Am besten das Schlechteste!

An Jahres- und Gedenktagen ist 2025 kein Mangel, 80 Jahre Kriegsende in Europa und in Asien, Aufatmen und Neuanfang nach millionenfachem Morden, Töten und Sterben weltweit. Aufatmen und Neuanfang – und rückblickend doch schon der Beginn des kalten Krieges.

80 Jahre Evangelische Kirche in Deutschland, gegründet angesichts des beinahe vollständigen Versagens eines ach so deutschen Protestantismus angesichts der Diktatur. Neuorientierung, Besinnung und Konsolidierung – und rückblickend doch auch eine gehörige Portion Restauration.

Ein Jubiläum fällt da vielleicht kaum ins Gewicht – und muss gerade deshalb erinnert werden. 1985 veröffentlichte die EKD ihre sogenannten „Demokratie Denkschrift“  - im Wortlaut: „Evangelische Kirche und freiheitliche Demokratie. Der Staat des Grundgesetzes als Angebot und Aufgabe“. Das klingt schwergewichtig und kopflastig und ist doch wirklich ein Grund zum Feiern.

Block, Stift, Füller, Angemerkt

Denn hier – erst 40 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur – bekennt der Protestantismus im Land der Reformation endlich, dass die rechtsstaatliche Demokratie nicht irgendeine von vielen möglichen Staats- und Gesellschaftsmodellen ist, sondern die, die dem Evangelium von Gottes Güte in Jesus Christus wirklich entspricht.

Denn: Demokratie weiß um die Fehlbarkeit von Menschen – und verleiht deshalb Herrschaft nur auf Zeit. Sie stellt die Macht zur Wahl. Sie fußt auf der Gleichheit und Würde aller Menschen – und ist verpflichtet sie zu schützen (Artikel 1 Grundgesetz).

Das ist die breite Schnittmenge von Evangelium und Demokratie. Deshalb sind Christ*innen aufgerufen, diese Form des Zusammenlebens nicht nur zu achten, sondern an ihr mitzuwirken, sie zu pflegen, auch zu verteidigen – und wo nötig – sie auch an ihren innersten Kern, die Menschenwürde zu erinnern.

Weniger verkopft: „Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen – mit Ausnahme aller anderen.“ So formuliert es Winston Churchill, der kauzige, kompromisslos mutige und darin urdemokratische Gegenspieler Hitlers im Kampf um ein freies und demokratisches Europa.

Demokratie ist Christenpflicht. Eine Wahl gibt es da nicht, sonst aber schon – so wie am 14. September.

Ja, sie lässt sie leicht schlechtmachen, die Demokratie. Aber sie wird besser je mehr mitmachen. Ja, es gibt viel zu meckern an den Mechanismen und Marotten der Politik. An ihrer Kurzatmigkeit und ihren Abhängigkeiten. Es gibt vieles anzumahnen in finanziell knappen und populistischen Zeiten: Die Sorge für die Schwachen, die Fremden und für die Schöpfung.  

Aber es gibt auch viel zu danken. Besonders denen, die sich derzeit in NRW aus den demokratischen Parteien ihren Mitbürger*innen zur Wahl stellen. Und allen, die an je ihren Orten, in demokratischen Parteien, in den Religionsgemeinschaften, Bürgerinitiativen und anderswo, ein demokratisches Gemeinwesen gestalten. Gott sei Dank dafür und Gott sei Dank für Ihren Beitrag dazu!

 

Herzliche Grüße sendet und viel Freude bei der Lektüre unseres Newsletters wünscht

Jan-Dirk Döhling  

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Dr. Jan-Dirk Döhling, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft

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