Diakonin Sylvia Henselmeyer, inspiriert von einem Text von Christina Brudereck
Heute will ich in die Bäume greifen.
Ohne auch nur einen Gedanken
an lästiges Marmeladekochen zu verlieren.
Es darf ja nichts verkommen!
Heute will ich einfach nur ernten.
Dann dankbar in der Küche stehen.
Den richtigen Moment abwarten.
Die Gläser befüllen.
Heute greife ich in die Äste und fülle meine Hände.
Mit den Gaben, die mir zufallen.
Reif und prall und herrlich anzusehen.
Herbsttypen.
Voll mit Sonne getankt.
Volltrunken mit Regentropfen.
Standhaft jedweden Sturm abgewehrt.
Gaben aus Gottes Garten.
Heute will ich danken.
Mehr, als an jedem anderen Tag.
Ich werde dem Leben eine Menge Liebeserklärungen machen.
Den ganzen Tag mich bedanken.
Für das Selbstverständliche.
Wasser. Seife. Äpfel. Birnen. Meine Kaffeemaschine.
Und für das Außergewöhnliche auch.
Den ganzen Tag will ich mich verneigen.
Vor der Fülle des Lebens.
Ich werde laut singen:
„Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn, drum dankt Ihm.
Dankt!“
Heute will ich den ganzen Tag staunen.
Und andächtig das Leben bewundern.
Mit vollen Händen stehe ich da
und denke verneigend an die Menschen,
die mit ihren Händen Liebe und Wärme schenken.
Die berühren, waschen, pflegen, umarmen. Tag für Tag.
Viel öfter sollte ihrer Hände Werk gedacht werden.
Derweil dampft die Marmelade in den Gläsern.
Und ich denke, wem ich heute eine Freude machen kann.
Mit vollen Händen schenken.
Dankbarkeit ernten. Und ein Lächeln dazu.
Gemeinsam ins Marmeladenbrot beißen.
Nachbarschaftliche Tischgemeinschaft genießen.
Kauend dann der biblischen Wahrheit nachspüren:
„Denn was ein Mensch sät, wird er auch ernten.“ [Gal 6,7]
Aus einem stillen Lächeln werden zwei.
Wir schmecken das Leben. Purer Genuss.
Heute will ich ganz besonders danken.
Innehalten.
Die Früchte des Tages zählen.
Und dankbar sein für alles, was wächst.
Auch ohne mein Zutun.
Manchmal ganz unscheinbar. Verborgen.
Ich möchte danken für das,
was mir trotzdem geschenkt ist.
Einfach so. Wie der Lebensatem.
So ist Erntedank.
Ein Freudenfest für die Sinne.
Zum satt essen und satt sehen.
Da steht keiner mit leeren Händen da.
Da sind alle reich Beschenkte.
Gott sei Dank!
