Die Vielfalt der Insekten entdecken – Praxistage für Klein und Groß auf fünf Friedhöfen im BiCK-Projekt

Das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt geförderte Projekt „BiCK – Biodiversitäts-Check in Kirchengemeinden“ der Evangelischen Kirche von Westfalen hat in den letzten Projektjahren erfolgreich Ideen entwickelt und gemeinsam in der Gemeinde angepackt, um Kirchengelände nachhaltiger zu gestalten.

Friedhof Exter, Zollstockmethode

Im Rahmen von fünf Praxistagen, gestaltet von der Landschaftsökologin Sara Kehmer von der NABU-Naturschutzstation Münsterland, wurde die Insektenvielfalt auf den Friedhöfen in Silschede, Halver, Exter, Hamm-Mark und Bochum-Wiemelhausen genauer unter die Lupe genommen. In der Regel waren Erwachsenengruppen die Zielgruppe, bei einigen Terminen sprang der Funke jedoch auch auf Kinder und Jugendliche in den Gemeinden über: In Halver nahm eine Vorschulgruppe teil, in Hamm-Mark eine Realschulklasse. Referentin Sara Kehmer zeigte sich flexibel und vermittelte jeweils spielerisch mit Methoden aus der Umweltbildung spannende Einblicke in die Insektenwelt. 

So erklärte sie, wie man die wichtigsten Insektengruppen erkennt und welche Maßnahmen Friedhöfe zu geeigneten Lebensräumen machen können. Vorgestellt wurden verschiedene Wildbienen-Arten, Schlupfwespen, Schwebfliegen, Fliegen und Käfer – allesamt wichtige Bestäuber. Besonders im Fokus stand die vielfältige Gruppe der Wildbienen. „Jede Wildbienenart hat ihre ganz eigenen Ansprüche an Pflanzenarten-Vielfalt und Nistmöglichkeiten – wie zum Beispiel die Efeu-Sandbiene, die ausschließlich im Spätsommer am blühenden Efeu zu beobachten ist“, erläuterte Sara Kehmer sichtlich begeistert. 

Nach einer kurzen Einführung gingen die Teilnehmenden jeweils selbst auf Entdeckungstour über die Friedhofsgelände. Überall gab es Lebensräume zu finden, in denen es summte und brummte: auf Blumenwiesen, in stehendem Totholz, in offenen Bodenstellen mit nistenden Grabwespen und Wildbienen oder auf mageren, wildkräuterreichen Rasenflächen. Unterstützt wurden die Beobachtungen durch die Bestimmungs-App ObsIdentify, die von Sara Kehmer vorgestellt und direkt ausprobiert wurde. Zusätzlich präsentiert wurde die von der NABU-Naturschutzstation Münsterland neu entwickelte „Zollstock-Methode“: Dabei wird ein Quadratmeter abgesteckt und innerhalb von fünf Minuten gezählt und bestimmt, welche blütenbesuchenden Insekten dort vorkommen. Für den Einsatz im Citizen Science-Bereich ist diese Methode auch für Menschen ohne Vorkenntnisse besonders geeignet, da man lediglich zwei Zollstöcke, einen speziell entwickelten Erfassungsbogen und eine Stoppuhr benötigt. Sie regt dazu an, genau hinzuschauen – und eröffnet faszinierende Einblicke in die Vielfalt direkt vor der eigenen Nase. 

Eine Teilnehmerin berichtete begeistert: „Die Zollstock-Methode hat mich überrascht. In den fünf Minuten, in denen ich mir bewusst Zeit genommen habe, die Wiese genau zu betrachten, wurde mir klar, wie viele Tiere darin leben! Selbst in einem Altgrasstreifen wie diesem, der von weitem eher braun und wenig lebendig wirkt, steckt so viel Leben – das ist ja fast wie Meditation!“ 

Das Interesse der Teilnehmenden war groß. Neben den bereits geschaffenen Biotopen in den Gemeinden wurden weitere Ideen entwickelt, wie die verbleibende Projektlaufzeit bis Ende des Jahres genutzt werden kann, um die Insektenvielfalt noch stärker zu fördern. Wissen und Begeisterung tragen die Teilnehmenden nun in ihre Gemeinden weiter. 

Am Ende der Veranstaltungen wurde deutlich: Friedhöfe sind nicht nur Orte der Trauer, sondern auch Lebensräume voller Artenvielfalt und Aufenthaltsqualität – für Menschen wie für Insekten. Mit Hilfe des BiCK-Projekts werden diese Qualitäten sichtbar gemacht und gezielt gestärkt. 

Sara Kehmer 

Friedhof Exter, Sara Kehmer
Friedhof Silschede, Praxistage Blütenbesuchende Insekten
Praxistage_Silschede
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