit Literatur und deren Funktion in einer offenen Gesellschaft war die Trilogie „Die Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss, über den er auch promoviert hatte. Als Studienleiter rückte er bereits in den 1980er Jahren den Bereich der Arbeiterliteratur und hier insbesondere die migrantischen Literatur in NRW in den Fokus. Interkulturelle Themen, die sich über den gesamten Globus erstreckten, waren Teil seines Arbeitsfeldes. Hinzukam der Film als weiteres gesellschaftlich relevantes Kunstmedium und später die Popliteratur. Neben den vielseitigen Aufgaben der Studienleitung setzte sich Rüdiger Sareika außerdem für eine Konzeption und Gestaltung von Haus Villigst als Kulturort ein, für den er regelmäßig Ausstellungen mit namhaften regionalen und international bekannten Künstlern kuratierte und eine Kunstsammlung anlegte.

Rüdiger Sareika war jahrelang stellvertretender Direktor der Evangelischen Akademie als sie noch in Haus Ortlohn/Iserlohn beheimatet war. Er war Vorstandsmitglied bei Oikosnet Europe, dem europaweiten Verbund christlicher Akademien und Laienzentren und der Internationalen Peter Weiss Gesellschaft e.V.. Außerdem engagierte er sich beim Dachverband der Evangelischen Akademien in Deutschland (EAD).

Nachdem er 2012 aus dem Dienst ausgeschieden war, setzte er sich bis kurz vor seinem Tod für die Kulturarbeit in seiner Heimatgemeinde ein und gestaltete das kulturelle Leben dort intensiv mit. Durch seine Mitarbeit in vielfältigen Gremien, Vereinen und Arbeitszusammenhängen lernten sehr viele Menschen Rüdiger Sareika nicht nur als herzlichen, zugewandten Zeitgenossen und Kollegen kennen und schätzen. Mit seiner besonnenen Art prägte er ein Verständnis von Kultur und Kunst im kirchlichen Raum, das in seiner Selbstverständlichkeit bis heute vorbildlich ist.

Kerstin Gralher, Kulturbeauftragte der EkvW, Leiterin der Evangelischen Akademie Villigst im Institut für Kirche und Gesellschaft
Klaus Breyer, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft

Der vollständige Nachruf (PDF)