Zeit der Zauberer

Es klingt, als hätte man ein James-Bond-Drehbuch, bei einem Kabarettisten in Auftrag gegeben. Ein überaus höflicher, aber zugleich ziemlich finstrer Milliardär hat zu viel in der Bibel gelesen (oder zu wenig), das kommt drauf an. Und der nimmt mit all seinem Geld und einem kruden Mix aus Tech-Theologie und Macht die Apokalypse selbst in die Hand, natürlich um sie aufzuhalten. Ach so, und den US Vizepräsident hat er natürlich auch längst schon auf seiner Seite. Einer aber nimmt den Kampf auf und stemmt sich dagegen und das ist - dieser Drehbuch-Autor hat wirklich Humor – kein geringer als der Papst. Der hat zwar keine Gadgets und kein Superheldenkostüm (obwohl …), aber eine Super-Waffe hat er doch und das ist – Phantasie Literatur.

Block, Stift, Füller, Angemerkt

Das kann sich wirklich niemand besser ausdenken. Aber so ist es, in seiner ersten Enzyklika ‚Magnifica Humanitas‘ zitiert Leo XIV einen „katholischen Schriftsteller“ – wie es vornehm heißt. Tatsächlich zitiert er – durchaus standesgemäß für einen Papst – keinen geringeren als den Zauberer Gandalf, aus Tolkiens „Herr der Ringe“: „It is not our part to master all the tides of the world, but to do what is in us for the succour of those years wherein we are set …”

Während kaum eine kirchliche Sitzung vergeht und kaum ein Leitartikel erscheint, indem sich Protestant*innen nicht ihren eigenen Bedeutungsverlust attestieren und die gesellschaftliche Irrelevanz von Glaube und Bibel bestaunen, findet Vice President Vance der Papst solle sich doch besser aus der Theologie heraushalten. Zugleich sind Snippets aus Bibel und Theologie längst schon zur dunklen Materie und zum ideologischen Steinbruch für rechte Nationalisten der Magabewegung und für Tech-Propheten, wie seinem Förderer Peter Thiel, geworden.

Der Papst setzt der Silicon-Valley Phantasie von der digital optimierten in die Cloud und den Weltraum entkommenen Menschheit die wirklich phantastische Geschichte des Glaubens und der Humanität entgegen: Vom Menschen, der – mit all seinen Schwächen – wunderbar gemacht ist (Psalm 139,14), von Gott, der Mensch wurde und von einer Welt, die eben deshalb nicht zum Teufel gehen wird, sondern in guten Händen ist.

Nebenbei macht sich Leo freundlich lächelnd den Spaß, J.R.R. Tolkien, Thiels Säulenheiligen – und Namengeber fast aller seiner Firmen wie Plantir, Mithril Capital, Anduril-Industries – wieder dahin zurückzuholen, wohin er gehört: Auf die helle Seite der Macht. Jetzt müssen wir uns nur noch die Bibel zurückklauen!

‚Nicht an uns ist es‘ so lassen Papst und Zauberer wissen ‚alle Stürme der Welt zu beherrschen, sondern zu tun, was an uns ist, in den Tagen, in die wir gestellt sind.‘

„Hiergeblieben!“ – so hat es ein evangelischer Theologe einmal gesagt – „ist die Parole des Heiligen Geistes“. Nicht wir müssen die Welt retten, auch nicht im notwendigen Streit gegen dunkle Phantasten. Nicht wir schreiben die Heilsgeschichte, Gott hat sie geschrieben und schreibt sie weiter. An uns ist es einander und den Mitmenschen beizustehen, Zeitgenoss*in sein im Hier und im Jetzt. Das reicht.

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Ihr Jan-Dirk Döhling

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Dr. Jan-Dirk Döhling, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft

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